13. DEUTSCHE TUMMLER

Bei den deutschen Tummlern unterscheiden wir langU, mittelU und kurzschnablige Rassen. In der Korperform sind die deutschen Tummler recht variabel, doch haben fast alle helle Perlaugen und waren ursprunglich Flugtauben. Im Laufe der Zeit wurden die meisten zu Ausstellungstauben umfunktioniert. Nur bei wenigen Rassen hat sich neben dem Schautyp noch ein reiner Flugtyp erhalten. So werden Hannoversche und Bremer Tummler sowie Danziger und Memeler Hochflieger noch zum Flugsport verwendet. Bei einigen anderen Rassen bemuhen sich Zuchter wieder, die Flugfahigkeit zu erhalten bzw. zu verbessern.

A. LANGSCHNUBLIGE TUMMLER

Die DEUTSCHEN LANGSCHNUBLIGEN TUMMLER sind in Mitteldeutschland seit dem Ende des 19. Jahrhunderts als Flugtummler bekannt und waren ursprunglich in Magdeburg, Braunschweig und Halberstadt sehr verbreitet. Man unterschied zwischen Magdeburger weibschwanzen, weibschlagUweibschwanzen und Braunschweiger Bartchen. Spater wuchsen sie figurlich zu einer Rasse zusammen, unterschiedlich blieb nur die Zeichnung. Heute werden sie unter dem Namen "Deutsche Langschnablige Tummler" zusammengefaUt. Heimat dieser Rasse ist die Gegend von Magdeburg, Halberstadt, Helmstedt, Wolfenbuttel und Braunschweig. Dort wurden sie fruher als Truppflieger in grober Zahl gehalten. Es war ublich, junge Tauber zu kastrieren. Diese Kapaunen dienten zum Flugsport und konnten wegen ihrer Zuchtunfahigkeit dort jederzeit eingesetzt werden. Die Flugtrupps der Zuchter vereinigten sich und zogen gemeinsam in riesigen Schwarmen dahin. Gegen Ende des Fluges trennten sie sich wieder und flogen ihren Schlag an. Es kam naturlich vor, dab sich dabei einzelne Tiere verflogen. Diese wurden mit einer sogenannten "Hakezange" (Abb. 357) gefangen und gegen ein geringes Losegeld am Abend in der Stammkneipe ihrem rechtmabigen Besitzer zuruckgegeben. Die Dacher der Schlage waren mit klappbaren Brettern versehen, die von unten leicht zu offnen waren. Durch diese lieUen sich fremde Tauben leicht erkennen und mit der Hakezange in den Schlag ziehen.
Die Deutschen Langschnabligen Tummler sind schnittige, hoch aufgerichtete Tauben, die in allen Teilen harmonisch wirken. Der Kopf ist langgezogen und schmal, von der Schnabelspitze bis zum Oberkopf eine gerade bis sanft ansteigende ProfilUlinie bildend, die kurz hinter den Augen den hochsten Punkt erreicht und von dort gerundet in den Hals ubergeht. Der lange Vorderkopf soll seitlich gut gefullt sein. Der Kopf ist ohne Platte, Kanten, Kniff oder Druck. GroUe und Lange des Kopfes sollen sich harmonisch der Starke des Halses und des Korpers anpassen. Die Augen sollen eine klare weibe Iris mit moglichst kleiner Pupille zeigen. Der Augenrand ist schmal, von feinem Gewebe und feurig rot mit Ausnahme der Schwarzschnabligen, bei denen er blauschwarz ist. Der lange und gerade, kraftig angesetzte Schnabel wird

HAKEZANGE (Foto Reber)

waagerecht getragen, so dab er ohne Absatz in den Vorderkopf ubergeht, und isi fleischfarbig sowie gut durchblutet. Ein dunkler Stipp ist bei schwarzen Einfarbigen. weibschwanzen und weibschlagUweibschwanzen sowie bei schwarzen und blauen hellU oder rosaschnabligen Elstern gestattet. Uber schwarzen Schnabel verfugen die blaugrundigen Farbschlage der Einfarbigen, weibschwanze und weibschlagU weibschwanze sowie blaue pechschnablige Elstern. Die wenig entwickelten Schnabelwarzen durfen die Profillinie nicht storen und bestehen aus zartrosafarbigem Gewebe. Der lange, elegante und dunne Hals tritt aus den Schultern nicht voll hervor. Die Kehle ist gut ausgeschnitten. Die schmale, aber runde und hochgetragene Brust darf nicht hervorstehen. Der Rucken ist schmal und nach hinten abfallend. Die gut geschlossenen Flugel durfen nicht uber die Brust hinaus vorstehen. Der verhaltnis- mabig kurze, gut geschlossene Schwanz bildet mit dem Rucken eine abfallende Linie. Die Beine sind lang und gerade, die Unterschenkel sichtbar und in den Fersengelenken leicht eingedruckt. Laufe und Zehen sind unbefiedert. Das Gefieder liegt glatt und fest am Korper an.
Die Farbschlagpalette setzt sich aus Einfarbigen (Abb. 358) in weib, Schwarz, Rot, Gelb, Blau mit schwarzen Binden, Blaugehammert, Blaufahl, BlaufahlUGehammert, Blauschimmel (Eulig) und Braunfahl zusammen. Alle Farben sollen rein und gleichmabig sein, die Binden durchgehend und die Hammerung der Blauen moglichst regelmabig. Kurzlich wurden zudem Hellgestorchte anerkannt, und fruher gab es auch Fahle, RotU und Gelbstreifer sowie Milchblaue. Die Einfarbigen sind in Magdeburg entstanden. Die Reinweiben stammen von Kolner und Hollandischen Tummlern ab, die mit Danischen Tummlern gekreuzt wurden. Die Schwarzen haben wohl Danische Tummler als Ahnen, ebenso wie die Roten und Gelben. Die BlauUfarben und die Fahlen sind aus Kreuzungen von alten Braunschweiger Tummlern mit Danischen Tummlern hervorgegangen. Alle Einfarbigen wurden spater durch Einkreuzungen von Elstertummlern modernisiert.

Die BURTCHENTUMMLER (Abb. 359), fruher auch als Braunschweiger Bartchentummler bezeichnet, da dort entstanden, sind einfarbige Tauben mit weiben Schwungfedern und Kehlfleck, dem "Bartchen". Dieses soll an der Kehle von einem Schnabelwinkel zum anderen verlaufen, ohne die Augenrander zu beruhren. Unter den Schwungfedern sollen 7U 10 weibe Handschwingen vorhanden sein, moglichst in beiden Flugeln die gleiche Anzahl. Bartchentummler kommen in Schwarz, Rot, Gelb, Blau mit schwarzen Binden, Blaugehammert, Blaufahl, BlaufahlUGehammert,

DEUTSCHER LANGSCHNUBLIGER TUMMLER, gelb (Foto Wolters)

DEUTSCHER LANGSCHNUBLIGER TUMMLER, Bartchen schwarz (Foto Wolters)

Blauschimmel (Eulig), Rotfahl, Gelbfahl, lsabell und Silber vor. Isabellfarbige sollen durchgehend zart rahmfarbig ohne Binden und Silber zart silbergrau ohne Binden sein.

WEISZSCHWUNZE und WEISZSCHLAGUWEISZSCHWUNZE, fruher als Magdeburger weibschwanze (Abb. 360) und Magdeburger weibschlagUweibschwanze bekannt, entstanden in Magdeburg aus Danischen Tummlern. Sieben bis zehn weibe Handschwingen sollen jeweils vorhanden sein. Sie sind in den Farbvariationen Schwarz, Rot, Gelb, Blau mit schwarzen Binden, Blaugehammert. Blaufahl, BlaufahlUGehammert und Blauschimmel (Eulig) anerkannt.

DEUTSCHER LANGSCHNUBLIGER TUMMLER, Elstern schwarz (Foto Wolters)

Zudem gibt es GelbU und Rotstreifige, Fahle und Getigerte. Bei den Tigern sind Kopf, Schwungfedern und Schwanz farbig, das ubrige Gefieder weib, durchsetzt mit moglichst wenigen kleinen Federn in der Zeichnungsfarbe, die entweder Schwarz. Rot, Gelb oder Kupferfarbig ist. Gestorchte, erst in den letzten Jahren herausgezuchtet, haben weibe Grundfarbe, wahrend die Handschwingen und Schwanzspitzen farbig gesaumt sein sollen. Einige farbige Federchen an Hals und Kopf sine) wiederum meist vorhanden. Die farbigen Federn weisen meist graue Tonung auf.

KASSELER TUMMLER, schwarz (Foto Wolters)

Die DEUTSCHEN LANGSCHNUBLIGEN ELSTERTUMMLER (Abb. 361) stammen von Danischen Elstertummlern ab. Gegenuber den vorher beschriebenen Zeichnungsarten stehen die Elstern noch etwas hoher und haben einen langeren und dunneren Hals. Ihre Augen sind hell, klar sowie mit weiber Iris und moglichst kleiner Pupille versehen. Der Augenrand ist schmal, zart und korallenrot. Bei normaler Elsterzeichnung werden die Spielarten Schwarz, Braun, Rot, Gelb, Blau, Blaufahl (fruher Perlfarbig) und Gelbfahl (fruher lsabell) gezuchtet. Blaue, die blauschwarzen Augenrand und Schnabel sowie schwarze Krallen zeigen, werden daher auch "pechschnablige Elstertummler" genannt.

