DER RASSETAUBENSCHLAG UND SEINE EINRICHTUNG

Von Natur aus sind unsere Rassetauben reine Flugvogel. Infolgedessen sollten sie Bewegungsfreiheit niemals entbehren mussen. Konnten sich die Tauben auch noch ein Jahrzehnt lang nach dem letzten Krieg im Freiflug ungehindert wohlfuhlen, so lassen technische und landschaftliche Veranderungen in unserer Umwelt diese seinerzeit ublichen Freizugigkeiten nunmehr kaum noch zu. Rassetaubenhaltung gedeiht heutzutage bevorzugt in Volieren - zumindest dort, wo behordliche Auflagen nach gesetzesmabigen Richtlinien oder sonstige Einschrankungen die Freiflughaltung beeintrachtigen.
Die Lage des Grundstuckes, vorhandenes Raumangebot innerhalb eines Gebaudes, zur Verfugung stehende Grundstuckflache wie auch das ausgewiesene Wohngebiet mit evtl. moglicher Kleintierhaltung begunstigen oder benachteiligen die Wahl einer geeigneten Taubenrasse, wenn auch die Haltensweisen der zahlreichen Rassen letztlich gleich bis zumindest ahnlich sind.
Die Unterbringung erfolgt entweder in einem DachU oder einem Gartenschlag. Der Dachschlag im Flause bietet sich fur fluggewandte Rassen an. Freiflug kommt einer idealen Haltung unserer Pfleglinge sehr zugute, denn Muskulatur und Gefieder bleiben straff. Ihr Temperament konnen die Tauben dabei vollig frei entfalten. Des Zuchters Anliegen ist, sich am Flugspiel seiner Tiere zu erfreuen.




Der ebenerdige Gartenschlag indessen weist etliche Vorteile auf: Fur den Zuchter ist die Betreuung wesentlich leichter. Der Umgang mit den Tieren erfolgt muhelos. Die Tauben lassen sich aus nachster Nahe beobachten, und die Pflegearbeiten bedurfen keines besonders groben Aufwandes. Bedingt durch dessen Standort, steht im Gartenschlag das Raumklima standig im Einklang mit den AuUentemperaturen. Wird die Taubenhaltung in einem Dachschlag beabsichtigt, bedarf es, sofern am GebaudeauUeren keine wesentlichen baulichen Veranderungen getroffen werden mussen, keiner baubehordlichen Zustimmung. Ist die Neuerstellung eines Gartenschlages geplant, so besteht Anzeigepflicht dieses Vorhabens zumindest bei der ortlichen Bauverwaltung. Diese entscheidet letztlich uber den exakten Standort und dessen Raumgrobe.
Bewahrt haben sich Gartenschlage sowohl in HolzU als auch in massiver Steinbauweise (Abb. l). VorU und evtl. Nachteile gleichen sich aus. Zur Schaffung eines sowohl fur Tiere als auch fur Menschen ertraglichen Raumklimas ist die Luftung von behaglichkeitsfordernder Bedeutung. Das Klima gilt als ausgeglichen, wenn es im Schlag nicht "nach Taube riecht", wie man allgemeinverstandlich formulieren konnte. Unzureichende Beluftung ist dann spurbar, wenn atzende Luft bei Wetterumschwungen stickig im Raum steht. Die diagonale Anordnung von mit Mausegittern versehenen Offnungen, in harmonischem Verhaltnis zu Schlaggrobe und Anzahl der Tauben, kann einen erfrischenden Luftaustausch bewirken. Zugluft jedoch ist unbedingt zu vermeiden.
Die Ausstattungen der Dachb und diejenigen der Gartenschlage unterscheiden sich nicht unbedingt, gleichen sich vielmehr funktionell durchaus und sollten notwendigerweise, aus hygienischer Sicht betrachtet, aus pflegeleichten Materialien erstellt sein. Bewahrt haben sich seit eh und je Einrichtungsgegenstande aus handelsublichem Bauholz. Die Oberflachen sind gehobelt. Ritzen, RisseU sowie Fugenbildungen werden vermieden. In alter Literatur werden fur das erforderliche Raumvolumen pro Taubenpaar gewisse Erfahrungswerte beschrieben, die heutzutage sicherlich kaum noch zutreffend sind, weil sich die heutige Rassetaubenzucht im Verhaltnis zur freien Taubenhaltung von fruher wesentlich geandert hat.
