GRUPPE VIII MOVCHENTAUBEN

Die Gruppe der Movchentauben besteht aus drei Familien, den Orientalischen, den Europaischen und den Doppelkrausenmovchen, die unter der Bezeichnung ,Chinesentaube" (Chinesisches Movchen) bereits bei den Strukturtauben beschrieben wurden. Der Schnabel aller Movchen ist kurz, bei einigen Rassen sogar maulformig. Etwas langeren Schnabel haben einige alte Rassen. Die europaischen Movchen sind glattfuUig, die orientalischen Rassen meist bestrumpft. Allen Movchen gemeinsam ist die Federstruktur auf dem Vorderhals, "Jabot" genannt, die durch eine Hautfalte entsteht. Die europaischen Movchen sind meist einfarbig oder schildig gezeichnet, orientalische Rassen dagegen mehrfarbig, oft von wahrhaft exotischer Pracht. Man bezeichnet sie mit Recht als die schonsten und prachtigsten Rassen unter den Haustauben.

Die SPANISCHEN CORRERAMOVCHEN (Paloma Correra: Abb. 283) sind die Vorfahren der zuvor beschriebenen Chinesentauben. Sie sind knapp mittelgrob, glattkopfig und glattfuUig. Der Kopf ist rund, der Schnabel mittellang. Sie besitzen eine eigenartige Federstruktur, die an Chinesentauben erinnert, aber schwacher

SPANISCHES CORRERAMOVCHEN. rotlieer (Foto Wolters)

ausgepragt ist. Der Kragen reicht fast bis zu den Augen. Eine starke Movchenkrause an der Brust reicht von der Kehle bis zu den Beinen und ist sehr federreich. Das StrauUchen, einige nach oben gerichtete oder gebogene Federn auf den Schultern, gilt als Rassemerkmal. Sie kommen in allen Farben und sogar als Farbschwanze vor.

Die THAILUNDISCHEN oder SIAMESISCHEN MOVCHEN sollen hier angeschlossen werden. Sie sind mittelgrob und den Spanischen Correramovchen sehr ahnlich. Ihre Federstruktur ist jedoch nicht so stark entwickelt. Man hat sie fruher 'in Thailand (Siam) als KurzstreckenUBrieftauben verwendet, heute sind sie kaum mehr verbreitet. Ihre Farbung ist meist blau mit schwarzen Binden. Die ubrigen Movchen unterteilt man in orientalische und europaische, wobei die europaischen Rassen von orientalischen abstammen. Bei letzteren unterscheiden wir Anatolische, Aydiner und Smyrnaer Rassen.

Die ANATOLISCHEN MOVCHEN (Abb. 284), aus Kleinasien, besonders aus Anatolien stammend, sind vor mehr als zwei Jahrhunderten nach England und spater auch nach Deutschland gelangt. Sie gelten als Ursprungsrasse aller europaischen Schildmovchen und prasentieren eine kurze und gedrungene, dabei zierliche Figur. Der Kopf soll moglichst kugelrund mit gut gefullter Stirnpartie und vollen Backen sowie immer glatt sein. Er bildet mit dem kurzen, stumpf und breit angesetzten Schnabel eine ununterbrochene Bogenlinie. Die Augen sind grob und dunkel, der Augenrand hell, der Hals kurz und voll, etwas nach hinten gebogen, mit markanter Wamme und Jabot ausgestattet. Die Brust ist breit und hervortretend. Der Bauch soll kurz und gut entwickelt sein. Der Rucken ist kurz, in den Schultern breit und nach hinten abfallend. Die kurzen Flugel mussen fest geschlossen sein. Die Laufe sind kurz und unbefiedert.

DOMINOMOVCHHN. (Foto Wolters)

Es ist nur eine Zeichnungsart anerkannt: weib mit farbigem Flugelschild und Schwanz. Erwunscht sind 8U10 weibe Schwingen, farbige Schenkel sind erlaubt. Dieses Zeichnungsbild wird in Schwarz, Dun, Blau mit Binden, Blaugehammert. Blaufahl, Rot, Gelb. Rotfahl, Gelbfahl und Braunfahl reprasentiert. Die RotU und Gelbfarbschage sind erst spater erzuchtet worden. In Anatolien, wo diese Movchen noch heute gezuchtet werden, sind auch noch andere Zeichnungsarten wie einfarbig Weibe, Farbenschwanze und Schildige mit weibem Schwanz gelaufig. Im Orient und in der Turkei aufgetauchte spitzkappige oder spiegelschwanzige Tiere sowie solche mit befiederten Laufen sind in der Regel Kreuzungstiere. In Deutschland waren noch bis in die dreiUiger Jahre Anatolische Movchen in Reinweib und weib mit farbigem Schwanz anerkannt.

Die AYDINER MOVCHEN sind in Vergessenheit geraten. Sie stammten aus der Gegend um Aydin, sudlich von lzmir (Smyrna) in der Turkei. Auch sie waren glattfuUig, dabei aber glattkopfig und spitzkappig vorkommend. Der Kopf war nicht ganz rund und der Schnabel langer als bei den anderen Movchen, weswegen sie in Europa bald an Bedeutung verloren. Die Movchenkrause war bei ihnen gut entwikkelt, Flugelschild und Schwanz silberblau oder silberfahl mit schwarzen, gelben oder braunen Flugelbinden. Ferner kannte man solche mit schwarzgeschupptem Flugelschild und Schwarze mit weiben Schwungfedern. Wahrscheinlich gab es noch weitere Zeichnungsarten und Farbschlage. Die alten Aydiner Movchen, wie sie noch um 1900 bekannt waren, konnte man ohne Ammentauben zuchten.