Die KASSELER TUMMLER (Abb. 362) entstanden aus den alten Kasseler FlugUtummlern, die mit modernen Elstertummlern und Franzosischen Bagdetten gekreuzt wurden. Die Ausgangsbestande waren meist rundkappig, weibschwingig und standen

DEUTSCHER LANGSCHNUBLIGKR TUMMLER, weibschwarz schwarz (Foto Wolters)

in der Korperform den Hannoverschen Tummlern nahe. Die modernen Kasseler als reine Ausstellungstauben sind aus diesen Truppfliegern vor dem ersten Weltkrieg entstanden und um 1920 durch Einkreuzungen Franzosischer Bagdetten wesentlich verfeinert worden. Heute sind es elegante, hochgestellte, langgesichtige und langUschnablige Tummler mit waagerechter Korperhaltung. Der Kopf ist lang, von dei Schnabelspitze uber die Stirn und den Scheitel eine ununterbrochene, aber deutliche Bogenlinie bildend und gerundet in den abfallenden Hinterkopf verlaufend. Der hochste Punkt liegt uber den Augen. Von oben gesehen mub der Kopf zwischen Augen und Schnabelwurzel gut gefullt sein. Er kann ohne oder mit einer etwas uber den Kopf hinausragenden und in Rosetten auslaufenden Rundhaube versehen sein. Die Augen sind rein perlfarbig mit moglichst kleiner Pupille. Der Augenrand isl schmal, von feinem Gewebe und feurig rot. Der lange und breit angesetzte Schnabel bildet mit dem Kopf eine Linie. Seine Farbung ist bei allen Farbschlagen fleischfarbig, nur bei Dunklen ist ein kleiner Stipp erlaubt. Der Hals ist lang und dunn, wird senkrecht getragen und geht in eleganter Linie, sich nur leicht verstarkend, in die Brust uber. Die Kehle ist gut ausgeschnitten, die Brust nicht sehr voll, soll jedoch gut gewolbt sein. Der Rucken soll in schon geschwungener Linie in den waagerecht getragenen Schwanz ubergehen. Die Beine sind lang und feingliedrig, die Unterschenkel voll sichtbar, Laufe und Zehen unbefiedert, die Krallen fleischfarbig. Zum Farbrepertoire gehoren Einfarbige in weib und Isabellfarbig sowie weibschlage in Schwarz, Braun, Blau mit schwarzen oder ohne Binden, Rot, Gelb, Blaufahl. Braunfahl, Isabellfarbig, RotU und Gelbstreifig. Die Braunen sollen uber eine moglichst kastanienbraune Farbe verfugen. Die Isabellfarbigen prasentieren sattgelben Hals, Brust und Binden sowie Spiegel im Schwanz, das ubrige Gefieder ist elfenbeinweib. Etwas angelaufene Kopffarbe gilt nicht als Fehler. Rotstreifige haben blaulichweibe. Gelbstreifige eine rahmweibe Grundfarbe mit roten bzw. gelben Binden. weibschlage sollen mindestens sechs bis zehn weibe Schwingen haben.

Die STRALSUNDER HOCHFLIEGER (Abb. 363) entstanden im ehemaligen Pommern und wurden besonders in Stralsund gezuchtet. Herkunftsmabig sind sie mit dem franzosischen Cumulettummler verwandt, denn ihre Vorfahren kamen aus Paris uber Koln nach Stralsund und wurden dort zu ihrer heutigen Vollendung gebracht. Sie waren jahrzehntelang die besten Hochflugtauben Deutschlands sowie WestU und Mitteleuropas uberhaupt. Keine andere Rasse flog so hoch und ausdauernd. Bei Wettflugen lagen sie immer an der Spitze. Noch vor dem zweiten Weltkrieg verwendete ein Gastwirt in Berlin am Potsdamer Platz Stralsunder Hochflieger mm Hochflugtaubensport. Sein Flugschwarm bestand aus 300 Tieren. Wenn dann das Wanderfalkenweibchen, das seinen Horst in der KaiserUWilhelmUGedachtniskirche am Kurfurstendamm hatte, auftauchte und in den Schwarm stieU, wirbelten sie durcheinander wie eine Wolke aus weiben Federn, und die Passanten am Potsdamer Platz blieben stehen und schauten nach oben. Meist waren die Angriffe des Falken aber erfolglos, er fing hochstens einmal ein Jungtier. Heute sind die Stralsunder fast alle zu reinen Ausstellungstauben geworden. Zwar gibt es noch einige Flugstamme. deren Flugleistung aber nicht mehr an diejenigen der Vergangenheit heranreicht. Stralsunder Hochflieger sind mittelgrobe, hochgestellte, anmutige und lebhatte Tummler mit hoch aufgerichteter Haltung. Ihr Kopf ist flach, schmal und eckig. Die Stirn bildet mit dem Schnabel eine gerade Linie. Die Scheitellinie soll vollig gerade

STRALSUNDER HOCHFLIEGER, weib (Foto Wolters)

und waagerecht verlaufen. Stirn und Scheitel bilden einen scharfen, moglichst stumpfen Winkel. Die Kopfseiten laufen vom Hinterkopf bis zum Auge parallel, dann verjungen sie sich allmahlich, so dab der Kopf auch an den Seiten ohne Absatz in den Schnabel ubergeht. Der Vorderkopf (Gesicht) soll moglichst lang sein. Die Augen zeigen eine hellperlfarbige Iris mit moglichst kleiner Pupille. Die Augen sollen dicht unter dem Scheitel liegen und etwas aus dem Kopf hervortreten. Ihr Rand ist breit, aber glatt und von lebhaft roter Farbe. Der lange, gerade und dunne Schnabel wird waagerecht getragen. Seine Farbung ist blabrot, die Schnabelwarzen flach und nur wenig hervortretend. Der lange und dunne Hals wird senkrecht getragen. Die Kehle ist ausgeschnitten, die Brust abgerundet, schmal, tief und tritt nur wenig hervor. Der Rucken soll waagerecht getragen werden. Die Flugel sind lang, fest geschlossen und werden auf den Schwanzseiten postiert, ohne zu kreuzen. Der Schwanz uberragt die Schwingen nur wenig, soll lang und schmal sein. Die Beine sind lang, Laufe und FuUe unbefiedert, das Gefieder kurz. Diese Rasse gibt es nur in weib. Im Jugendgefieder treten oft einige kleine rote Federchen besonders im Halsbereich auf, die nach der ersten Mauser verschwinden. Tiere, die auch danach noch diesen Fehler zeigen, sind trotzdem fur die Zucht brauchbar. Stralsunder Hochflieger fliegen nicht nervos und hektisch wie die Wiener, sondern langer und hoher. Als reine Hochflieger purzeln sie nicht. BERLINER LANGE (Abb. 364) sind in ihrer Heimatstadt seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt und mit den Berliner Kurzen verwandt, wenn beide Rassen sich auch sehr unterschiedlich entwickelt haben. Wurden die Kurzen durch Einkreuzen von Altstarnmern verkleinert und kurzschnablig, so sind die Langen unter Zuhilfenahme von Danischen Tummlern grober und langschnabliger geworden. Beider Vorfahren waren Hollandische Tummler, die durch niederlandische Einwanderer zu uns kamen. Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts sind die Langen als selbstandige Rasse anerkannt. Auch sie stellten fruher Flugtummler dar, die in lest geschlossenen Schwarmen, aber nicht sehr hoch, uber den Stadten kreisten. Sie sind mittelgrob, schlank und hochgestellt mit fast waagerechter KorperU sowie KopfU und Schnabelhaltung. Der Kopf ist sehr schmal und nach vorn recht lang gezogen, von oben gesehen einen Keil bildend. Im Profil rufen obere Kopflinie und Schnabelfirst eine gerade Linie hervor, die am Hinterkopf rechtwinklig in den Hals verlauft. Trotz seiner Lange darf der Kopf nicht grob erscheinen, mub vielmehr in harmonischem Verhaltnis zum feingliedrigen Korper stehen. Die Augen sind grob mit kleiner Pupille und fast weiber Iris. Der schwach entwickelte Augenrand ist in seiner Farbe derjenigen des Gefieders angepaUt. Blaue und Schwarze verfugen uber dunkle Schnabel, Perlfarbige uber hellhornfarbige und Isabellfarbige, Rote sowie Gelbe uber hellfleischfarbige. Der lange und dunne Hals wird senkrecht getragen und zeigt eine gut ausgeschnittene Kehle. Die schmale Brust tritt nicht hervor, der flache und schmale Rucken fallt nach hinten nur wenig ab. Die Flugel sollen am Bug etwas vorstehen, ohne von den Brustfedern uberdeckt zu werden. Die Schwingen ruhen fest geschlossen auf dem Schwanz, ohne zu kreuzen. Der fast waagerecht getragene Schwanz soll die Flugelspitzen mindestens um Daumenbreite uberragen. Die Beine sind lang, feinknochig und eng gestellt, mit langen Laufen und Unterschenkeln ausgerustet. Die Laufe sind bis zu den Zehen mit kurzer, dichter

BERLINER LANGE, schwarzgecisten (Foto Wolters)

Befiederung versehen. Die Fersengelenke sind leicht ruckwarts und nach innen durchgedruckt, ohne sich zu beruhren. Das gut entwickelte Gefieder soll straff am Korper anliegen.
Man kennt Geelsterte mit oder ohne Herzfleck, wobei Kopf, Hals, Herz auf dein Oberrucken und Schwanz farbig sind. Die pigmentierte Zeichnung am Vorderhals geht bis zur Brust hinunter. Ein weiber Herzfleck auf dem Vorderhals kann vorhanden sein. Bei dieser Zeichnungsanordnung kommen Blaue, Perlfarbige. Isabellfarbige, Schwarze, Rote und Gelbe vor. Die Farbung der Blauen soll mogU liehst dunkelstahlblau sein. Es treten auch Hellblaue auf. Diese Elsterbunten sind nicht reinerbig, sondern spalten von Reinweib mit dunklen Augen bis Einfarbig mit weiben Schwingen auf. Die Schwingigen sind farbig mit 7 bis 9 weiben Schwungfedern sowie weiber Bestrumpfung der Laufe bis zum Fersengelenk und kommen in den gleichen Farben wie die Geelsterten vor. Im Gegensatz zu anderen Rassen mit gleichen Erbgangen werden weibe und Schwingige in getrennten Klassen auch ausgestellt.