Diente die Taubenhaltung "anno dazumal" vorrangig einer Bereicherung des Speisezettels, gilt sie heute weit eher als gefallige Freizeitbeschaftigung. Die Methoden konsequenten Zuchtens verlangen demnach eine grobere Zuchtanlage, wozu nicht zuletzt ein Jungtierschlag gehort. Die gesamte Anlage - egal, wie ausgedehnt sie ist Usollte in angemessenem Verhaltnis zum Flugraumangebot einer moglichst vorgelagerten Voliere stehen, wobei die Tiere im Freiflug keinerlei Anspruche auf uberdimensionale GroUen stellen.
Am wichtigsten ist eine ausgewogene Nistzellengrobe. Die Nistzellen der obersten Reihe sollten sich in Augenhohe befinden, die Stallraumhohe zwei Meter nicht uberschreiten. Die Schlage sollten hell und geraumig sein, bei vielen Paaren ausreichend grob genug, fur wenige entsprechend kleiner. Die Behausung mit dem eigenen Nest bildet den Mittelpunkt eines Taubenlebens. Ausmabe sind auf die jeweilige Rasse zugeschnitten anzulegen. So ergeben sich z. B. in Vergleich des leichten Wiener Tummlers zum grobvolumigen Altdeutschen Kropfer grundlegende Bedurfnisunterschiede, nicht zuletzt unter Berucksichtigung des Flugvermogens, [n der Nistzelle sollten ohne Einschrankung vollkommene Kopulationen moglich sein.
Bauliche Voraussetzung ist die unkomplizierte Handhabung dieser Einrichtung. Der Boden, versehen mit einer vorderen Aufkantung zum Schutze noch nicht flugger Jungtauben, ist auf Leisten gelagert, damit dieses Schubfach zum Reinigen beweg lieh bleibt. Zum VerschlieUen haben sich zwei sogenannte "Vorsatzgitter" (Abb. 2) aus dem Angebot des Fachhandels oder auch eigene Bauteile nach solchen Mustern in Form von HolzU und Stahlgittern bewahrt. Wechselseitig konnen beide Einzelteile beliebig entfernt oder auch wieder eingehangt und je nach Bedarf die Offnungsseite reguliert werden.



Mit solchem Trenngitter wird die Brutzelle in der Mitte teilbar. Es unterbleiben die Storungen nach Futter bettelnder Jungtauben beim Bruten der Elterntiere. In dieser Weise ausgestattet, kann dort mit dem Zuchtbeginn das Anpaaren der Geschlechter erfolgen. Das Eingewohnen wird auf diese Weise ebenfalls erleichtert. Eine Numerierung der Nistzellen kommt der Zuchtbuchfuhrung sehr entgegen. Bei fluchtigen Rassen wird man nicht umhinkommen, anstelle der beschriebenen Frontgitter auf engmaschige bis geschlossene Abschirmungen auszuweichen. Von Rasse zu Rasse ist zu erwagen, welches Brutverlies abzudunkeln oder nur mit einer Sichtbehinderung zu versehen ist.
Die SchlagUAusflugoffnung liegt am gunstigsten in halber KorperU bis Kopfhohe von Osten nach Suden. Doch auch die Ausrichtung gen Westen wird mit windabweisenden Vorbauten durchaus moglich. Zum Schutze gegen naturliche Feinde soll jede Schlagoffnung mit einer Verschlubmoglichkeit versehen sein. Auch das gelegentliche Einfangen von Tauben gelingt dadurch viel schneller.