Die DOMINOMOVCHEN (Abb. 285) sind ursprunglich eine Zeichnungsart der Aydiner Movchen gewesen: auch sie kamen aus Aydin nach Europa. Seit 1890 kennt man sie hierzulande. Um sie zu verbessern, sind spater andere Movchenrassen eingekreuzt worden, vor allem Anatolische. Dominomovchen sind etwas grober als Anatolische, haben einen kurzen, gedrungenen Korper mit zierlicher Form. Der Kopf soll rund sein und mit dem Schnabel eine ununterbrochene Bogenlinie bilden. Die Stirn ist breit und voll. der Kopf glatt oder mit Spitzkappe versehen. Die Augen sind grob, die Iris orangefarbig, der Augenrand wenig entwickelt und fleischfarbig. Der kurze und dicke Schnabel ist bei Roten und Gelben hell, bei allen anderen Farbschlagen dunkel. Der Hals ist kurz und dick, dabei etwas nach hinten gebogen. die Brust breit und gut gewolbt mit ausgepragtem Movchenjabot, der Rucken in den

ANATOLISCHES MOVCHEN schwaiv (Foto Wolters)

Schultern breit und nach hinten abfallend. Die kurzen Flugel liegen gut geschlossen auf dem Schwanz. Die Laufe sind kurz und unbefiedert, Kopf, Flugelschild und Schwanz farbig, alles andere weib. Die farbige Kopfzeichnung erstreckt sich bis auf den Nacken und schliebt die Spitzkappe ein. Vorn endet sie beim Jabotansatx. seitlich mub sie gradlinig verlaufen und den Nacken weib belassen. Es sollen nach Moglichkeit 8U10 weibe Schwingen vorhanden sein. Weniger gelten nicht als Fehler. solange das ovale Flugelschild gut geschnitten ist. An Farbschlagen sind Blau. Schwarz, Rot, Gelb, Blau mit Binden, Blaufahl, Rotfahl und Gelbfahl anerkannt.

Die SMYRNAER MOVCHEN sind heute als ORIENTALISCHE MOVCHEN bekannt. Ihre Heimat ist Kleinasien: die meisten kamen von Smyrna aus nach Europa. In Deutschland werden sie seit 1850 gezuchtet, nach England und Holland gelangten sie fruher. Es handelt sich um kleine, gedrungene und tiefgestellte Tauben. Der Kopf ist relativ grob und rund, mit breiter, gut gefullter Stirn sowie vollen Backen. Die Breite zwischen den Augen soll sich ohne Kniff bis zu den Schnabelwarzen fortsetzen. Stirn und Scheitel bilden eine ununterbrochene Bogenlinie, die in der hoch angesetzten Spitzkappe geschwungen auslauft. Die Kopfform ist weder oval noch kugelformig, sondern liegt mit besonderer Betonung von Stirnbreite und Ufulle dazwischen, wodurch der hochste Punkt des Kopfes nicht uber, sondern vor den Augen liegt. Diese sind grob und lebhaft: bei farbigem Kopfgefieder ist die Iris orangefarbig, bei weibem dunkel. Der Augenrand ist schmal, glatt und blab, der Hal\ kurz sowie gedrungen und tritt voll aus den Schultern hervor. Kehlwamme und Halskrause mussen gut entwickelt sein. Die breite Brust wird etwas angehoben getragen. Die kurzen Flugel liegen fest am Korper an, ebensolche Laufe sind bis zu den Zehen dicht befiedert. Die seitliche FuUbefiederung ist etwas langer, aber es sollen sich keine Latschen bilden. An Farbschlagen und Zeichnungsvarianten gibt es:

ORIENTALISCHES MOVCHEN (Foto Wolters)

BLONDINETTEN (Abb. 286): Sie kommen einfarbig mit Spiegelzeichnung auf Schwanz- und Schwungfedern sowie mit weiben Flugelbinden in Blau, Blaufahl, Braun, Khaki und Gelbfahl vor. Schwarze mit weiben Binden haben gesaumte Schwung- und Schwanzfedern. Eigentlich mubten auch sie Spiegelzeichnung prasentieren. Nach Prof. Rozwandowski (1882) waren schwarze Blondinetten mit Spiegelzeichnung fruher vorhanden. Er bezeichnete sie sogar als die einzig echten schwarzen Blondinetten. Die geschuppten Blondinetten, auch diejenigen mit Pfeilspitzzeichnung, sollen eine moglichst helle Grundfarbe haben, und die Schuppenzeichnung sollte so intensiv wie moglich sein. Die Schuppung darf nur auf dem Flugelschild vorhanden sein, greift aber oft auch auf Nacken, Brust und Bauch uber. SchwungU und Steuerfedern sollen Spiegelzeichnung zeigen, dabei jede Feder beidseitig des Federkieles vor dem Federende mit weibem, langlichU rundem Fleck. Geschuppte gibt es in Blau, Blaufahl, Rot. Gelb, Braun und Sulfur. Letztere haben einen geschlossenen Goldkragen und schwefelgelbe Schuppung. Bei den Gesaumten ist jede Flugelfeder von einem der Korperfarbe entsprechenden schmalen Saum eingefaUt. Die Grundfarbe soll so hell wie moglich, die Saumung so intensiv wie moglich sein und sich auch auf das ubrige Gefieder ausdehnen. Zu unterscheiden sind SchwarzU, DunU, RotU, GelbU und Lavendelgesaumte. Einige Farbschlage der Blondinetten fuhren aus dem Griechischen abgeleitete Namen: CARALAS sind schwarzgesaumte, SURFANI schwefelfarbige. MAVIA einfarbige mit weiben Binden und MORIKA blaugeschuppte Blondinetten.

ORIENTALISCHES MOVCHLN. Satinette schwarzgesiiLirni (Foto Wolters)

SATINETTEN (Abb. 287) haben bei weiber Grundfarbe nur Flugelschild und Schwanz farbig gezeichnet. Ersteres kann einfarbig mit weiben Binden oder auch gesaumt sein. Die Farbe der Saumung reicht von zartem Silberblau bis zu Schwarz. Die Spielarten Schwarz und Dun verfugen uber einen gesaumten Schwanz, die anderen zeigen Spiegelschwanze. Die Bandbreite der Farbschlage umfaUt Bluetten. Silveretten, Blaugeschuppte, BlaufahlU Geschuppte. Brunetten und Sulfuretten. ferner RotU, GelbU und Lavendelgesaumte, alle mit gesaumtem Schwanz.

BLUETTEN verfugen uber ein blaues Flugelschild mit weiben, schwarz gesaumten Flugelbinden. Der Schwanz ist blau mit weiber Spiegelzeichnung.

SILVERETTEN (Abb. 288) zeigen ein blaufahles Flugelschild mit weiben Binden und den Schwanz ebenfalls mit Spiegelzeichnung.

ORIENTALISCHES MOVCHEN. Vizor blau mit weiben Binden (Foto Wolters)

TURBITEENMOVCHEN. (Foto Wolters)

ORIENTALISCHES MOVCHIV Silvcivii. (Foto Wolters)

BRUNETTEN sind braun gesaumt, wobei der Schwanz graublau durchsetzt isi.

SULFURETTEN prasentieren bei silbergrauem Schwanz eine schwefelfarbiuc Saumung der Flugelschild-Deckfedern.