Um eine Neuzuchtung handelt es sich bei den VOGTLUNDER TUMMLERN, die 1979 in Leipzig erstmalig vorgestellt wurden. In der Korperform dem Polnischen Langschnabligen Tummler ahnlich, stammen sie wohl auch von diesem ab. Sie sind sowohl glattfuUig als auch Ukopfig und zeigen eine aufrechte Haltung. Der Schnabel ist lang. Die Augen sind perlfarbig. Ihr Rand ist schmal und von dunkelgrauer Farbe, der Hals lang und schlank, die Kehle gut ausgeschnitten. Die schmale Brust wird hoch getragen und tritt nicht hervor. Der schmale Rucken fallt nach hinten ab. Der Schwanz bildet mit diesem eine abfallende Linie, darf den Boden aber nicht beruhren. Die Beine sind lang und gerade, Laufe und Zehen unbefiedert. Wesentliches Rassemerkmal ist die Zeichnung, die nur von schildigU schwarzgeschuppten Tieren mit schwarzen Binden und schwarzer Schwanzbinde, aber weiben Schwungfedern reprasentiert wird.

B. MITTELSCHNUBLIGE TUMMLER

Die HANNOVERSCHEN TUMMLER (Abb. 365 u. 366) sind als Soloflieger mit dem Bremer Tummler verwandt. In Niedersachsen seit dem 17. Jahrhundert bekannt. sollen ihre Vorfahren auf dem Seeweg aus Indien zu uns gekommen sein. AuUer den Hannoverschen Tummlern gab es in Niedersachsen auch die Geller weibschlagU und die Hildesheimer Tummler. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wuchsen diese Rassen jedoch zum heutigen Hannoverschen Tummler zusammen, der sich aber noch heute in die Typen weibauge, Rotauge und Stahlauge aufgliedert, die in einem Gesamtstandard zusammengefaUt sind.
Hannoversche Tummler sind mittelgrob, von langer Figur, mit waagerechter Stellung auf kurzen Beinen stehend. Der Kopf zeigt eine hohe Stirn mit dem hochsten Punkt uber den Augen und fallt von dort nach hinten in leicht gewolbter Linie zum Hinterhals ab. Stirn und Schnabel bilden eine gerade, ebenfalls abfallende Linie. Die Iriden der weibaugen (Abb. 365) sind perlfarbig. Der Augenrand ist breit, mit moglichst glatter Struktur versehen und weib, der Schnabel kraftig, keilformig und wachsfarbig. Die Oberschnabelspitze zeigt einen der Grundfarbe des Tieres entsprechenden kleinen Fleck. Die Schnabelwarzen sind langlich. Der mittellange, kraftige Hals tritt voll aus dem Rumpf hervor, verjungt sich nach oben und zeigt eine gut

HANNOVERSCHER TUMMLER. weibaugen gelbfahl (Foto Wolters)

ausgeschnittene Kehle. Die Brust ist breit und voll, der Rucken lang, an den Schultern breit und nach hinten leicht abfallend. Die kraftigen Flugel liegen gut am Korper an und ruhen auf dem Schwanz. Die Laufe sind kurz und unbefiedert. An Farbschlagen werden weibschlage und weibschlagUweibschwanze in Schwarz. Braun, Braunfahl, Khaki, Blau und Blaufahl gezuchtet. Es gibt bei den weibschlagen auUerdem Schimmel in Schwarz, Braun und Blau, ferner Bunte und weibe. Die Blauen sollen ein schones Stahlblau mit schwarzen Binden und farbigem Rucken zeigen. Die Schimmel prasentieren stark schimmelige Schwanzfedern und Armschwingen. Bei den Bunten soll, abgesehen von den weiben Schwingen, das Verhaltnis der farbigen zu den weiben Gefiederteilen moglichst 1:2 sein. Dabei sollen sieben bis zehn weibe Handschwingen vorhanden sein. Der Flugelbug ist farbig. Von den weibschlagU weibschwanzen wird ein gleichmabiger Schwanzschnitt

HANNOVERSCHER TUMMLER, Rotaugen weib (Foto Wolters)

gefordert. Die Rotaugen (Abb. 366) sind in der gleichen Farbpalette vorhanden. Am haufigsten sind weibe, Schimmel und weibschlage anzutreffen. Ihr blutroter Augenrand soll nicht warzig sein. Der Schnabel ist rotlich getont. Die Stahlaugen mit blaugrauem Augenrand, blaulicher Iris und ebenso gefarbtem Schnabel kommen fast nur in weiber Farbe vor. Hannoversche Tummler eignen sich zum Flugtaubensport. Sie werden einzeln oder nur in wenigen Exemplaren zum Flug aufgelassen.

KIELER TUMMLER, die in den alten Fachbuchern oft beschrieben wurden, existierten als Einfarbige, Elstern, Kalotten, weibschwanze, weibschlage, weibschlagUweibschwanze, Tiger und Stipper. Sie stellten einen Flugtyp ahnlich den Danischen Tummlern dar und waren fast identisch mit den Altdanischen Flugtummlern.

Die BERLINER LANGLATSCHIGEN ELSTERN (Abb. 367) haben gleiche Ahnen wie die zuvor beschriebenen Berliner Langen. Ihre einzelnen Farbschlage sind durch verschiedene Einkreuzungen entstanden. Die Langlatschigen sind nicht so extrem langschnablig wie die Langen, und ihr Kopf ist auch nicht so eigenartig geformt. Diese Tauben sind mittelgrob und mit waagerechter Haltung ausgestattet. Ihr Kopf ist, von vorn gesehen, gestreckt keilformig, immer glatt und seitlich eine sanfte Bogenlinie beschreibend. Die Augen sind perlfarbig, umgeben von einem schmalen, der Schnabelfarbe angepaUten Rand. Die Farbe des gut mittellangen Schnabels ist bei Blau schwarz, bei Hellblau dunkel, bei allen anderen Farbschlagen hell. Der langgestreckte Hals wird fast senkrecht getragen und zeigt eine scharf ausgeschnittene Kehle. Die Brust ist tief angesetzt. Der Rucken verlauft nach hinten keilformig und wird fast waagerecht getragen. Die Flugel sind kraftig, am Bug etwas

BERLINER LANGLATSCHiGE ELSTER, blau (Foto Wolters)

BERLINER WEISZSCHWANZ. (Foto Wolters)

vorstehend und auf dem Schwanz aufliegend. Die Laufe sind lang und tragen eine Belatschung mit uppig entwickelten Geierfedern. Das Zeichnungsbild ist Geelsten mit farbigem Rucken. In den Varianten Schwarz, Rot und Gelb wird keine weibe Herzzeichnung auf dem Vorderhals gewunscht, bei den anderen Farbschlagen jedoch bevorzugt. Farbig sind also Kopf, Hals, ein farbiges Herz auf dem Oberrucken. Unterrucken und Schwanz. Diese Zeichnung reicht vorn bis zur Brust hinunter. Neben den erwahnten Spielarten kommen Schwarz, Rot, Gelb, HellU und Dunkelblau, Silberfarbig, Perlfarbig und lsabell vor.

Die BERLINER WEISZSCHWUNZE (Abb. 368) sind in unserer alten und neuen Hauptstadt aus verschiedenen anderen Rassen erzuchtet worden. Der Kopf dieser mittelgroben, hochgestellten Tauben mit waagerechter Korperhaltung ist flachbogig gezogen, ohne vorstehende Stirn oder Hinterkante. Die Augen sind perlfarbig. umgeben von einem schmalen Rand, der in seiner Tonung der Gefiederfarbe entspricht, aber nie rot sein darf. Der Schnabel ist lang, bei roten, gelben und isabellfarbigen Tieren wachsfarbig, bei perlfarbigen hornfarbig und bei schwarzen. blauen, euligen und kupferfarbigen dunkel. Der Hals ist langgestreckt und schlank. die Brust tief angesetzt. Der Rucken verlauft keilformig und wird fast waagerecht getragen. Die Flugel ruhen auf dem Schwanz. Die langen Laufe sind mit starken Latschen und Geierfedern versehen. Bei farbigem Gesamtgefieder sind nur Schwanz mit oberer Schwanzdecke, etwa bis zur Burzeldruse, und Schwanzkeil weib. Alle Farben sollen satt und glanzend sein. Anerkannt sind Schwarz, Rot, Gelb, HellU und Dunkelblau, Perlfarbig, lsabell. Eulig und Kupfrig. Letztere zeigen am ganzen Korper eine glanzende Kupferfarbe, die AuUenfahnen der Schwingen sind schwarz. Bei den Euligen aller Tonungen sind die farbigen Federn an Hals, Rucken, Bug und Schild fein gesaumt, aber nicht geschuppt.

Fur den BERLINER SCHWINGIGSCHWANZ gibt es einen eigenen Standard. Er ist mit Hilfe von Berliner weibschwanzen und anderen Rassen erzuchtet worden. Diese Taube prasentiert sich mittelgrob, hochgestellt, mit waagerechter Korperhaltung und starker FuUbefiederung. Ihr Kopf ist flach gezogen, ohne vortretende Stirn und ohne Hinterkante. Die Augen sind perlfarbig, umgeben von einem schmalen Augenrand, der der jeweiligen Gefiederfarbe entspricht. Der Schnabel ist lang und wachsfarbig bei Schwarzen, Roten, Gelben sowie Isabellfarbigen. Perlfarbige haben einen hornfarbigen, Blaue, Eulige und Kupferfarbige einen dunklen Schnabel. Der Hals ist langgestreckt und schlank mit gut ausgeschnittener Kehle, die Brust tief angesetzt. Der Rucken verlauft nach hinten keilformig und wird fast waagerecht getragen. Die kraftigen Flugel ruhen auf dem Schwanz. Die langen Laufe sind mit groben Latschen und stark entwickelten Geierfedern versehen. Bei farbigem Gefieder sind nur der Schwanz mit Schwanzdecke und Keil sowie sieben bis zehn Handschwingen und die Latschen unterhalb der Geierfedern weib. Alle Farbvariationen wurden bereits in Zusammenhang mit der Schnabelfarbe aufgefuhrt.

