6. SCHLESISCHE FARBENTAUBEN

Der Standard nennt nur noch den Schlesischen Mohrenkopf als einzigen Vertreter schlesischer Farbentauben. Gleichzeitig ist dies die einzige deutsche Farbentaube. die sowohl glattfuUig als auch behost vorkommt. Der Schlesische weibschwanz wird in Polen und der ehemaligen CSFR noch gezuchtet, ist bei uns aber kaum zu finden. Die glattfuUigen Eistauben, auch aus Schlesien stammend, werden in Deutschland mit der belatschten Variante in einem Standard zusammengefaUt.
Die GLATTFUSSIGEN EISTAUBEN oder SCHLESISCHEN EISTAUBEN (Abb. 228 u. 229) haben festes, straff anliegendes Gefieder. Ihre Gestalt gleicht derjenigen einer Feldtaube, ist somit schwacher als jene der belatschten. Es waren vorwiegend sachsische Zuchter, die sie zu ihrer heutigen Vollendung gebracht haben. Die Augen sind bei Schwarzbindigen orangefarbig, sonst meist dunkel. In Polen und der einstigen CSFR gibt es auch rotaugige Tiere. Das Gefieder verfugt uber viel Federstaub. Die Grundfarbe soll so hell und zart wie moglich, vergleichbar mit dem Eis auf klarem Wasser sein, Schwungfedern und Schwanzbinde dagegen so dunkel wie moglich. GlattfuUige Eistauben werden in Hohlig, also ohne Flugelbinden, in weibbindig und weibgeschuppt gezuchtet. Bei letzteren ist auf dem Flugelschild jede Feder mit dreieckiger, reinweiber und schwarzgesaumter Schuppung versehen. Schwarzbindige sollen zwei schwarze, schmale Flugelbinden prasentieren. Die Gehammerten mit rotlichgelben Augen hieUen fruher "Forellentauben" (Abb. 229) und kamen ursprunglich aus Suddeutschland. Einst gab es auch Porzellanfarbige, die schon Schachtzabel 1911 beschrieb.

Die SCHLESISCHEN MOHRENKOPFE (Abb. 230) demonstrieren kraftige Feldtaubenform mit etwas gedruckter Stellung. Fruher kamen sie in groben Schwarmen von hundert und mehr Tauben auf den groben Gutern Schlesiens als vorzugliche

EISTAUBE, glattfuUig. eisfarbig gehammert (Forellentaube) (Foto Wolters)

Nutztauben vor, die sich durch Feldern selbst ernahrten. Ihre heutige Bedeutung ist diejenige reiner Ausstellungstauben. Der Kopf zeigt eine ziemlich hohe und breite Stirn und ist gut gewolbt. Hierzulande sind nur Glattkopfige anerkannt. Die Augen sind orangerot bis dunkel. In Polen und Tschechischer sowie Slowakischer Republik werden rote Iriden bevorzugt. Der Augenrand ist schmal und dunkel bei Schwarzen und Blauen, aber hell bis fleischfarbig bei Roten und Gelben. Der lange Schnabel ist bei Schwarzen und Blauen schwarz, bei Roten und Gelben fleischfarbig. Der Hals ist relativ kurz mit gut ausgeschnittener Kehle, die Brust breit und gut gerundet. Der in den Schultern breite Rucken fallt nach hinten ein wenig ab. Die langen Flugel werden gut geschlossen getragen. Die Beine sind verhaltnismabig kurz, die Laufe glatt oder auch behost. Das gut entwickelte Gefieder liegt straff am Korper an. Bei

EISTAUBE, glattluUia. eisfarbig weibgeschuppt (Foto Wolters)

SCHLESISCHER MOHRENKOPF, schwarz (Foto Wolters)

weiber Grundfarbe sind nur der Kopf mit einem moglichst kleinen, etwa l cm langen Latz sowie der Schwanz mit Decke und Keil farbig. Diese KopfU und Latzzeichnuni; unterscheidet die Schlesischen in Schwarz, Blau, Rot und Gelb von anderen Mohrenkopfrassen.

Die SCHLESISCHEN WEISZSCHWUNZE, auch NEUSTUDTER WEISSSCHWANZE genannt, entstanden in Schlesien, besonders in der Gegend von Neustadt an der Tafelfichte. Sie sind den Sachsischen weibschwanzen ahnlich. jedoch hoher gestellt. Ihre Augen sind gelblich, die Beine bestrumpft oder mit kurzen Latschen versehen. Diese Rasse kommt einfarbig mit weibem Schwan/ einschlieUlich Decke und Keil und weiben Binden vor. Die Farbschlage Rot, Gelb. Schwarz und Blau haben alle weibe Flugelbinden und werden in Polen noch gezuchtet.

SCHLESISCHE FLUGELTAUBEN werden im Ausland oft SCHLESISCHE SCHWALBENTAUBEN genannt und unterscheiden sich kaum von den Sachsischen Flugeltauben. Sie sind als eigenstandige Rasse nicht mehr anerkannt, da in der vorgenannten aufgegangen. Der einzige Unterschied bestand darin, dab die Schlesischen im Gegensatz zu den Sachsischen glattkopfig waren. Nachdem man die Sachsischen auch glattkopfig anerkannt hatte, ging somit das einzige Kriterium fur eine eigene Identitat der Schlesischen verloren. Im Ausland wird hingegen noch nach diesen Merkmalen unterschieden.