HARLEKINE, als ausgestorben geltend, hatten farbig gesaumte Federn, die am ganzen Korper mit schwarzen Spritzern durchsetzt waren.

"BLAKETTE" werden schwarzgesaumte Satinetten genannt, wahrend SULPHARONE eine goldschwefelfarbige Spielart darstellen.

VIZOR (Abb. 289) haben bei weiber Grundfarbe ein farbiges Flugelschild, farbigen Schwanz und Kopf. Von den Dominomovchen unterscheiden sie sich vor allein durch die bestrumpften Laufe. Anerkannt sind sie mit gesaumtem wie auch m 11 ausgefarbtem Flugelschild und weiben Flugelbinden. Der Schwanz ist meist gc saumt, selten einfarbig oder mit Spiegelzeichnung. Sie kommen in den gleichen Farbschlagen und Zeichnungsarten wie die Satinetten vor.

Die TURBITEENMOVCHEN (Abb. 290) kamen in der zweiten Halfte des 1^ Jahrhunderts aus der Turkei nach Europa, wo sie in England wesentlich verbesseii wurden. Analog zu den Orientalischen Movchen sind es kleine, anmutige Tauben, ihr Kopf rund und verhaltnismabig grob mit breiter, gut gefullter Stirn und vollen Backen. Sie sind glattkopfig und mit Spitzkappe zugelassen. Nach Moglichkeit sollen die Augen dunkel sein, aber wegen der komplizierten Kopfzeichnung, deren Farbfelder die Augenfarbe mitbestimmen, gelten auch orangefarbige Iriden nicht als Fehler. Der kurze und breit angesetzte Schnabel bildet mit der Stirn eine ununterbrochene Bogenlinie. Gut gezeichnete Tiere haben einen dunklen Oberschnabel und am Unterschnabel beidseitig einen farbigen Fleck. Die Schnabelfarbe ist fur die Bewertung jedoch unwichtig. Der Hals soll harmonisch der KorperU und Beinlange angepaUt sein und voll aus den Schultern hervortreten. Wamme und Jabot mussen gut entwickelt sein. Die Brust ist breit, gut gewolbt und wird hoch getragen. Der Rucken ist an den Schultern breit und fallt nach hinten ab. Die kurzen Flugel werden auf dem Schwanz getragen. Die Laufe sind kurz bis knapp mittellang und bis zu den Zehen befiedert. Turbiteenmovchen sind Schildmovchen mit weibem Schwanz, farbigem Stirnfleck und farbigen Backen. Der Stirnfleck soll nicht zu klein und moglichst rund sein. die Backenzeichnung die Form einer Bohne haben und unter den Augen liegen. Zwischen BackenU und Stirnzeichnung soll eine weibe Brucke vorhanden sein. In Amerika werden sie auch mit farbigem Schwanz gezuchtet. An Farbschlagen sind Schwarz, Dun, Blau, Blaufahl, Rot und Gelb zu unterscheiden.

Die SYRISCHEN MOVCHEN existieren in verschiedenen Zeichnungen. Diesc Tauben sind grober als z. B. Satinetten und Blondinetten, ihr Kopf ist nicht so rund und der Schnabel langer, so dab sie ihre Jungen selbst aufziehen konnen. Das Movchenjabot auf der Brust ist nicht so stark entwickelt. Sie kommen glattkopfig und kappig vor und sind dabei glattfuUig. Zu diffenenzieren ist zwischen weiben mii farbigem, meist schwarzem Schwanz (Mtawwaj), solchen mit Schildzeichnuna. vorwiegend in Schwarz, und schlieUlich Schildigen mit farbigem Schwanz. Gescheckten (Baqdunsi) und Einfarbigen in Schwarz, selten in Rot, Gelb oder Blau mit Binden. Sie werden fast nur in ihrer Heimat gezuchtet, lediglich in die USA sind 1954 einige Tiere gelangt.

Das SYRISCHE BARBARISIMOVCHEN (Abb. 291) ist nahe verwandt mit dem Turbiteenmovchen und steht auch der alten orientalischen Stammform nahe. Es entspricht in seiner Korperform den anderen syrischen Movchen, lediglich die Zeichnung ist zu unterscheiden: Bei weibem Grundgefieder sind Flugelschild, eine vergroberte Stirnschnippe und die Backen farbig (Turbiteenzeichnung). Sie kommen meist glattkopfig und UfuUig in Schwarz, Rot, Gelb und Blau vor. Auch sie wurden 1954 in die USA eingefuhrt.

Die ISTANBULER MOVCHEN sollen aus der Turkei nach Syrien gekommen sein, wo man sie heute noch antrifft. Sie gleichen in ihrer Korperform den Syrischen Movchen, variieren lediglich in der Zeichnung. Bei weiber Grundfarbe sind Flugelschild, Schwanz, vergroberte Stirnschnippe und Backen farbig. Durch farbigen Schwanz unterscheiden sie sich von den Syrischen BarbarisiUMovchen. Auch diese Rasse ist meist glattkopfig und glattfuUig. Nach Amerika kamen sie gleichfalls 1954 und wurden fur den Flugsport gehalten. Bekannt sind die Variationen Schwarz, Rot, Gelb, Blau ohne und mit Binden sowie Blaugehammert.

ISRAELISCHE MOVCHEN sind fruher einmal nach Holland gelangt. Sie entsprechen weitgehend den Syrischen Movchen.

GRIECHISCHE MOVCHEN sind mittelschnablig, immer glattfuUig und mit gut ausgepragter Movchenkrause, meist einfarbig blau mit dunkeln Binden, weibschwingig oder gescheckt. Bei gut mittelhoher Stellung kommen sie dem alten Movchentyp nahe.

Die EINFARBIGEN MOVCHEN - AFRICAN OWL oder fruher auch UGYPTISCHE MOVCHEN (Abb. 292) genannt - sind aus agyptischen und tunesischen Movchen entstanden und in Europa zu ihrer heutigen Vollendung durchgezuchtet worden. Fruher wurden sie in Deutschland als "Deutsche einfarbige Movchen" und in anderen Landern als "Ugyptische Movchen" bezeichnet, wahrend man sie in England noch heute "African Owl" nennt. Im Laufe der Zeit wuchsen sie zu einer Rasse zusammen, die heute nach einem einheitlichen Standard gezuchtet wird. Der heutige Name "Einfarbiges Movchen" ist nicht glucklich, denn es sind auch mehrfarbig gescheckte anerkannt.