Die BLAUBUNTEN POMMERSCHEN TUMMLER gehoren als alte deutsche Taubenrasse zu den nicht veredelten Ahnen der Berliner Langlatschigen Tummler und Berliner Langen. Als Flugtummler werden sie in Deutschland noch vereinzelt gezuchtet. Es sind mittelgrobe Tauben, entweder schwach belatscht oder nur bestrumpft. die gut aufgerichtet auf reichlich mittellangen Beinen stehen. Der Kopf ist im Gegensatz zu demjenigen der Berliner Langen rund, der Schnabel reichlich mittellang, die Zeichnung geelstert. Diese ist wiederum nicht reinerbig und spaltet von weib bis Einfarbig auf. Aus diesem Grunde gibt es unter den Blaubunten auch weibe und Schecken. Als Ausstellungsrasse sind sie nicht anerkannt.

Eine neuere Zuchtung sind die STADER HOCHFLIEGER, die aus Polnischen Schildtummern, Nikolajewer und Griwuntummlern entstanden sind. Sie sind glattfuUig, glattkopfig, weib mit farbigem Flugelschild oder manchmal auch mit farbiger Stirnschnippe und reine Hochflugtauben.

Zum Kreis dieser Neuzuchtungen gehoren auch die BRAUNSCHWEIGER HOCHFLIEGER, hervorgegangen aus Kreuzungen von Wiener Hochfliegern und Englischen Tipplern. Es gibt vorwiegend Einfarbige in weib, Schwarz, Rot, Gelb und Blau. Sie sind immer glattkopfig und glattfuUig.

Die DANZIGER HOCHFLIEGER (Abb. 369) wurden nachweislich schon um 1810 in ihrer Heimatstadt gezuchtet. Uber ihre Herkunft gehen die Meinungen hingegen auseinander. Die eigentlichen Danziger Hochflieger sollen durch Kreuzungen von Tummlern, die FloUer aus Galizien mitgebracht hatten, mit entflogenen franzosischen Tauben entstanden sein. Im Jahre 1807, wahrend der Belagerung von

DANZIGER HOCHFLIECER. weib (Foto Wolters)

Danzig, sollen diese von franzosischen Schiffen entwichen sein. Spater soll dieser Ausgangsbestand durch aus Kalkutta eingefuhrte Tauben verbessert worden sein. Interessant ist, dab es jetzt noch in Syrien Tummler gibt, die sich vom Danziger Hochflieger kaum unterscheiden
Die Danziger Hochflieger sind mittelgrob mit langem starken Korper und waagerechter Haltung. Der Kopf wird leicht geneigt getragen. Das Gesicht ist lang, wobei der Kopf im Profil von der Schnabelspitze bis zur Kappe einen flachen Bogen bildet und von oben betrachtet keilformig wirkt. Die Kappe ist breit, hoch angesetzt, ohne abstehende Nackenfedern und lauft seitlich ohne Rosetten aus. Die Augen sind perlfarbig bis milchweib, ihr Rand schmal und blaulichweib. Der etwas uber mittellange Schnabel bildet mit dem Oberkopf eine leicht gewolbte, ununterbrochene Linie und ist hell; nur bei dunklem Gefieder ist dunkler Stipp gestattet. Der Hals ist mittellang, schlank und mit leichtem Kehlausschnitt versehen, das Nackengefieder fest und geschlossen, die Brust mabig breit und gut gerundet. Nicht sehr breit, etwas hohl und nach hinten wenig abfallend stellt sich der Rucken dar. Die Flugel sind lang, decken den Rucken gut und ruhen auf dem Schwanz, dessen Ende sie fast erreichen. Der Schwanz besteht aus 14 bis 18 breiten und langen Steuerfedern, wird leicht gewolbt sowie breit getragen und soll von vorn gesehen etwas breiter als die Brust sein. Die Laufe sind mittellang und unbefiedert Das umfangreiche Variantenkontingent beginnt mit Einfarbigen in weib, Schwarz, Gelb, Blau mit schwarzen Binden, Blaugehammert, Rotfahl, Gelbfahl und Blaufahl mit dunklen oder ohne Binden. Die Fahlen variieren von hellU bis sattbraunrot mit oder ohne Binden. Ferner gibt es Gemaserte, wobei Hellmaser an Kopf, Rucken, Handschwingen und Schwanz weib gefarbt sind und ihr farbiges Halsgefieder mit moglichst wenigen weiben Federn durchsetzt ist. Das Gefieder an Unterkorper und auf den Flugeldecken ist am Grund weib und an den Enden verschwommen, der Holzmaserung ahnlich, farbig auslaufend. Dunkelmaser sind am ganzen Korper gezeichnet, also auch mit gezeichnetem Kopf, Schwingen, Rucken und Schwanz ausgestattet. Gemaserte sind in den Farbschlagen Fahl, Blau, Kupfer und Schwarz zu unterscheiden. Die Bunten zeigen weiben Kopf oder leicht farbig durchsetztes Kopfgefieder. Rucken, Schwanz und Schwingen sind weib, das ubrige Gefieder farbig bzw. mit wenigen weiben Federn durchsetzt. In dieser Zeichnungsvariante kommen vorwiegend Rot und Gelb vor. Die Schimmel tragen als Hauptfarbe weib, wobei sie mit mehr oder weniger pigmentierten Federn, oft nur an Hals und Kopf, versehen sind. Schwingen, Rucken und Schwanz sind hingegen vollig weib. Sie sind in den Spielarten Schwarz, Rot, Gelb, Blau, Kupfer und Fahl gelaufig. Hellschecken haben ein uberwiegend weibes Gefieder, das mit mehr oder weniger farbigen, meist vollfarbigen Federn durchsetzt ist. Der Schwanz ist weib. Ihr Farbrepertoire entspricht exakt demjenigen der Schimmel. Bei den Geelsterten sind Kopf, Hals, Brust, Schultergefieder und moglichst auch Rucken sowie Schwanz farbig, das ubrige Gefieder hingegen weib, dabei mit oder ohne weiben Herzfleck auf dem Vorderhals. Bei dieser Zeichnungsform kommen nur die Farbschlage Schwarz, Blau, RotU, Gelbund Blaufahl vor. AuUerdem soll es noch Tiger geben. Danziger Hochflieger fliegen ruhig, fast schwerelos dahin und erreichen sehr grobe Flughohen, sind dabei ausdauernd. Es handelt sich um eine der wenigen Rassen, bei denen gute Flugtauben auch auf Ausstellungen hohe Benotungen erreichen konnen.

Die DANZIGER SCHWARZKOPFE, von Dietz 1883 beschrieben, verkorpern Kreuzungen von Danziger Hochfliegern mit Nonnchen. Sie zeigen bei schwarzem Schnabel typhafte Nonnchenzeichnung.

Die POMMERSCHEN SCHAUKAPPEN (Abb. 370) sind nahe Verwandte der Danziger Hochflieger und kommen dem UrUDanziger nahe, denn schlieUlich wurden sie ohne fremde Einkreuzungen weitergezuchtet. Im ehemaligen Pommern gab es diese Rasse nachweislich schon uber 120 Jahre in ihrer heutigen Form. Ursprunglich existierten nur weibe: die andere Farbschlage wurden erst nach 1970 erzuchtet. Schaukappen waren einst gute Hochflieger, flogen jedoch nicht so ausdauernd (etwa ein bis zwei Stunden). Inzwischen sind die bei uns vorhandenen Linien grobtenteils zu reinen Ausstellungstauben geworden. In der Korperform den Danzigern ahnlich,

POMMERSCHE SCHAUKAPPE. fahl ohne Binden (Foto Wolters)

ist ihr Kopf schmal mit leicht gerundeter, durch die Augenschirme breiter erscheinender Stirn und wird von einer vollen, hoch angesetzten Muschelhaube geziert, die in gleichmabigen, hochsitzenden Rosetten endet. Den Ubergang von der Haube zum straffen Halsgefieder schliebt eine Mahne. Oberhalb der Augen befinden sich mindestens 5 mm breit abstehende Augenschirme, die sogenannten "Schaukappen", die die Lange des gesamten Auges einnehmen. Dieses ist perlfarbig und von feurig rotem Augenrand umgeben, der Schnabel mittellang. weibe besitzen fleischfarbige Schnabel, die anderen Farbschlage hellhornfarbige; dunkler Stipp ist erlaubt. Der Hals ist mittellang, Kehle wie Brust gut ausgerundet. Der Rucken fallt nach hinten leicht ab. Die Laufe sind mittellang und unbefiedert. An zusatzlichen Farbschlagen sind neben den weiben inzwischen Rotfahle mit oder ohne Binden, Blaue mit schwarzen Binden, Schwarze, Schwarze mit weiben Schwingen und Platinfarbige hinzugekommen. Die Farbungen sollen gleichmabig und rein sein. Fahle variieren von hell bis satt braunrot. Die Platinfarbigen zeigen geschlechtsbedingt unterschiedliche Farbung: Die Tauber sind hellgrau, die Taubinnen dunkelgrau mit dunkler abgesetzten Schwingen und Schwanz. Etwas dunkle Saumung und leicht kupfriges Halsgefieder sind gestattet.