Zusatzliche Sitzplatze sind in einem Zuchtschlag uberflussig. Nach Zuchtende werden die einzelnen Zellen verschlossen. Im Zuchtschlag verbleiben nur die Alttauber: geschlechtsreife Jungtauber aus dem Jungtierschlag finden dort mit dem Erwachsenwerden schlieUlich ihre Unterkunft. Wie beschrieben, beherbergt der Jungtierschlag die abgesetzten Jungtauben als einstweiliges Ausweichquartier. SchlieUlich bleiben sie dort unbelastigt, sind unter Gleichaltrigen und konnen sich entfalten. Dieser zweckdienliche Stall ist mit mindestens einem Sitzplatz fur jede der zu erwartenden Jungtauben auszustatten. Laufbretter vergrobern die Schlaggrundflache und erfullen den Platzbedarf. Bewahrt haben sich seit ehedem, in genugend grobem Abstand uberU und nebeneinander angeordnet, dachformige Sitzplatze ("Reiter") wie auch tellerformige Sitzmoglichkeiten in ausreichendem Abstand zur Schlagwand. Diese Sitzplatzanordnung verhindert das gegenseitige Beschmutzen der Tiere. Fur unsere Tauben als "Distanztypen" sind, wiederum in Anlehnung an Rasse und Temperament, individuelle Mababstande (IndividualUdistanz) von Platz zu Platz einzuhalten. AuUerhalb der Zuchtzeit beherbergt der Jungtierschlag die Alttaubinnen, Jungtauben sowie noch nicht fortpflanzungsfahige Tauber. Erganzend sei darauf hingewiesen, dab Zuchter von schweren und groben Rassen gelegentlich im Jungtierschlag einige Parchen einer leichteren Rasse unterbringen, da dort keine grobe Gefahr von Belastigungen besteht.
Wichtige Ausstattungselemente wie FuUboden und Einstreu sind ein Thema fur sich. Bei der Wahl geeigneter Bodeneinstreu gehen die Meinungen ziemlich auseinander. Ausschlaggebend ist der Grund des Stallbodens, der eine geschlossene, ebene Oberflache aufweisen und freilich pflegeleicht sein soll. Bevorzugt finden HolzfuUboden aus gehobelten NutU und Federbrettern oder auch grobflachige, mehrfachverleimte wasserfeste Schichtplatten mit geringen Fugenanteilen Verwendung. Auch von geglatteten Zementestrichboden mit Warmedammeinlage sind keine Nachteile bekanntgeworden.
Allerdings leiden auch diese homogenen Festbelage unter dem aggressiven Taubenkot, sofern auf eine kotbindende Einstreu verzichtet wird. Betrachtliche Vorteile bei der Regulierung der Luftfeuchtigkeit bieten austauschbare Bodendecken, die das Raumklima das ganze Jahr hindurch angenehm beeinflussen konnen. Von den zur Auswahl stehenden Materialien weist Sand mit l : 0.25 das niedrigste FeuchtigkeitsUbindungsvermogen im Vergleich zu Torfmull (l : 4.00), Holzspanen (1.50) und Stroh (2.65) auf.
Eine Stroheinstreu wird von frisch abgesetzten Jungtauben liebendgern angenommen. Viele Zuchter bedienen sich einer SandUHolzspanemischung, andere wiederum verzichten vollig auf eine Einstreu, damit sie den Kotabsatz kontrollieren konnen, reinigen dafur aber taglich einmal bis mehrfach mittels Schaber den Boden in Verbindung mit einer Spruhdesinfektion. Eine Nistschale mit weicher Einlage bildet die optimale Unterlage fur die Brut. Wir kennen grobenunterschiedliche Nistschalen in Schusselform aus Ton, geprebtem Holzspan, Hartgummi und PURUSchaum. Dieser Schalenform stehen holzerne Kastchen, also viereckige Rahmen aus Brettchen mit einem Boden, oder auch ahnliche Gebilde gegenuber, die dem eigentlichen Nestbaustoff an einem bestimmten Platz in der Zelle ein Zusammenhalten gewahrleisten. Tonnistschalen mit eingebauter warmespendender Heizspirale und elektrischem Anschlubkabel bietet der Zubehorhandel als Empfehlung fur kalte Zeiten an. Zum notwendigen Reinigen und unerlablichen Desinfizieren eignen sich die tiefgeformten Tonschusseln besonders gut, wenn ihre Oberflache glasiert ist. Ihr Gewicht labt sie am Boden fest aufliegen, selbst wenn Tauben schwerer Rassen das Nest aufsuchen respektive verlassen: ein Umkippen wird somit vermieden.