EINFARBIGES MOVCHEN (African Owl). schwarz (Foto Wolters)

Es handelt sich um kleine und kurze Tauben mit koketter Haltung. Ihr Kopf soll breit und moglichst kugelrund mit gefullter Stirnpartie und vollen Backen sein. Sie sind

SYRISCHES BARBARISI MOVCHEN. rot (Foto Macklin)

immer glattkopfig und UfuUig. Die groben Augen sollen mitten im Kopf sitzen und sind bei weiben Tieren dunkel, bei allen anderen Farbschlagen orangefarbig, nur bei Dunfarbigen etwas heller. Der Augenrand ist schmal und blab, bei Schwarzen und Blauen dunkel. Der Schnabel ist kurz, stumpf, breit angesetzt und soll die StirnUwolbung ohne Einknicken fortsetzen. Die Verlangerung des Schnabelschnittes soll uber dem unteren Augenrand liegen. Schwarze und Blaue haben einen schwarzen Schnabel, Blaufahle, Dunfarbige und Rote einen dunklen, bei allen anderen Varianten ist der Schnabel fleischfarbig. Der Hals ist kurz, recht voll und etwas nach hinten gerichtet mit gut entwickeltem Jabot. Die Kehle zeigt eine gut entwickelte Wamme. Die Brust ist breit und voll, der Rucken kurz, zwischen den Schultern breit und nach hinten abfallend. Die Flugel liegen fest am Korper an. Die Laufe sind kurz und unbefiedert. Das Gefieder wird straff am Korper anliegend getragen. Alle Farben sollen satt und gleichmabig sein. Es gibt Einfarbige in weib, Blau, Blauschimmel. Blaufahl, Schwarz, Dun, Rot, Gelb, Rotfahl und Gelbfahl sowie besagte Schecken. bei denen Flugelschild und Schwanz einfarbig, das ubrige Gefieder hingegen gescheckt sein soll.

Die TUNESISCHEN MOVCHEN (Abb. 293) sind die tunesische Zuchtrichtung der Ugyptischen Movchen. Sie wurden schon fruhzeitig in Frankreich eingefuhrt und dort unverandert weitergezuchtet. Auch bei uns sind sie als eigenstandige Ras^e lange bekannt. Es handelt sich um die kleinsten unter den Movchentauben. Ihr Kopl ist nicht so rund wie derjenige der anderen Movchen. Sie haben vielmehr einen

TUNESISCHES MOVCHEN. blau mit schwarzen Binden (Foto Wolters)

Wurfelkopf mit abgerundeten Winkeln, sind dabei immer glattkopfig, niedriggestellt und glattfuUig. Das Movchenjabot ist gut entwickelt. An Farbschlagen sind weibe. weibe mit farbigen Schwanzen, Blaue mit dunklen Flugelbinden, Blaugehammerte. Blaue mit schwarzgeschupptem Flugelschild, Blaufahle, Rote, RotfahlUGehammerte. Rotgeschuppte und Dunfarbig gelaufig.

Die DEUTSCHEN FARBENSCHWANZMOVCHEN (Abb. 294) wurden fruher besonders im Rheinland glattkopfig und in Hamburg kappig gezuchtet. Sie stammen

DEUTSCHES FARBENSCHWANZMOVCHEN. schwarz (Foto Wolters)

vom Anatolischen Movchen ab und sind, wie dieses, kleine Tauben mit stolzer Haltung. Der Kopf soll moglichst kugelrund und breit, mit gut gefullter Stirnpartie und vollen Backen, glattkopfig oder auch mit RundU oder Spitzkappe versehen sein. Die Augen sind grob. lebhaft und dunkel, ihre Rander schmal und blab. Der breit angesetzte, kurze und stumpfe Schnabel setzt die Stirnwolbung ohne Unterbrechung fort. Die Verlangerung des Schnabelschnittes soll uber dem unteren Augenrand liegen. Der Schnabel ist fleischfarbig, der Hals kurz und voll, mit gut entwickeltem Jabot. Die Kehle zeigt eine gut entwickelte Wamme. Die Brust ist breit und voll, der Rucken kurz. in den Schultern breit und nach hinten abfallend. Die Flugel liegen auf dem Rand des Schwanzes. Die Beine sind kurz, dabei Schenkel und Fersen vom Bauchgefieder bedeckt, die Laufe unbefiedert. Bei weibem Gefieder ist nur der Schwanz farbig, dabei in Schwarz, Dun, Blau, Blaufahl, Rot oder Gelb gehalten.

Die DEUTSCHEN SCHNIPPENMOVCHEN waren den Farbenschwanzmovchen ahnlich, besaUen aber zusatzlich eine farbige Stirnschnippe. In alten Buchern findet man sie haufiger abgebildet, und in Holland soll es sie noch geben.

Die DEUTSCHEN SCHILDMOVCHEN (Abb. 295) sind eine alte Rasse, die als Stammform aller deutschen Movchen gilt. Zunachst waren sie mittelschnablig. wurden aber spater durch Einkreuzung von Anatolischen und Ugyptischen Movchen in KopfU und Schnabelform verandert und prasentieren sich langst als moderne kurzschnablige Movchen. Sie stellen desweiteren kleine, kurze Tauben mit kugelrundem Kopf dar. der breit, mit gut gefullter Stirnpartie und vollen Backen sein mub. Sie sind glattkopfig. aber auch mit Rundkappe oder Spitzkappe anerkannt. Die Augen sollen grob und dunkel, der Schnabel kurz, stumpf und breit angesetzt sein. wobei er ohne Unterbrechung in die Stirnwolbung ubergeht. Die Verlangerung des Schnabelschnittes soll uber dem unteren Augenrand liegen. Der Schnabel ist bei allen Farbschlagen fleischfarbig. Der kurze und volle Hals wird etwas zuruckgenom-

DEUTSCHES SCHILDMOVCHEN. schwarz (Folo Wolters) men getragen. Die Kehle zeigt eine gut ausgepragte Wamme, wahrend auch das Movchenjabot gut entwickelt ist. Die Brust ist breit und voll, der Rucken zwischen den Schultern breit, kurz und nach hinten abfallend, die Beine kurz. Die Fersengelenke sind vom Bauchgefieder bedeckt, die Laufe unbefiedert. Das Flugelschild ist farbig mit 8 bis 10 weiben Schwungfedern. Leicht farbige Hosen gelten bei den anerkannten Spielarten Blau mit Binden, Schwarz, Dun, Rot, Gelb, Blaugeharnmeit. BlaufahlUGehammert, Blaufahl, Braunfahl, Rotfahl und Gelbfahl nicht als Fehler. AuUerdem existieren Lerchengraue und Isabellfarbige.