Der STARGARDER ZITTERHALS (Abb. 371) entstand im ehemaligen Pommern und stellt eine der merkwurdigsten Erscheinungen unter den deutschen Tummlern dar. Es wird vermutet, dab er einer Kreuzung von Danischen Tummlern und Altstammern entstammt. Zitterhalse sind mittelgrob und lang mit waagerechter Korperhaltung. Der kleine Kopf mit langem Vorderkopf ist glatt oder kappig. Die Augen sind perlfarbig, der sie umgebene Rand ist hell, der Schnabel lang, dunn und hell, nur bei Blauen und Blaugehammerten dunkel. BlaufahlUGehammerte haben einen hornfarbigen Schnabel, jedoch wird bei ihnen heller Schnabel angestrebt. Der Hals ist lang und dunn, nach hinten durchgebogen, zum Rumpf nur wenig starker werdend. Er soll recht oft und ausladend zitternd nach hinten durchgedruckt werden. Dieses Zittern des Halses wird "Schlagen" genannt. Die Brust ist hochstens mittelU

STARGARDER ZITTERHALS, blau mit schwarzen Binden (Foto Wolters)

breit, etwas vorgedruckt und darf beim Zittern bzw. Schlagen nicht gehoben werden. Der Rucken ist nur wenig breit und etwas hohl. Die Flugel liegen fest am Korper an. Die Schwingen werden leicht gekreuzt uber dem Schwanz getragen. Die Laufe sind langer als mittelhoch, unbefiedert oder mittellang belatscht. An Farbvarietaten nennt der Standard weib, Schwarz, Rot, Gelb, Blau mit schwarzen Binden, Blaugehammert, Blaufahl, BlaufahlUGehammert, Rotfahl, Gelbfahl, Blauschimmel, weibschlage in Schwarz, Blau, Rot und Gelb sowie Getigerte in Schwarz, Blau, Rot und Gelb. Alle Farben sollen satt und glanzreich sein. Blaue und Blaugehammerte verfugen uber durchgefarbte Ruckenfarbe.

Die BREMER TUMMLER (Abb. 372) werden in ihrer Heimatstadt und deren Umgebung schon seit langer Zeit zum Flugsport gezuchtet. Wie sie entstanden sind oder woher sie kamen, ist unbekannt. Es wird vermutet, dab ihre Vorfahren auf dem Seewege aus dem Orient oder Nordafrika nach Bremen gekommen sind. Als Soloflieger werden zum Hochflug nur zwei bis drei Tiere aufgelassen, die, jeweils fur sich allein fliegend, grobe Flughohen erreichen. Sie haben eine kraftige Figur, fast so grob wie diejenige einer Brieftaube, doch sind sie gestreckter und tiefer gestellt. Der Korper soll moglichst waagerecht getragen werden. Der Kopf ist verhaltnismabig grob, mit hochgewolbter, breiter Stirn und gut ausgebildetem Hinterkopf versehen, der in schon geschwungenem Bogen in den Nacken ubergeht. Die Augen sind grob und lebhaft, die Iris dabei ziegelU oder kirschrot, zur Pupille hin in einen helleren bis weiben Ring ubergehend. Der Augenrand ist breit, glatt und cremefarbig oder hellfleischfarbig. Der mittellange, zur Stirn in stumpfem Winkel angesetzte Schnabel soll bei allen Farbschlagen hellfleischfarbig sein, mit einem der Gefiederfarbe entsprechenden Stipp ausgestattet. Der dicke Hals mit einer kaum angedeuteten Kehlwamme geht voll in die breite Brust uber. Der leicht abfallende Rucken erscheint etwas hohl. Die breiten Flugel ruhen seitlich auf dem Schwanz,

BREMER TUMMLER. schwarzgeschecki (Foto Wolters)

dessen Ende sie erreichen oder gar noch uberragen. Die Beine sind kurz und kraftig. Laufe und Zehen unbefiedert. Das volle Gefieder mub am Korper anliegen. Einfarbige in weib, Schwarz, Blau mit schwarzen Binden, Braun, Blaufahl, Braunfahl. weibschlage und weibschlage mit Bartchen in Schwarz, Blau, Braun, Blaufahl. Braunfahl, zudem weibschlagUweibschwanze in Schwarz, Blau und Braun sowie Gescheckte in Schwarz, Blau und Braun ergeben die Farbschlagpalette. Die weibschlage sollen sieben bis zehn weibe Schwungfedern haben.

Die MEMELER HOCHFLIEGER (Abb. 373) sind enge Verwandte der Bremer Tummler. In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sollen diese auf dem Seeweg in Deutschlands seinerzeit nordostlichste Stadt gebracht worden sein. Durch Kreuzungen mit dort heimischen Tummlern sind schlieUlich die Memeler Hochflieger entstanden. Auch diese sind Soloflieger, die man in Memel meist in kleinen, zu ebener Erde aufgestellten Taubenhausern hielt. Sie wurden in kleinen Schwarmen von etwa zehn Tieren aufgelassen, stiegen auch einigermaben geschlossen auf, verteilten sich dann aber uber den Himmel und zogen einzeln oder paarweise in grobe Hohe ihre Kreise. Bei gutem Wetter flogen die besten Tiere 12U14 Stunden, wobei sie nicht geschlossen, sondern einzeln wieder herunterkamen. Ihr Orientierungsvermogen galt als sehr gut. Memeler Hochflieger sind im Laufe der Zeit zu Ausstellungstauben umfunktioniert worden: erst in neuerer Zeit bemuht man sich wieder, mit ihnen ansprechende Flugleistungen zu erzielen. Diese Tauben sind reichlich mittelgrob und langgestreckt. Der Kopf ist langlich, der Scheitel abgeplattet mit abgerundeten Kanten. Die breite Stirn bildet mit dem Schnabel eine gerade abfallende Linie. Der Augenrand der perlfarbigen Iriden ist zart, schmal und blab. weibe haben einen hellfleischfarbigen Schnabel, wahrend bei den anderen Farbschlagen ein hellhornfarbiger noch zulassig ist, jedoch ebenfalls hellfleischfarbig angestrebt wird. Bei den dunklen Farbschlagen ist dunkler Stipp gestattet. Der Hals ist mittellang und stark am Korper angesetzt, die Kehle nicht scharf ausgeschnitten, die Brust breit, tief und gut gerundet. Der zwischen den Schultern breite Rucken verjungt sich nach dem Schwanz zu keilformig. Der Schwanz fallt nach hinten ab. Die langen Flugel ruhen seitlich auf dem Schwanz, dessen Ende sie fast erreichen. Die Beine sind kurz, Laufe und Zehen unbefiedert. Das Farbschlagsrepertoire besteht aus Einfarbigen in weib, Rot, Gelb, Braun, Schwarz, Blau mit Binden und Silber, Fahlen in Rot, Braun, Gelb und Blau mit oder ohne Binden, Bunten, Bunthalsigen und Gemaserten in Rot, Gelb, Braun, Blau und Schwarz, weibschlagen bzw. weibgespitzen in Rot, Gelb, Braun, Blau und Schwarz sowie weibschwanzen und weibschlagUweibschwanzen in Schwarz, Blau, Rot und Gelb. Die Bunten verfugen uber weiben Kopf, Rucken, Bauch, Schwingen und Schwanz. Die Flugeldecken sind mehr oder weniger schimmelig. Bunthalsige haben bei weiber Grundfarbe einen farbigen Hals, wobei das Farbfeld kragenartig und moglichst geschlossen sein soll. Bei den Gemaserten sind Kopf und Hals farbig, die Flugeldecken gemasert, in Schwingen und Schwanz hell auslaufend.

MEMELER HOCHFLIEGER. Silber (Foto Wolters)

Die OSTPREUSSISCHEN EINFARBIGEN PURZLER gelten als ausgestorben. Sie entsprachen dem OstpreuUischen Werfer, waren auch belatscht, aber stets glattkopfig. Uhnliche Tauben gleicher Herkunft findet man noch heute in Litauen.

Die OSTPREUSSISCHEN WERFER (Abb. 374) sind eine sehr alte Taubenrasse, die im damaligen OstU und WestpreuUen wie auch in den baltischen Staaten. Norwegen und Schweden lange als Purzier gezuchtet wurden. Zu Ausstellungen gelangten sie nicht, wurden vielmehr als reine Flugtummler gehalten. Im Laufe der Zeit bildeten sich aus dem Ausgangsbestand verschiedene Rassen, so Norwegische Tummler, Libauer Tummler und eben die OstpreuUischen Werfer. Alle diese Rassen wirken heute noch sehr ahnlich. In Deutschland wurden die Werfer erst nach 1945 als Ausstellungsrasse bekannt, und seit dieser Zeit sieht man sie haufiger bei Ausstellungen.
Diese Tauben sind mittelgrob, kraftig, gedrungen und zeigen eine etwas aufgerichtete Gestalt von 30 bis 34 cm Lange. Ihr Wesen ist sehr zutraulich, der Kopf

KOLNER TUMMLER, rot (Foto Wolters)

OSTPREUSSISCHER WERFER. gelb (Foto Wolters)

langlichrund mit breiter, gewolbter Stirn und voll ausgebildeter Rundhaube mit beiderseits auslaufenden Rosetten. Die Augen sind perlfarbig, ihr Rand blab bis rotlich und schmal. Der knapp mittellange, kraftige, stumpfe und etwas nach unten geneigte Schnabel ist hell; nur bei Dunkelfarbigen ist dunkler Stipp erlaubt. Blaue und Fahle durfen hingegen einen hellhornfarbigen Schnabel haben. Der Hals ist kurz und kraftig, die Brust breit, gut gerundet und auch etwas hervortretend. Der breite Rucken fallt nach hinten etwas ab. Die kraftigen Flugel mit breiten Schwingen liegen fest am Korper an und ruhen auf dem mittellangen Schwanz, der die abfallende Ruckenlinie fortsetzt. Die kurzen Laufe sind mit moglichst dichter Befiederung versehen. Die Latschen sollen etwa 5 bis 6 cm lang sein, auch werden gut ausgepragte Geierfedern gefordert. Das Gefieder ist voll und gut entwickelt. Nur Einfarbige in Schwarz, Rot, Gelb, weib, Blau mit schwarzen Binden, BlauUgehammert, Blaufahl, Rotfahl und Gelbfahl bilden die Farbpalette. Alle Farben sollen rein und satt sein, Blaue und Fahle einen durchgefarbten, wenn auch etwas helleren Rucken haben.