Der Zuchter bedeckt mit einer SagespaneUQuarzsandmischung ausreichend den Muldenboden, damit sich zusatzlich unter der von den Tauben eingetragenen Einstreu organischer Teile ein weiches Polster bildet. Dadurch wird verhindert, dab die Bauten aufgrund von Verordnungen keine Daseinsberechtigung erhielten, entschloU sich der eine oder andere Bauwillige zu dieser Haltensweise. Eine grobe Voliere, teils uberdacht und teils an der "Wetterseite" von Westen nach Norden gegen Wind und Regen abschirmend verkleidet, bietet den Rassetauben nahezu eine feste Bleibe in naturlicher Umgebung. Gegen diese Art der Haltung gibt es keine abtraglichen Argumente. Die Zuchtstamme werden robust, widerstandsfahig und zur Zuverlassigkeit in Brut und Aufzucht erzogen. Ein Winter mit groben Schneemassen, lange Regenperioden, Sturm und Wind erschweren zweifellos die Zuchtarbeit; dennoch erfreuen sich die Zuchter an den Erfolgen ihres nicht beneidenswerten Einsatzes an Zeit und Kosten. Bei dieser Unterbringung sollte sich der Anfanger aus verstandlichen Grunden von einem versierten Zuchter beraten lassen. Nicht jede unserer zahlreichen Rassen eignet sich dafur. Zwar ertragen Rassetauben bis dreiUig Minusgrade, reagieren aber schlieUlich sehr unterschiedlich auf krasse Temperaturschwankungen. In den meisten Anlagen schliebt sich dem Gartenschlag eine Voliere an. Je grober sie nach den ortlichen Gegebenheiten sein kann, desto mehr Tiere konnen den Grundstock fur eine erfolgreiche Rassetaubenzucht bilden. ZuchtU und Jungtierschlag sollten gleichermaben mit einer Voliere ausgestattet sein. Eine verschlieUbare Durchgangsschleuse hindert evtl. entwichene Tauben am Wegfliegen. Eine Gesamthohe von 2,50 m bei einem massiven, frostfrei gegrundeten Sockel von 50 cm uber dem Erdreich schafft genugend Flugraum. LangsU und Breiteinfriedung unterteilen wir in gleichgrobe Einzelelemente und schrauben diese aneinander. Beliebt und preisgunstig ist Baumaterial aus Holz. StahlU und Leichtmetallprofile sind erfahrungsgemab teuer, dafur sehr haltbar und in den Einzeldimensionen schlanker, bedingt durch ihr groberes Beanspruchungsvermogen. Bei regelmabiger Pflege halten diese Volierengestelie ein Leben lang. Verzinkter Stalldraht oder auch punktgeschweiUter Gitterdraht mit Offnungen unter MauseU und Sperlingsgrobe, an Eier, auf der puren Tonflache liegend, womoglich durch das Gewicht des brutenden Elterntieres zerdruckt wurden. Findige Zuchter verlassen sich auf eigens fur schwere Rassen angefertigte Nestpolster aus weichem Schaumstoff. Der im Baufachhandel beziehbare PURUSchaumstoff, obendrein warmedammend, erfreut sich dabei grobter Beliebtheit.



Futtertrogen und Tranken schenkt der Zuchter grobte Aufmerksamkeit. Wir bedienen uns bei der Anschaffung der erschwinglichen Gegenstande aus der Zubehorindustrie. Sie entsprechen der ublichen Norm und beruhen aufjahrzehntelanger Zuchtererfahrung. Vor allem bieten sie ihrem Inhalt grundsatzlich Schutz vor jeglichen Verschmutzungen.
Der Trog (Abb. 3) muU weit mehr Futterplatze aufweisen, als sich Tauben im Schlag aufhalten, damit jedes Einzeltier an das vielseitige, energiereiche Futter gelangt und sich nicht nur einseitig ernahrt. Alttiere verdrangen nicht selten schwachere Tiere am Futtertrog, um den ersten Hunger bevorzugt mit auserlesenen Leckerbissen zu stillen. Uhnlich ausgebildet wie der Futtertrog sind die Behaltnisse fur Grit, Taubenstein und alles sonst noch Angebotene. Auch dabei gilt der hygienische Vorsatz, den Inhalt vor Verschmutzung zu schutzen.
Die Tranken bestehen aus umgestulpten transparenten Domen (Speichern) und ebensolchen Trinkwasserbehaltern mit Ausschnitten fur die Taubenkopfe. Wasserspender stehen erfahrungsgemab erhoht auf einem Podest uber der Bodenflache. In dieser Stellung wird sich der unvermeidbare Federstaub im Trinkwasser nicht ablagern konnen. AuUerdem werden die Tauben dazu animiert, sich durch Anfliegen zwangslaufig zu bewegen. Selbsttranken, wie sie die GroUviehhaltung langst allenthalben installiert hat, konnten sich auch bei einigen Taubenzuchtern bereits zur standigen Frischwasserversorgung einburgern.