Die HAMBURGER STICKEN (Abb. 296) entstanden in der Hansestadt durch Kreuzungen von Movchen und Tummlern. Heute sind es reine Movchentauben, die klein und zierlich sein sollen. Der dicke, moglichst runde, breitU und hochstirnige Kopf wird von einer Rundhaube geziert, die in Rosetten auslauft. Die groben Augen sollen nicht zu hoch im Kopf sitzen. Die Iriden sind gelb bis orangefarbig, die Augenrander schmal und blab. Der kurze, dick angesetzte und niederwarts gerichtete Schnabel ist bei schwarzen und blauen Tieren schwarz, bei Rot und Gelb hellhornUfarbig und bei den anderen Farbschlagen etwas dunkler zulassig. Der Hals ist mabig lang und wird zuruckgenommen getragen. Ausgepragte Wamme und Jabot sind vorhanden. Die Brust ist nicht so voll und breit wie bei den anderen Movchenrassen. Der breite Rucken fallt nach hinten ab. Die Flugel liegen auf dem mittellangen, breiten und vollen Schwanz. Die Laufe sind kurz und unbefiedert. Einzige Zeichnungsart ist farbig mit weibem Schwanz, wobei Schwanzdecke und Keil weib sein mussen. Die Zeichnung soll scharf abgegrenzt sein. Das Farbrepertoire setzt sich aus Schwarz, Rot, Gelb, Lichtblau mit Binden, LichtblauUGehammert, Rotfahl, Gelbfahl, RotfahlUGehammert und GelbfahlUGehammert zusammen. RotU und Gelbfahle sollen eine moglichst helle Grundfarbe mit kraftigen Binden haben. Eine etwas dunklere Halsfarbe gilt nicht als Fehler.

Die ENGLISCHEN OWLMOVCHEN (Abb. 297) wurden schon von Willughby (1678) und Moore (1735) beschrieben, doch offensichtlich schon viel fruher gezuchtet. Sie stellen die englische Zuchtrichtung der Ugyptischen Movchen dar, sind jedoch wesentlich grober und kraftiger als diese. Ihr Rumpf verlauft nach hinten keilformig. Der Kopf ist oval bis rund, die Stirn breit und gut gerundet, die Backen gut entwickelt. Die Iris der groben, stark hervortretenden Augen ist immer orangefarbig, der Augenrand gut entwickelt und hellgrau, der Schnabel kurz, kraftig und nach

HAMBURGER STICKEN lichtblau mit schwarzen Binden (Foto Wolters)

ENGLISCHES OWLMOVCHEN, dun (Foto Wolters)

unten gerichtet, wobei auch der Unterschnabel recht breit ist. Die Schnabelfarbe soll so dunkel wie moglich und nur bei Blaufahlen hornfarbig sein. Die Schnabelwarzen sind gut entwickelt, durfen aber nicht rauh sein. Der kurze und starke Hals wird zuruckgebogen getragen. Die Wamme ist ebenso wie das Movchenjabot gut entwikkelt. Die breite Brust wird hoch getragen und tritt stark hervor. Der Rucken ist breit und kurz, leicht gewolbt und nach hinten abfallend. Die Flugel sind kurz und am Bug sehr breit, die Schwingen gut geschlossen und auf dem kurzen und fest geschlossenen Schwanz liegend. Die Laufe sind kurz und unbefiedert, die Schenkel vom Bauchgefieder verdeckt. Es sind nur Einfarbige und Schecken in den Variationen Blau, Blaugehammert, Blaufahl, Eisfarbig, Schwarz und Dun vorhanden. Alle Farben sollen rein und gleichmabig sein. Bei Schecken sind Schultern und Schwanz farbig, das ubrige Gefieder gescheckt. In England und besonders in Amerika zuchtet man weitere Farbschlage wie MehlU, CremeU, Lavendelfarbig, Rot, Gelb und Schimmel.

Die TURBITMOVCHEN (Abb. 298) stammen aus England, sind folglich dem englischen Geschmack angepaUte Anatolische Movchen, doch wurden zu ihrer Erzuchtung auch Show Antwerp verwendet. Es handelt sich um ziemlich kurze. gedrungene Tauben mit aufgerichteter Haltung und Spitzkappe. Ihr Kopf ist von oben gesehen oval, dabei grob und breit mit stark entwickelten Backen. Schnabel.

TURBITMOVCHEN. (Foto Wolters)

Stirn und Scheitel bilden eine ununterbrochene Bogenlinie, die in der Spitzkappe geschwungen auslauft. Die Spitzkappe soll hoch angesetzt sein und mit den HinterU halsfedern einen Kamm bilden. Die etwas vorstehenden Augen sind grob und immer dunkel, ihr Rand schmal und blab, der Schnabel dick, sehr kurz, breit angesetzt und fleischfarbig. Der Hals ist kurz, voll, kraftig und wird etwas zuruckgebogen getragen. Die Wamme ist gut entwickelt und fullt die Kehle vollstandig aus. Ein gut entwickeltes Movchenjabot ist vorhanden. Die breite, stark entwickelte Brust wird hoch getragen. Der in den Schultern sehr breite Rucken verjungt sich nach hinten und fallt ab. Die kurzen und breiten Flugel werden gut anliegend und fest geschlossen auf dem Schwanz liegend getragen. Die Beine sind kurz, Laufe und Zehen unbefiedert. Es existieren lediglich weibe mit farbigem Flugelschild, deren auUere 6U10 Schwungfedern weib sein sollen. Leicht farbige Schenkel gelten nicht als Fehler. Schwarz, Dun, Rot, Gelb, Blau mit Binden, Blaufahl, Braunfahl, Rotfahl, Gelbfahl, Blaugehammert, RotfahlUGehammert und GelbfahlU Gehammert, neuerdings auch Rotgesaumt stellen die Farbschlagpalette dar.