Die KOLNER TUMMLER (Abb. 375U377) sind eines Stammes mit niederlandischen und belgischen Tummlern und aus den niederlandischen hervorgegangen. Belatschte waren nach 1945 fast verschwunden, aber mit Hilfe von Niederlandischen Tummlern gelang es, sie zu retten. In ihrer Heimat sind Kolner Tummler seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannt, wurden fruher als Flugtauben gehalten und um 1920 zu ihrer heutigen Erscheinung veredelt. Wenn sie an Freiflug gewohnt sind, besitzen sie ein gutes Orientierungsvermogen. Z. T. noch bis in die vierziger Jahre wurden sie auf schnelle Heimkehr aus kurzen Entfernungen trainiert. Es hat sogar noch bis zu Anfang des zweiten Weltkrieges Vereine gegeben, die Wettfluge aus Nahdistanzen, somit in etwa dem Brieftaubensport vergleichbar, mit Kolner Tummlern durchgefuhrt haben. Der Kopf dieser mittelgroben, tiefgestellten Tauben mit etwas abfallender Korperhaltung ist abgerundet, seitlich gut gefullt und mit breiter, leicht ansteigender sowie gewolbter Stirn versehen. Der Scheitel ist sanft gerundet, so dab der hochste Punkt uber den Augen liegt und dann harmonisch in den Nacken ubergeht. Die Augen sind perlfarbig, die Iris ohne Blutaderchen, die Pupille moglichst klein und scharf abgegrenzt in der Mitte sitzend. Der Farbung des schmalen Augenrandes ist von derjenigen des Gefieders abhangig. Der mittellange und kraftige Schnabelist in leicht stumpfem Winkel zur Stirn eingesetzt und auch seine Tonung abhangig von der Gefiederfarbe. Die nur wenig entwickelten Schnabelwarzen sind glatt, flach und weib gepudert. Der voll aus dem Rumpf hervortretende Hals verjungt sich zum Kopf hin. Die Kehle ist gut ausgeschnitten, die Brust breit und gut gerundet, der Rucken

KOLNER TUMMLER, Rosettentiger gelb (Foto Wolters)

ELSTERPURZLER, rot (Foto Wolters)

breit und nach hinten abfallend. Die kraftigen Flugel liegen fest an, decken den Rucken gut und ruhen auf dem Schwanz, ohne dessen Ende zu erreichen. Der lange Schwanz wird gut geschlossen getragen und setzt die abfallende Ruckenlinie fort. Die Laufe sind kurz, entweder dicht belatscht oder unbefiedert. An Zeichnungen und Farbschlagen stehen zunachst Einfarbige sowohl glattfuUig als auch belatscht in Blau mit schwarzen oder ohne Binden, Blaugehammert, Blauschimmel, Blaufahl mit Binden, BlaufahlUGehammert, Rotfahl, Gelbfahl, Schwarz. Rot, Gelb und weib zur Verfugung. Auch Rosettentiger (Abb. 376) kommen glattfuUig und belatscht in den Varianten Schwarz, Rot und Gelb vor. Dabei handelt es sich um einfarbige Tauben mit weiber Flugelrose auf den vorderen Flugeldecken. weibem Schulterdreieck, "Herz" genannt, und weiber Brucke. Ein farbiges Band trennt die Flugelrose von Bug und Schulterdreieck. Ferner sind weibschlage. weibschwanze und weibschlagUweibschwanze in den Spielarten Blau mit Binden. Blaugehammert, Blauschimmel, Blaufahl mit Binden, BlaufahlUGehammert. Schwarz, Rot und Gelb zu unterscheiden. Bei weibem Schwanz mussen auch Schwanzdecke und Keil weib sein. Auch diese Zeichnungsformen kommen glattfuUig oder belatscht vor, wahrend Elstern und Kalotten nur glattfuUig gezuchtet

KOLNER TUMMLER, belatscht, blau mit schwarzen Binden (Foto Wolters)

werden. Erstere zeigen dabei korrekte Elsterzeichnung, Kalotten einen farbigen Schwanz einschlieUlich Decke und Keil sowie eine farbige, rundherum glatt abschneidende Kopfzeichnung, deren Begrenzungslinie vom Schnabelwinkel und unteren Augenrand zum Hinterkopf verlauft. Beide Zeichnungsvarianten werden in Blau. Blaugehammert, Blaufahl, Schwarz, Rot und Gelb gezuchtet.

Die ELSTERPURZLER (Abb. 378) wurden fruher auch "Suddeutsche Elsterpurzler" oder "Altdeutsche Elsterpurzler" genannt. Die Hellschnabligen stammen sicher vom Danischen Elstertummler ab. Sie waren lange Zeit als gut purzelnde Bauerntauben in Suddeutschland vorhanden, gingen nach Einfuhr der Englischen
Langschnabligen Elstern und der modernen Danischen Tummler jedoch fast verloren. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurden die alten Elsterpurzler wieder anerkannt. Diese Tauben sind sehr lebhaft sowie fluggewandt und purzeln auch beim Flug. Wenn sie plotzlich uber die Dacher "springen", reiUen sie sogar andere Tauben mit.
Elsterpurzler sind mittelgrob mit etwas gedrungenem, nicht zu schmalem Korper und leicht abfallender Ruckenlinie. Der Kopf ist gut gerundet und ohne Platte, vom Schnabel bis zur Augenhohe fast eine gerade Linie bildend, der Vorderkopf gut gefullt. Die Augen sind perlfarbig, dabei so rein und klar wie moglich, die Augenrander korallenrot, schmal und glatt. Der Schnabel ist mittellang und hell; nur bei Schwarzen und Blauen ist schwarzer Schnabelstipp erlaubt. Die Schnabelwarzen sind nur wenig entwickelt, glatt anliegend und rosafarbig. Der Hals ist mittellang, die Kehle gut ausgeschnitten, die Brust breit und etwas hervortretend. Der verhaltnismabig breite Rucken fallt nach hinten leicht ab. Die Schwingen ruhen auf dem Schwanz, ohne dessen Ende zu erreichen. Die mittellangen Laufe sind immer unbefiedert, das dichte Gefieder soll gut anliegen. Bei ublicher Elsterzeichnung soll die farbige Brustzeichnung nicht zu tief und uber das Brustbein hinaus hinunterreichen. Es sind die Farbschlage Schwarz, Rot, Gelb, Blau, Blaugehammert, Blaufahl und BlaufahlU Gehammert anerkannt.

LAUSITZER ELSTERPURZLER (Abb. 379) stellen zumindest im schwarzen und blauen Farbschlag eine pechschnablige Variante des Elsterpurzlers dar und entstanden nach 1950 in der Oberlausitz. Sie prasentieren dunkle bis schwarze Schnabel, und ihre Augenrander sind dunkel. Sie sind in Schwarz, Blau, Blaugehammert und Blaufahl gelaufig. Bei Roten und Gelben ist der Schnabel hell und der Augenrand hell bis rotlich.

LAUSITZER ELSTERPURZLER. blau (Foto Wolters)

Die KOPENHAGENER ELSTER (Abb. 380) stammt nicht aus Kopenhagen. sondern entstand in Hamburg durch Kreuzungen von Danischen Elstertummlern mit Brieftauben. Folglich tut man sich schwer mit der Einordnung: Sind es noch Tummler oder schon Brieftauben? Der Verein fur Schnellflugtaubensport in Hamburg besteht jedenfalls darauf, dab es sich um Tummler handelt. Dort ist man der Ansicht, dab diese Rasse einen Tummler mit der Eigenschaft von Brieftauben verkorpert. Der Schnellflugtaubensport kam in Hamburg um 1900 auf, wobei Tummler wie Brieftauben verschickt und auUerhalb von Hamburg aufgelassen wurden. Zuhause warteten die Zuchter dann mit einer Konstatieruhr auf die Ruckkehr der Tauben. Zunachst betrugen die Auflabentfernungen nur 20 bis 30 Kilometer, wurden spater aber weiter gesteigert. Naturlich wollte jeder Zuchter die besten Tummler besitzen, aber Einkreuzungen von Brieftauben brachten keine Verbesserung. Nur aus der Kreuzung von Brieftauben mit Danischen Tummlern war die Nachzucht zum Schnellflugtaubensport zu gebrauchen. Es dauerte Jahrzehnte, bis diese neue Rasse geschaffen war. Mit den besagten Kreuzungen begann man um 1910. Verwendet wurden nur blaue und schwarze Danische Elstertummler und nur weibe bzw. schwarze Brieftauben, die gelbe oder helle Augen hatten. Diese Tauben sind kleiner als Brieftauben und verfugen stets uber die bekannte Elsterzeichnung. Bei gelblicher Augenfarbung sind sie glattkopfig und glattfuUig. Durch Einkreuzung schwarzer Brieftauben ergab sich ein grunlicher Kaferglanz am Hals. Tiere dieser Variante werden als "grun" bezeichnet. AuUerdem sind hellblauUund blauUschwarzgeelsterte Exemplare vorhanden.

Die REGENSBURGER TUMMLER (Abb. 381) sind zugleich die jungste deutsche und die einzige suddeutsche Tummlerrasse. Sie wurden aus osteuropaischen Rollern und Altstammern in der bayerischen Domstadt erzuchtet und 1967 anerkannt. Sie zeigen einen gedrungenen Korper mit kurzem hohlrunden Rucken und einer typischen Amselhaltung. Der mittelgrobe, ovale Kopf verfugt uber mabig hohe Stirn.

