3. FRUNKISCHE FARBENTAUBEN

Frankische Farbentauben sind meist glattkopfig und auch glattfuUig. Einzige Ausnahme ist die Nurnberger Schwalbe. Die glattfuUigen frankischen Farbentauben haben sich in den letzten Jahrzehnten von der Feldtaubenform entfernt und im KopfUund Schnabelbereich an Markanz gewonnen. Dies trifft besonders auf Frankische Feldfarbentauben sowie Frankische Herzschecken zu. Weniger betroffen sind die Bernhardiner Schecken, die ihre typische Form erhalten haben.

Die FRUNKISCHEN FELDTAUBEN oder FRUNKISCHEN FELDFARBENTAUBEN (Abb. J88) sind eine alte Rasse, die seit Generationen als reine Nutztaube in Franken und besonders im Altmuhltal gezuchtet wurde. Erst 1951 wurden sie als Ausstellungsrasse anerkannt und erscheinen seit dieser Zeit auch haufiger auf Ausstellungen. Die Tauben zeigen neben ihrem Feldtaubencharakter und der feldUtaubenahnlichen Form etwas Bagdetteneinschlag. Vor allem wegen ihrer auUerst satten Farbe gehoren sie zu den Farbentauben. Diese Farbintensitat soll sie von allen anderen Rassen deutlich unterscheiden.

FRUNKISCHE FELDTAUBE, (Foto Wolters)

Es handelt sich um sehr kraftige Feldtauben mit gestreckter Figur. Der Kopf ist leicht gewolbt, abgerundet und ohne Haube. Die orangefarbigen Augen werden von doppelten, lebhaft roten Augenrandern umgeben. Der Schnabel ist lang, gerade und fleischfarbig, die Schnabelwarzen flach, der Hals mittellang, die Kehle gut ausgeschnitten und die Brust breit und gut gewolbt. Der Rucken entspricht der Brustbreite und fallt nach hinten leicht ab. Flugel und Schwanz sind lang und gut geschlossen. Die Schwingen ruhen auf dem Schwanz, dessen Ende sie nicht ganz erreichen. Die Laufe sind mittellang und unbefiedert. Das Gefieder mub straff anliegen. Rot, Gelb und Schwarz mit und ohne Flugelrose sind als Farbschlage gelaufig. Diese Rasse ist sehr fruchtbar und als Nutztaube sehr beliebt.

Die GUNZENHAUSENER FELDTAUBEN oder FELDFARBENTAUBEN sind ein lokaler Schlag der Frankischen Feldtauben. Sie entstanden in der Kreisstadt Gunzenhausen und ahneln den Frankischen Feldtauben, sind lediglich etwas kleiner und schlanker. Sie entsprechen noch dem alten Typ der Frankischen Feldtauben ohne jeden Bagdetteneinschlag. Sie werden nur in ziegelroter Farbe und wohl auch nur in ihrer Heimat gehalten, in der sie als zuverlassige Nutztauben gelten.

Die FRUNKISCHEN HERZSCHECKEN (Abb. 189), deren Heimat Franken und Oberfranken, besonders die Frankische und Hersbrucker Schweiz sind, stellen nahe Verwandte der Bernhardiner Schecken dar, denn zur Erzuchtung bzw. Verbesserung durften Bagdetten ihren Beitrag geleistet haben. Diese Rasse zeigt eine grobe. langgestreckte Feldtaubengestalt mit stolzer Haltung. Der Kopf ist mehr rund als langlich, mit ausgepragtem "Kniff" und "Druck" sowie immer glatt. Die dunkelroten Augen werden von doppelten, lebhaft roten Augenrandern umgeben. Der Schnabel ist sehr lang, gerade und kraftig, dabei fleischfarbig. Die Schnabelwarzen sind glatt. Der Hals ist mittellang mit gut ausgerundeter Kehle, die Brust breit und gut gewolbt. der Rucken an den Schultern recht breit und nach hinten leicht abfallend. Flugel und Schwanz sind lang und gut geschlossen, die Laufe mittellang und unbefiedert. Das Gefieder liegt straff an.

FRUNKISCHE HERZSCHECKK. gelb (Foto Wolters)

Farbig sind Hinterhals, Schultern, Brust sowie Schwanz nebst Schwanzdecke und Keil. weib sind Flugel, Bauch, Rucken ohne Schulterherz, Kopf und Vorderhals mit Latz. Die weibe Latzzeichnung soll gut abgerundet bis etwa zur Mitte des Flugelbugs reichen. Als besonders charakteristisches Merkmal haben die Tauben unterhalb der Augen einen farbigen Fleck, "Bartchen" genannt. An Farbschlagen nennt der Standard Schwarz, Rot, Gelb, Blau, Blaugehammert, Blaufahl und BlaufahlUGehammert, zudem Gelerchte und Silberfarbige.