Die ITALIENISCHEN MOVCHEN (Reggianini; Abb. 299), in der Stadt Reggio erzuchtet, sind in Deutschland seit 1880 bekannt. Sie stehen hoher als andere Rassen der Gruppe und sind kleine, graziose Tauben mit waagecht getragenem Korper. Der

ITALIENISCHES MOVCHEN, rotfahl-gehammert (Foto Wolters)

Kopf ist trapezformig, der Scheitel abgeflacht, Stirn und Hinterkopf erscheinen dadurch kantig. Die groben Augen sind lebhaft orangerot; nur weibe haben dunkle Iriden. Der schmale Augenrand ist in seiner Farbung der Gefiederfarbe angepaUt. Eisfarbige (Rodini) haben pflaumenblaue Augenrander. Der Schnabel ist etwas unter mittellang, breit angesetzt und bildet mit der Stirn einen stumpfen Winkel. Auch die Schnabelfarbung ist der Gefiederfarbe angepaUt, bei Eisfarbigen hingegen Schwarz. Der mittellange Hals ist nach hinten etwas durchgedruckt und mit einer angedeuteten Wamme versehen. Das Movchenjabot ist gut entwickelt, die Brust breit, schon gerundet und wird angehoben getragen. Der breite Rucken verlauft waagerecht. Die nicht allzu langen Flugel liegen auf dem Schwanz, der moglichst kurz sowie gut geschlossen sein und dabei waagerecht getragen werden soll. Die Beine sind reichlich mittellang, Laufe und Zehen unbefiedert. Im Zustand der Erregung steht diese Taube auf den Zehenspitzen.
Bekannt sind Einfarbige in weib, Schwarz, Dun, Rot. Gelb. Blau mit oder ohne Binden, Blaugehammert, Blaufahl mit Binden. BlaufahlUGehammert, Mehllicht, Gelercht, Rotfahl, Gelbfahl, RotfahlUGehammert, GelbfahlUGehammert, Eisfarbip und EisfarbigUGehammert. Die Eisfarbigen sind mit starkem Federpuder versehen und am ganzen Korper zart milchblau gefarbt. FlugelU und Schwanzbinde sind schwarz, SchwingenU und Untergefieder dunkel. EisfarbigUGehammerte zeigen daz.u eine schwarze Hammerung auf dem Flugelschild. Die Eisfarbigen sollen aus einer Kreuzung anderer Farbschlage mit Damascenern entstanden sein und gelten in Italien als eigenstandige Rasse. Dort sind weitere Farbschlage, so auch Schimmel und Vielfarbige (Magnano) gelaufig.

Die AACHENER LACKSCHILDMOVCHEN (Abb. 300) sind eine alte niederUrheinische Rasse und nahe verwandt mit Althollandischem Movchen und Antwerpener Smerle. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts in der Aachener Gegend bekannt, zeigen sie in der Korperform noch heute den Typ der alten deutschen Movchen mit mittellangem Schnabel. Der Kopf ist gut gerundet. Schnabel und Stirn bilden eine Linie, die in sanftem Bogen uber den Kopf geht und im Nacken auslauft. Die Augen sind dunkel, ihre Rander hell und schmal. Der knapp mittellange, dick angesetzte Schnabel folgt der Stirnlinie ohne Unterbrechung und ist hellfleischfarbig, die Schnabelwarzen sind nur wenig entwickelt. Der kurze Hals ist mit

ALTDEUTSCHES MOVCHEN. rotfahl (Foto Wolters)

AACHENER LACKSCHILD MOVCHEN, schwarz (Foto Wolters)

einer leichten Wamme ausgestattet, die Halskrause gut entwickelt, die Brust breit und gut gerundet. Der kurze Rucken fallt nach hinten leicht ab. Die Flugel liegen aul dem Schwanz. Die Beine sind kurz, Laufe und Zehen unbefiedert. Das Gefieder ist kurz und breitfedrig. Schmalzkiele sind vorhanden. Bei weibem Gefieder ist nur das Flugelschild mit den Daumenfedern farbig, das intensiven Glanz aufweisen soll. so dab leicht farbige Hosen oder Einlagerungen am Hinterbauch nicht als grobe Fehler gelten. Anerkannt sind Schwarz, Rot und Gelb.

Die ALTDEUTSCHEN MOVCHEN (Abb. 301) wurden, nachdem sie lange Zeit in Vergessenheit geraten waren, 1956 wieder anerkannt und erfreuen sich jetzt grobter Beliebtheit. Sie stellen gedrungene, anmutig wirkende Tauben mit eindeutigem Movchencharakter dar. Der Kopf soll moglichst rund, breit und mit gewolbter Stirn versehen sein, dabei von einer vollen Rundhaube mit Rosetten geziert. Die Augen sind grob, lebhaft und immer dunkel, ihr Rand ist schmal und hell. Der knapp mittellange Schnabel bildet mit der Stirn einen stumpfen Winkel und ist bei allen Farbschlagen hellfleischfarbig. Die Schnabelwarzen sind glatt und nur wenig entwikkelt. Der kurze und kraftige Hals wird zuruckgenommen getragen. Die Kehle zeigt eine leichte Wamme, das Jabot ist gut entwickelt. Die Brust ist breit, herausgedruckt und gut gerundet. Der in den Schultern breite Rucken wird nach hinten schmaler und fallt ab. Die Flugel liegen auf dem Schwanz. Die Beine sind kurz, die Unterschenkel vom Gefieder des Bauches bedeckt und kaum sichtbar, Laufe und Zehen unbefiedert. Das gut entwickelte Gefieder soll fest und straff sein. Gezuchtet werden Schildige in Blau mit schwarzen oder weiben Binden, Blaugehammert, Schwarz, Rot, Gelb, Rotfahl, Gelbfahl, Blaufahl mit oder ohne Binden, sodann einfarbig weibe und Farbenschwanze in Schwarz, Blau, Rot und Gelb. Bei den Schildigen mub das Flugelschild mit den Daumenfedern farbig sein, wahrend 7U10 Schwungfedern weib sein sollen.