REGENSBURGER TUMMLER, gelb (Foto Wolters)

KOPENHAGENER ELSTER, blau (Foto Wolters)

Die Augen sind perlfarbig, ihr Rand schmal und blab bis rotlich. Der mittellange Schnabel ist fleischU bis hellhornfarbig, der Hals mittellang, leicht gebogen, unten voll und nach oben schlanker werdend, in Erregung leicht zitterhalsig. Die breite, gut gerundete Brust wird etwas angehoben prasentiert. Der Rucken ist breit, kurz und hohlrund. Die Flugel werden unter dem Schwanz getragen, der aus mindestens 14 Steuerfedern besteht. Die Laufe sind mittellang und bestrumpft. Das Gefieder ist weich, aber nicht locker. Es gibt nur Einfarbige im roten und gelben Farbschlag.

MURKISCHE ELSTER, schwarz (vollbriistig) (Foto Wolters)

Die MURKISCHEN ELSTERN (Abb. 382 u. 383) stammen als ursprunglich mittelschnablige Tummler wahrscheinlich von Danischen Tummlern ab. Diese Rasse ist seit Anfang unseres Jahrhunderts im Ostseegebiet und der Mark Brandenburg bekannt. Um ihr die heutige Form zu geben, wurden Altstammer und ostpreuUische Tummler eingekreuzt. Die Markische Elster ist mittelgrob, der Kopf breit und rund sowie mit gut anliegender Rundhaube versehen, die beiderseits in gut entwickelten Rosetten auslauft. Der Augenrand der perlfarbigen Iriden ist schmal und blabrosa, der helle Schnabel knapp mittellang, breit angesetzt und mit der Stirn einen stumpfen Winkel bildend. Nur bei Blauen und Schwarzen ist dunkler Stipp zulassig. Der Hals erscheint gedrungen und etwas nach hinten durchgebogen. Die Kehle ist gut ausgeschnitten, die Brust breit, gut gerundet und hervortretend, der Rucken an den Schultern breit, kurz und nach hinten abfallend. Die Flugel werden auf dem gut geschlossenen Schwanz getragen. Die Laufe sind reichlich mittellang mit ausgebildeten Geierfedern belatscht. Die Zeichnung des lockeren Gefieders ist geelstert. Farbig sind dabei Kopf, Hals, Brust, Schultern, Rucken und Schwanz mit Decke und Keil, weib dagegen Bauch, FuUbefiederung, Flugeldecken, Schwingen und ein mehr oder weniger grober Fleck, "Herz" genannt, auf dem Vorderhals. Auch Tiere ohne Herz konnen als "vollbrustig" ausgestellt werden. Schwarz, Dun, Rot, Gelb, Blau. Blaufahl, Gelbfahl, Perlfarbig und lsabel] umfaUt die Farbschlagsammlung. Die Elsterzeichnung ist nicht reinerbig zu zuchten, sondern spaltet in der Nachzucht auf.

Die ROSTOCKER TUMMLER (Abb. 384), fruher auch "Mecklenburger Tummler" oder "Mecklenburger Purzier" genannt, waren elegante Flieger und Purzier. Sie verschwanden im 2. Weltkrieg vollstandig und wurden erst in den siebziger Jahren wiedererzuchtet. Mit Danischen und Hamburger Tummlern verwandt, handelt es sich

MURKISCHE ELSTER, rot mit Herz (Foto Wolters)

um knapp mittelgrobe Tauben mit aufgerichteter Haltung. Der langlichrunde Kopt zeigt eine breite, gut anliegende Kappe mit ausgepragten Rosetten, die ihn etwas uberragen sollen. Die Stirn ist leicht gewolbt. Die Augen sind perifarbig, ihr Rand schmal und von lebhaft roter Farbe. Der mittellange, dicke und stumpfe Schnabel von heller Farbung ist nur wenig nach unten gerichtet und bildet mit der Stirn einen

ROSTOCKER TUMMLER, rot (Foto Wolters)

stumpfen Winkel. Bei schwarzer Gefiederfarbe ist ein kleiner Schnabelstipp gestattet. Der leicht nach hinten gebogene Hals ist mittellang, die Kehle gut ausgeschnitten. Die breite Brust tritt etwas hervor. Der Rucken wird breit verlangt und soll zum Schwanz hin in gerader Linie abfallen. Die Flugel liegen auf dem Schwanz, dessen Ende sie nicht ganz erreichen. Die Beine sind mittellang, Laufe und FuUe unbefiedert, die Krallen hell. Das Gefieder soll fest und straff anliegen. Rostockei Tummler zuchtet man in Schwarz, Rot, Gelb und Blau, dabei nur als weibschlagUweibschwanze. Die ersten sieben bis zehn Handschwingen sollen weib sein. Von der Schwanzzeichnung wird ein gerader Schnitt an Keilansatz und Unterrucken verlangt.

Die NEUBRANDENBURGER TUMMLER entsprachen dem Rostocker Tummler. waren allerdings glattkopfig. Nach einem Bericht in der "GeflugelUBorse" waren sie 1933 noch vorhanden.

GUMBINNER WEISSKOPF. bestrumpft. blaugehammert (Foto Wolters)

Die MECKLENBURGER TIGERTUMMLER stellen eine den Hamburger Schimmeln sehr ahnliche Neuzuchtung dar und sind aus Kreuzungen von diesen mit Altstarnrnern, Berliner Kurzen und OstpreuUischen Werfern entstanden. Ergebnis ist eine lebhafte, zutrauliche und auch flugfreudige Taube, deren Schnabel lang genug bleiben soll, damit sie ihre Jungen selbst aufziehen kann. Besonderes Rassemerkmal ist die Tigerzeichnung, bei der Schwungfedern und Schwanz samt Keil farbig sein mussen. Der runde Kopf mit breiter Stirn wird von einer Muschelhaube geziert, die Rosetten erkennen labt. Die Augen sind perlfarbig, die Rander schmal und rotlich. Der leicht nach hinten durchgebogene Hals wirkt durch die Mahnenbildung am Hinterhals etwas voll. Die breite Brust wird angehoben getragen. Auf dem ebenfalls breiten Rucken soll ein farbiger Herzfleck sichtbar sein. Die FuUe sind befiedert. Geierfedern vorhanden. Man unterscheidet Mecklenburger Tiger in Schwarz, Rot. Gelb und seltener auch in Blau.

Der GUMBINNER WEISSKOPF (Abb. 385 u. 386) ist nahe verwandt mit dem Elbinger weibkopf. Fruher verkorperten Exemplare dieser Rasse gute Flieger und

GUMBINNER WEISSKOPF, blau mit schwarzen Binden (Foto Wolters)

Purzeltauben. Sie sind mittelgrob, dabei etwa 26 bis 30 cm lang. Ihre Heimat ist OstpreuUen, und in der Gegend von Gumbinnen waren sie weit verbreitet. Der Kopt ist breit mit leichter Platte und mabig gewolbter Stirn. Eine breite, nicht aufliegende Rundhaube mit ausgepragten Rosetten wird verlangt. Der glatte, schmale Augenrand der perlfarbigen Iriden ist blab bis rotlich gefarbt, der Schnabel mittellang (nicht unter 10 mm), breit angesetzt und etwas nach unten gerichtet. Er soll bei allen Farbschlagen hellfleischfarbig sein. Der Hals ist kraftig und mittellang, die Brust breit und gut gerundet hervortretend, der Rucken breit und nicht zu kurz. Die mittellangen Flugel werden auf dem Schwanz getragen. Die Laufe sind mittellang und kraftig, unbefiedert oder bestrumpft. Fruher waren nur GlattfuUige anerkannt. Die bestrumpfte Variante hieU ursprunglich "Lodscher Tummler" nach der polnischen Stadt Lodsch (Lodz). Inzwischen wurde sie als bestrumpfter Gumbinner weibkopf (Abb. 386) zugelassen. Gumbinner weibkopfe sind farbig, weib nur Kopf, Schwanz und die ersten drei bis sechs Schwungfedern der ersten Ordnung sowie die Bestrumpfung. Die Kopfzeichnung zieht sich etwa 5 mm unterhalb der Augen scharf begrenzt um den Kopf. Die Haube ist farbig. Der Schwanzschnitt soll sich in gerader Linie uber den Burzel ziehen. Farbiger Bauch sollte vorhanden sein oder wenigstens angestrebt werden. Es kommen die Farbvarianten Schwarz, Dun, Rot, Gelb, Blau mit schwarzen Binden, Blaufahl, Rotfahl, Gelbfahl und Blaugehammert vor.

Die KONIGSBERGER, MARIENBURGER und INSTERBURGER WEISSU KOPFTUMMLER gelten als ausgestorben. Es waren mittelschnablige Flugtauben, die beim Flug sehr fleiUig purzelten. Sie verfugten uber perlfarbige Augen mit rotem Rand. Ihre Zeichnung bestand bei farbigem Restgefieder aus weibem Kopf, Schwungfedern und Schwanz. Sie waren in allen Farbschlagen vertreten und wurden fruher in OstpreuUen als Flugsporttauben gehalten. Die Reste dieser Rassen sind spater in Gumbinner und Elbinger weibkopf aufgegangen.

Die BLAUKOPFIGEN KONIGSBERGER FLUGTUMMLER stammten von Flugtummlern ab, die aus den Niederlanden eingefuhrt worden waren. Zu Anfana des 19. Jahrhunderts konnte man in OstpreuUen grobe Schwarme dieser Flugtauben sehen, die sich in allen Korperteilen stark vom Konigsberger Farbenkopf unterschieden. Diese mittelgroben Tauben zeigten eine kraftige Figur mit breiter Brust und fest am Korper anliegenden muskulosen Flugeln. Die Schwingen wurden auf dein Schwanz liegend getragen. Der Hals war mittellang, der Kopf rund, mit schon gewolbter Stirn, der Schnabel reichlich mittellang und dunkel angelaufen. Augen samt Rand waren rotlich, Beine mittellang, Laufe und FuUe immer unbefiedert. Farbig waren Kopf mit einem kleinen Kehlbart und Schwanz. Man kannte nur die Farbschlage Hellblau, Isabellfarbig, Perlfarbig und Schwarz. Es handelte sich um gute Truppflieger, die beim Flug nur wenig purzelten.