Die BERNHARDINER SCHECKEN (Abb. 190) wurden fruher auch "Suddeutsche Verkehrtflugelfarbentaube" genannt, denn sie entsprechen in der Zeichnung fast der

BERNHARDINER SCHECKE. schwarz (Foto Wolters)

sachsischen Verkehrtflugelfarbentaube. Es handelt sich um geelsterte Farbentauben mit weibem Kopf, die besonders in Franken viel gezuchtet werden. Sie haben eine kraftige Feldtaubengestalt, sind aber etwas schwacher als die vorher beschriebenen Herzschecken. Der leicht gewolbte und abgerundete Kopf ist immer glatt. Die Augen sind dunkel, ihr Rand glatt, schmal und lebhaft rot gefarbt, der Schnabel lang und fleischfarbig. Der mittellange, elegante Hals zeigt eine gut ausgeschnittene Kehle, die Brust ist breit und gut gerundet. Der Rucken entspricht der Brustbreite und fallt nach hinten leicht ab. Flugel und Schwanz sind lang und gut geschlossen, die Laufe mittellang und immer unbefiedert. Das Gefieder liegt straff am Korper an. Farbig sind Hals, Schultern, Brust sowie Schwanz mit Schwanzdecke und Keil, weib hingegen Kopf, Rucken ohne Schulterherz, Flugel und Bauch. Die weibe Kopfzeichnung verlauft etwa l cm unter Schnabel und Augen. Bekannt sind Schwarze, Rote, Gelbe, Blaue, Blaugehammerte, Blaufahle, BlaufahlUGehammerte und Silberne.

Die FRUNKISCHEN SAMTSCHILDTAUBEN (Abb. 191), in Mittelfranken entstanden, haben von allen Schildtauben die kraftigsten Gefiederfarben und zeigen eine elegante, aber kraftige Feldtaubenform. Der Kopf ist langlich, gleichmabig abgerundet und immer ohne Haube. Die Augen sind dunkel. Der Augenrand ist breit und von feurig roter Farbe, der Schnabel lang und fleischfarbig, der Hals mittellang und schlank mit tief ausgeschnittener Kehle. Die Brust ist breit und gut abgerundet. Der Rucken fallt nach hinten leicht ab. Die langen, fest geschlossenen Flugel ruhen auf dem Schwanz, der die Ruckenlinie fortsetzt. Die Laufe sind mittellang und unbefiedert. Das Gefieder liegt gut am Korper an und zeigt immer Schmalzkiele. Grundfarbe des Gefieders ist weib; farbig ist nur das Flugelschild einschlieUlich Daumenfedern. Es sollen 8U10 weibe Handschwingen vorhanden sein. An Farbschlagen gibt es Schwarz, Rot, Gelb, Blau mit oder ohne Binden, Blaugehammert, Blaufahl mit oder ohne Binden, BlaufahlUGehammert, Rotfahl, Gelbfahl, RotfahlU Gehammert und GelbfahlUGehammert. Blaue und Blaufahle zeigen, bedingt

FRUNKISCHE SAMTSCHILDTAUBE. blau mit schwarzen Binden (Foto Wolters)

durch die Schmalzkiele, einen etwas dunkleren Ton. Ferner existieren Blaue mit weiben Binden.

Die NURNBERGER LERCHEN (Abb. 192 u. 193) zeigen die Form einer kraftigen Feldtaube. Der Kopf ist gleichmabig abgerundet und glatt. Die Augen sind dunkel. Ihr Rand ist glatt, zart und lebhaft rot gefarbt, der Schnabel lang und hellhornfarbig, der Hals mittellang und eine gut ausgeschnittene Kehle zeigend. Die Brust ist breit und gut abgerundet. Der Rucken fallt nach hinten leicht ab. Die Flugel ruhen auf dem Schwanz. Die Laufe sind mittellang und unbefiedert. Das Gefieder liegt gut am Korper an.