Die ALTHOLLUNDISCHEN MOVCHEN (Abb. 302) sind eine der altesten europaischen Movchenrassen. Sie stammen ursprunglich von importierten kleinasiatischen Movchen ab, entstanden in Holland und verschwanden, als man "modernere", d.h. kleinere und kurzschnabligere Movchen wunschte. Spater erinnerten sich einige Zuchter wieder des alten Typs, und unter der Bezeichnung "Althollandische Movchen" wurden sie wieder anerkannt. Heute werden sie nicht nur in ihrem Mutterland gern gezuchtet. Es sind mittelgrobe, gedrungene, doch anmutig wirkende Tauben mit Movchencharakter. Ihr Kopf ist langlich, nicht zu schmal, seine grobte Breite vor den Augen erreichend, wo auch der hochste Punkt liegt. Die Scheitellinie ist von der Seite gesehen lang, waagerecht, sich am Ende zur Spitzkappe erhebend. Stirn und Schnabel bilden im Profil eine gerade Linie, von oben gesehen ein Dreieck. Die Spitzkappe soll so hoch wie moglich angesetzt sein, seitlich durch kleine Federchen gestutzt, die im Nacken als Kamm zusammenlaufen. Die Augen sind grob und immer dunkel, ihr Rand schmal und hellfleischfarbig, der ebenso gefarbte Schnabel hochstens mittellang, kraftig, stumpf und gut geschlossen. Die verlangerte Schnabelschnittlinie soll durch die Augen gehen. Die Schnabelwarzen sind klein und zart, die breite Brust gut gewolbt, der Rucken in den Schultern breit, aber kurz, nach hinten schmaler werdend und etwas abfallend. Die kraftigen Flugel ruhen auf dem Schwanz. Dieser ist mittellang oder etwas kurzer und wird waagerecht getragen. Die Beine sind mittellang, Laufe und Zehen unbefiedert. Das Gefieder soll fest anliegen und recht glanzreich sein, die Movchenkrause etwa l cm unter der Kehle beginnen und bis zur Brust reichen. Bei weibem Gefieder ist nur das Flugelschild mit den Daumenfedern farbig. Erwunscht sind 7U12 weibe Schwungfedern. Schwarz, Rot. Gelb, Blau mit Binden, Blaufahl, Rotfahl, Gelbfahl, BlaufahlUGehammert, RotfahlUGehammert, GelbfahlUGehammert und einfarbig weib umfaUt die Farbschlagskala.

Die ANTWERPENER SMERLEN (Abb. 303), in Belgien entstanden, wie der Name besagt, sind ebenfalls nur weib mit farbigem Flugelschild anerkannt, stehen in ihrer Korperform aber zwischen Movchen und Schonheitsbrieftauben. Zu ihrer Erzuchtung und Verbesserung wurden u.a. auch Ausstellungsbrieftauben herangezogen. Nach dem Standard werden sie neuerdings wieder zu den Movchen gerechnet. Es handelt sich um eine sehr alte Rasse, die, um sie als Ausstellungstaube interessanter zu machen, in der Gegend von Antwerpen mit Hilfe von Turbits, African Owls, Show Antwerps und spater Deutschen Schautauben modernisiert wurde. Das Korpergewicht der lebhaften, kraftigen, etwas gedrungenen Tauben mit waagerechter Korperhaltung betragt etwa 550 g. Der kraftige Kopf bildet im Profil von der Schnabelspitze bis zum Nacken eine ununterbrochen flache Bogenlinie. Der Rand der dunklen Augen ist wenig entwickelt, fein im Gewebe und hell, der

ALTHOLLANDISCHES MOVCHEN. (Foto Wolters)

ANTWERPENER SMERLE, rot (Foto Wolters)

Schnabel gut mittellang und fleischfarbig. Die Verlangerung der Schnittlinie soll durch die Augenmitte gehen. Die Schnabelwarzen sind klein und von feiner Struktur. Der mittellange Hals ist an der Basis kraftig, die Kehle gut ausgeschnitten und ohne Wamme. Auf dem Vorderhals befindet sich ein gut ausgebildetes Jabot. Die Brust ist breit und voll, der breite Rucken fallt zum Schwanz hin nur wenig ab. Die Flugel liegen fest am Korper an und decken den Rucken gut. Der schmale, nicht allzu lange Schwanz wird fast waagerecht getragen. Die Beine sind kurz, Laufe und Zehen unbefiedert, die Krallen fleischfarbig. Antwerpener Smerlen kommen in Schwarz, Dun, Rot, Gelb, Blau mit Binden, Blaufahl, Rotfahl, Gelbfahl und auch Gehammert sowie weibbindig in den genannten Farben vor.

Die ALTSCHWEDISCHEN MOVCHEN (Abb. 304) sind unseren Altdeutschen Movchen ahnlich, auch schildig gezeichnet, mittelschnablig, glattfuUig und meist kappig.

Die GENTER MOVCHEN (Abb. 305), eine neuere Rasse, sind mittelschnablig, spitzkappig, stets rein weib und noch wenig bekannt.

FLANDRISCHE SMERLE, gelb (Foto Wolters)

ALTSCHWEDISCHES MOVCHEN. schwarz (Foto Wolters)

LUTTICHER MOVCHEN. blau mit schwarzen Binden (Foto Wolters)

Die FRANZOSISCHEN MOVCHEN (Abb. 308) sind in Frankreich aus eingefuhrten Ugyptischen Movchen erzuchtet worden. Sie sind klein, kornpakt und niedriggestellt. Der Schnabel ist kurz, der Kopf gut abgerundet, das Movchenjabot gut entwickelt. Diese glattfuUige Rasse kommt nur Schildig in den Farben Schwarz, Rot, Blau und Gelb vor.

Die FLANDRISCHE SMERLE (Abb. 306) zeigt den gleichen mittelschnabligen Movchentyp, ist spitzkappig und wird nur mit Schildzeichnung gezuchtet. Man unterscheidet Schwarze, Rote, Gelbe, Blaue und deren Zwischenfarben.

Die LUTTICHER MOVCHEN (Abb. 307) haben gleiche Ahnen wie die Smerlen Uauch sie stammen aus Kreuzungen von Movchen und den Vorfahren der Brieftauben. den sogenannten Stumpfnasentauben, eine kurzschnablige, nicht mehr existierende Rasse. Lutticher Movchen wurden ursprunglich als Botentauben verwendet. So ist es kein Wunder, dab sie noch heute wie kurzschnablige Brieftauben mit Movchenkrause aussehen. Sie sind mittelgrob, untersetzt und prasentieren ein gut entwickeltes Movchenjabot auf der Brust. Der Kopf ist rund, und der mittellange Schnabel folgt dessen Bogenlinie. Die Nasenwarzen sind fur ein Movchen stark entwickelt, auch die Augenrander etwas grober als in dieser Gruppe ublich. Die Augen sind rot. An Zeichnungsvarianten sind Einfarbige und Gescheckte in allen Farben vertreten. Movchentauben eines alteren, mittelschnabligen Typs gibt es auch in Norwegen. NORWEGISCHE MOVCHEN sollen dabei meist kappig und schildig sein.

CENTER MOVCHEN, weib. (Foto Wolters)

FRANZOSISCHES MOVCHEN, rottahl (Foto Stauber)

Die MAZEDONISCHEN oder JUGOSLAWISCHEN MOVCHEN (Abb. 309) sind mittelschnablige Schildmovchen mit Spitzkappe oder glatt in den Kopfkonturen.

POLNISCHES MOVCHEN, gelbschildig (Foto Kaupschafer)

RUSSISCHES MOVCHEN. schwarzschildig (Foto Wolters)

Die POLNISCHEN MOVCHEN (Abb. 310) sind schildig gezeichnet und stammen von Anatolischen und Deutschen Movchen ab. In KorperU und Kopfform sollen sie den Anatolischen Movchen entsprechen, haben aber stets eine Rundkappe. Der Schnabel ist kurz, das Movchenjabot gut entwickelt. Die Beine sind kurz, Laufe und FuUe unbefiedert. Schwarz, Rot, Gelb und Blau mit oder ohne Binden sind die vorkommenden Spielarten. In Deutschland schon vorgestellt worden, konnten sie aber als Ausstellungsrasse nicht anerkannt werden.

RUSSISCHE MOVCHEN (Abb. 311) kommen schildig und einfarbig vor und unterscheiden sich von den Deutschen Movchen durch eine etwas geringere HalsU krause, einen langeren und dunneren Hals sowie einen etwas langeren, spitzeren Schnabel. Sie sind glattfuUig und meist auch glattkopfig.

MAZEDONISCHES MOVCHEN. geih (Foto Wolters)

Auch in Spanien sind Movchentauben vertreten, die alle mehr den alten Typ mit langerem Schnabel verkorpern, so dab sie problemlos ihre Jungen selbst aufziehen konnen. Sie sind vielfach mit Tummlern gekreuzt worden, und oft ist es schwer zu entscheiden, ob sie schon den Tummlern oder noch den Movchen zuzurechnen sind. SchlieUlich findet sich die Movchenkrause auch auf der Brust einiger spanischer Tummlerrassen. Bekannt sind die SPANISCHEN WEISZSCHWANZUMOVCHEN (Abb. 312). Als kleine Tauben, dabei zierlicher als Tummler, entstanden sie aus Kreuzungen von Tummlern und Movchen und haben helle Perlaugen, sind immer

SPANISCHES WEISZSCHWANZ-MOVCHEN. (Foto Brage)

glattfuUig und glattkopfig. Sie werden inzwischen auch in Amerika gezuchtet und dort als "Spanische Movchen" ausgestellt. Auf der Zeichnungsgrundlage Einfarbig mit weibem Schwanz kommen Rote, Gelbe, Schwarze, Dunfarbige, Blaue mit Binden und Blaufahle mit Binden vor, zudem existieren verschiedenen Varianten mit weiben Flugelbinden und andere mit geschupptem Flugelschild.

Unseren Movchentauben ahnlicher sind die mittelgroben, mittelhoch gestellten. glattfuUigen und meist auch glattkopfigen SPANISCHEN SCHNIPPENUMOVCHEN mit mittellangem Schnabel. Diese Tauben sind weib, farbig nur Stirnschnippe und Schwanz. Man kennt die Variationen Schwarz, Rot, Gelb, Dun und Blau. Movchen mit dieser Zeichnung wurden fruher auch in Deutschland als "Schnippenmovchen" gezuchtet.

Ein echtes Movchen ist das VALENCIA-FIGURITA-MOVCHEN (Ahh. 313). Kleiner als unsere Movchen, ist es wahrscheinlich eine der kleinsten HaustaubenU rassen uberhaupt, wobei es nur 150 bis 160 g wiegt. Die Rasse ist nahe verwandt mit den Tunesischen und Ugyptischen Movchen. Der Kopf ist abgeflacht, etwas winklig, nicht rund, dabei glatt. Bei knapp mittellangen Beinen sind Laufe und Zehen unbefiedert oder behost. Auf der Brust sitzt die typische Movchenkrause. Nach Brage wurde die Rasse schon 1799 von Cavanilles beschrieben. Farbe und Zeichnung sind bei der Bewertung kaum mabgebend. Am beliebtesten sind Reinweibe, wahrend es auch Einfarbige in Rot, Gelb, Schwarz und Bronzefarbig sowie weibschwingige, weibschwanze, Schwingigschwanze und Weibkopfe gibt.

Die PLATEADOU oder ZUAWOMOVCHEN (Zuau Argentat) aus Spanien sind sehr kleine und leichte Tauben, die mit und ohne Movchenkrause vorkommen. Sie stehen damit zwischen den Movchen und Tummlern. Bekannt sind sie farbig mit weibem Kopf und auch mit weibem Kopf und weibem Schwanz.

SPANISCHE SIFINASMOVCHEN sind recht kleine Tauben mit einer l Movchenkrause. Ihre Gefiederfarbe ist hellperifarbig mit schwarzen Flugelbinden  und goldgelbem Hals. Sie sind nahe verwandt mit den Spanischen Tummlern.

SEVILLAUFIGURITAUMOVCHEN (Abb. 314) sind nur eine lokale Abart der ValenciaU Figurita-Movchen. Es handelt sich wiederum um sehr kleine Tauben, mittelschnablig und mit einem nur schwach ausgepragten Movchenjabot.

SEVILLA FIGURITA, blau mit schwarzen Binden (Foto Wolters)

VALENCIA FIGURITA. rotfahl (Foto Wolters)

Aus Bulgarien stammen die RUSSENER MOVCHEN (Russener Masarlii: Abb. 315). Ihre Heimat ist die Stadt Russe an der Donau, an der nordlichen Grenze zu Rumanien gelegen. Der bulgarische Name bedeutet soviel wie: "Tauben aus der Stadt Russe mit agyptischer Herkunft". Es sind kleine, tiefgestellte. glattfuUige Tiere, mit Rundhaube und Movchenjabot. Man zuchtet sie mit farbigem Flugelschild und weibem oder auch farbigem Schwanz. Es kommen auch Tiere mit einer Stirnschnippe vor. Gelaufige Farbvariationen sind Schwarz, Rot. Gelb und Blau mit

RUSSENER MOVCHEN, rottahl (Foto Wolters)

Binden. Der Schnabel ist nach unseren Begriffen mittellang, so dab sie ihre Jungen problemlos aufziehen konnen. Sie werden auch glattkopfig gezuchtet.

TSCHECHISCHE MOVCHEN, die etwas hoher gestellt sind, ansonsten aber den deutschen Movchen ahneln, kommen einfarbig und schildig, vor.

Der belgische Autor Boeve beschrieb 1894 noch ein AFRIKANISCHES MOVCHEN, das als KurzstreckenUBrieftaube verwendet wurde. Es war demnach eine kleine Brieftaube mit Movchenkrause auf der Brust, dazu mittelschnablig und glattfuUig.