NURNBERGER LERCHE. gelercht (Foto Wolters)

Es gibt zwei Zeichnungsarten: Gelercht und Mehllicht mit und ohne Binden. Die Gelerchten zeigen Kopf, Hals und Brust in satter, goldgelber Farbe, die zu den

NURNBERGER LERCHE, mehllicht mit Binden (Foto Wolters)

Schenkeln hin heller auslauft. Die Grundfarbe des Flugelschildes sowie die Handschwingen sind rahmweib. Das Flugelschild ist gleichmabig mit moglichst schwarzer Lerchenzeichnung bedeckt. Die Schulterzeichnung ist in der Regel etwas voller, der Unterrucken rahmweib. Der blaugraue Schwanz zeigt eine dunkle Binde. Die Mehllichte (Abb. 193) entspricht der Vorgenannten bis auf die Zeichnung. Kopf, VorderU und Hinterhals sowie Brust sind intensiv gelb gefarbt, Flugelschild, UnterUrucken und Schwungfedern der ersten Ordnung rahmweib. Der Schwanz ist mehr gelblichgrau, nicht so graublau wie beim vorgenannten Farbenschlag, und mit dunkler Schwanzbinde versehen. Die zweite Zeichnungsart der Mehllichten zeigt auf dem Flugelschild zwei durchgehende, schmale, dunkle Binden.

Die FORELLENTAUBEN (siehe Abb. 229) sind Verwandte der Nurnberger Lerche, entstanden aus diesen und der glattfuUigen suddeutschen Mondtaube. Sie waren zunachst keineswegs eisblau, hatten vielmehr leicht gelben bis roten Schimmer in der Gefiederfarbe. Erst durch haufiges Kreuzen mit glattfuUigen Eistauben sind sie zu dem geworden, wie wir sie heute kennen. Dabei waren es sachsische Eistaubenzuchter, die sie den Eistauben naherbrachten. Heute gilt die Forellentaube als selbstandiger schwarzgeschuppter Farbschlag der glattfuUigen Eistauben. Sie sind immer glattkopfig und UfuUig. Die Augen sind rotlichgelb, der sie umgebende Rand ist schmal und dunkel. Grundfarbe des Gefieders ist ein helles und zartes Silberblau. Das Flugelschild ist tiefschwarz und regelmabig, aber nicht grob geschuppt und mub den beiden schwarzen Flugelbinden nach gleichmabig verlaufen. Die Schwungfedern sind dunkel. Der Schwanz zeigt eine dunkle Binde, die nach hinten durch einen hellen Saum abgeschlossen ist.

Die NURNBERGER SCHWALBEN (Abb. 194) zeigen eine langgestreckte, kraftige Feldtaubenform mit Rundhaube und Latschen. Der Kopf ist langlichrund mit gewolbter Stirn. Die Haube soll nicht zu tief angesetzt sein, gut aufliegen und an

NURNBERGER SCHWALBE. schwarz (Foto Wolters)

beiden Seiten in Rosetten auslaufen. Die Augen sind dunkel. Der Augenrand soll nicht zu breit sein und eine lebhaft rote Farbe zeigen. Der lange Schnabel ist bei Roten und Gelben fleischfarbig, bei Schwarzen, Blauen und Blaugehammerten mit schwarzem, bei Blaufahlen, Rotfahlen und BlaufahlUGehammerten mit hornfarbigem Oberschnabel. Bei Gelbfahlen ist letzterer hingegen hellhomfarbig. Der knapp mittellange Hals tritt voll aus der breiten und gut gerundeten Brust hervor. Der lange Rucken fallt nach hinten leicht ab. Flugel und Schwanz sollen gut geschlossen sein. Die mittellangen Laufe sind mit dichter, etwa 5 cm langer FuUbefiederung und gut ausgepragten Geierfedern versehen. Bei den dunklen Farbschlagen ist auf dunkle Krallen zu achten. Das mit Schmalzkielen ausgestattete Gefieder soll gut am Korper anliegen. Auch Blaue und Fahle zeigen glanzreiches Gefieder, allerding in dunklerem Ton.
Wegen ihres intensiven Gefiederglanzes wurden diese Tauben fruher als "Samtfee" oder "Samtschwalbe" bezeichnet. Bei weiber Grundfarbe sind Flugel ohne die Federgruppe des Oberarmes, FuUbefiederung und Kopfplatte mit einigen kleinen abwartslaufenden Federn, "Schnorrchen" oder "Mucke" genannt, vor den Augen farbig. weib sind auch die Geierfedern. Man unterscheidet die Farbschlage Schwarz. Rot, Gelb, Blau mit oder ohne Binden, Blaugehammert, Blaufahl mit oder ohne Binden, BlaufahlUGehammert, Rotfahl und Gelbfahl.