Die DEUTSCHEN NONNCHEN (Abb. 387 u. 388) stehen den Hamburger Tummlern verwandtschaftlich nahe und gelten als eine der altesten Rassen des NordseeU Kustengebietes. Ob die ersten Nonnchen in Holland, der Bremer oder der Hamburger Gegend entstanden sind, ist nicht mehr nachvollziehbar. Auf jeden Fall wurden sie schon von Aldrovandi (1600) und dem Englander Moore (1735) beschrieben. Unsere Deutschen Nonnchen wurden ursprunglich in Hamburg mit kurzem Schnabel und im ubrigen Deutschland mit langerem Schnabel gezuchtet Heute hat man sich aufeine mittelschnablige Zuchtrichtung festgelegt.

DEUTSCHES NONNCHEN. gelb mit Haube (Foto Wolters)

Deutsche Nonnchen sind nicht sehr grob, aber trotzdem kraftige Tauben mit lebhaftem Wesen. Ihr Kopf ist gut abgerundet mit moglichst hoch angesetzter Rundkappe. die beiderseits in gut ausgebildeten Rosetten auslauft. Zudem sind auch Glattkopfige anerkannt. Die Augen sind perlfarbig, kleine Blutaderchen dabei zulassig. Der schmale Augenrand ist dunkel bei Schwarzen, Blauen und Silbernen, grau bei Blaufahlen und blabrotlich bei Roten sowie Gelben. Der Schnabel ist knapp mittelU lang und mit deutlichem Winkel zur Stirn leicht gesenkt, dunkel bei schwarzer, blauer und silberner Gefiederfarbe, wahrend Blaufahle einen hornfarbigen. Rote und Gelbe dagegen einen hellen Schnabel prasentieren. Der kurze, gedrungene Hals wird aufrecht getragen. Die Kehle ist gut ausgeschnitten. Die runde, breite Brust tritt etwas hervor. Der Rucken ist breit, nicht sehr lang und fallt nach hinten leicht ab. Die Flugel liegen gut am Korper an und werden auf dem Schwanz aufliegend getragen. Die Laufe sind kurz und unbefiedert. Das Gefieder ist gut entwickelt und nicht zu lang. Farbig sind nur der Kopf mit einem runden Latz, der Schwanz mit oberer Schwanzdecke und Keil sowie sieben bis zwolf Schwungfedern der ersten Ordnung, alle anderen Korperteile hingegen weib. Die Kopfzeichnung wird durch die Kappe begrenzt und verlauft vor dem Rosettenmittelpunkt nach vorn zu einem

DEUTSCHES NONNCHEN, rot (Foto Wolters)

runden Latz zusammen. Bei den Glattkopfigen (Abb. 388) ist die Kopfzeichnung hinten entsprechend begrenzt. Aufzuzahlen sind die Spielarten Schwarz, Blau, Blaufahl, Silber, Rot und Gelb.

Die SCHONEBERGER STREIFIGEN (Abb. 389) entstanden durch Kreuzungen von Berliner Streifigen Tummlern mit alten, nicht mehr existierenden, kurzschnabligen Brieftauben. Als Flugtauben wurden sie fruher gerne benutzt, weil sie ein sehr gutes Orientierungsvermogen hatten. Es sind kleine, gedrungene Tauben mit fast waagerechter Korperhaltung, geradem Hals und unbefiederten Laufen. Der kleine Kopf ist mit hoher, breiter, gewolbter Stirn ohne Platte oder Haube versehen. Die Augen sind bei kleiner Pupille und breiter Iris perlfarbig. Der Augenrand ist der Schnabelfarbe angepaUt, somit bei Rotstreifigen dunkel und bei Gelbstreifigen wachsfarbig, der knapp mittellange und dicke Schnabel also bei Rotstreifigen dunkel und bei Gelbstreifigen hell. Der mittellange, nicht zitterhalsige Hals wird senkrecht getragen. Die breite Brust tritt etwas hervor. Der kurze und breite Rucken fallt nach hinten etwas ab. Die Flugel sind kurz und kraftig, die Schwingen werden auf dem

SCHONEBERCER STREIFIGE. rotstreifiu (Foto Wolters)

Schwanz liegend getragen. Die Beine sind gut mittellang. Zu differenzieren sind nur weibe mit roten oder gelben Binden. Grundfarbe ist bei den Rotstreifigen Blaulichweib, bei den Gelbstreifigen Rahmweib. Auf den Flugeln befinden sich zwei oder moglichst drei rote oder gelbe Binden.

C. KURZSCHNUBLIGE TUMMLER

Die KALOTTEN (Abb. 390) gehoren zur Familie der Hamburger Tummler. Ursprunglich stammen auch sie von hollandischen Tummlern ab und wurden m Hamburg durch Einkreuzungen von Konigsberger Reinaugen zu kleinen und zierliU

KALOTTE, schwarz mit Haube (Foto Wolters)

chen Tauben mit gedrungener Figur umgezuchtet. Bei rundem Kopf mit einer kraftigen Stirn sind sowohl Glattkopfige als auch solche mit anliegender, in gut entwickelten Rosetten auslaufender Rundkappe anerkannt. Ihre Iriden sind perlfarbig mit schmalem, blabem bis blabrotlichem Augenrand. Der fast kurze und in stumpfem Winkel zur Stirn eingesetzte Schnabel ist fleischU bis hellhornfarbig, der Hals kurz und gedrungen, die Kehle nur schwach ausgeschnitten. Die schon gerundete Brust tritt etwas hervor. Der kurze und gerade Rucken fallt nach hinten ab. Die Flugel liegen auf dem Schwanz. Die Beine sind kurz, Laufe und FuUe unbefiedert. Das Gefieder soll nicht zu langfiedrig sein und glatt am Korper anliegen. Bei weiber Grundfarbe sind nur Kopfplatte und Schwanz farbig. Letzterer soll einen glatten Schnitt zeigen, die Kopfplatte bis an die weibe Kappe heranreichen und mit dem unteren Augenrand am Schnabelwinkel abschlieUen. Schwarz, Rot, Gelb, Blau, Blaufahl und lsabell sind die vorhandenen Spielarten.

HAMBURGER TUMMLER (Abb. 391U393) stammen ursprunglich von Danischen und Hollandischen Tummlern ab und wurden in Hamburg zu ihrer heutigen Form gestaltet. Diese kleinen und lebhaften Tauben besitzen einen kleinen und breiten Kopf mit gut gerundeter Stirn, dabei entweder glatt oder mit anliegender Rundkappe, die mit gut entwickelten Rosetten ausgestattet ist. Die Augen sind perlfarbig, ihr Rand schmal und blab bis blabrotlich, nur bei Blauen dunkel. Der fleischfarbige Schnabel ist kurz, breit angesetzt, stumpf und wird nach unten gerichtet getragen. Nur bei Blauen und Blaufahlen ist dunkler Schnabel zulassig. Der kurze, gedrungene Hals wird etwas nach hinten gebogen getragen, die breite, gerundete Brust leicht hervortretend. Der kurze Rucken fallt nach hinten ein wenig ab. Die Flugel werden

HAMBURGER TUMMLER, Elstern schwarz mit Haube (Foto Wolters)

HAMBURGER TUMMLER, weibschwanz rot (Foto Wolters)

auf dem Schwanz getragen. Die Beine sind kurz, Laufe und Zehen unbefiedert. An Farbschlagen bzw. Zeichnungen ist zunachst einmal normale Elsterzeichnung (Abb. 391) in Schwarz, Rot, Gelb, Blau, Blaufahl und Gelbfahl zu nennen, ferner

HAMBURGER TUMMLER. Farbenschwanz, schwarz (Foto Wolters)

Farbschwanze {Abb. 392) in exakt gleicher Farbpalette. Der farbige Schwanz soll intensiv gefarbt sein und oben wie unten eine glatte Begrenzung aufweisen. Neben einfarbig weiben werden auch weibschwanze (Abb. 393) und weibschlagUweibschwanze gezuchtet, bei denen Schwanzkeil und Schwanzdecke reinweib sein sollen. Von den Schwungfedern letzterer erwartet man sieben bis zehn der ersten Ordnung weib. Schwarz, Rot, Gelb, Blau, Blaugehammert, Blaufahl und Gelbfahl stellen die Farbschlagskala dar. weibschlage sind nicht anerkannt, obwohl sie fruher auch vorhanden waren.

Die HAMBURGER SCHIMMEL {Abb. 394) stammen vom getigerten Farbschlag der Danischen Tummler ab. Zu kurzschnabligen Hamburger Tummlern sind sie erst durch Einkreuzungen von Altstammern geworden. In der Korperform sind sie den bisher beschriebenen Tummlern aus Hamburg sehr ahnlich, also auch klein und lebhaft, jedoch mit befiederten FuUen ausgestattet. Der Kopf ist breit, schon gerundet und ohne Haube. Der schmale Augenrand der perlfarbigen Iriden ist dunkel bei

HAMBURGER SCHIMMEL, schwarz (Foto Wolters)

blauen und schwarzen Tieren, wahrend rote und gelbe Exemplare blassen Augenrand besitzen, der auch blabrotlich zugelassen ist. Der Schnabel ist kurz, breit angesetzt, gut senkend, stumpf und geschlossen. Schwarze und blaue Tiere haben einen dunklen Schnabel, rote und gelbe einen hellen. Der Hals ist kurz, gedrungen und leicht nach hinten gebogen. Die breite Brust soll schon gerundet sein, wahrend der kurze Rucken nach hinten etwas abfallt. Die Flugel sollen gut anliegen und auf dem Schwanz getragen werden. Die Laufe sind kurz und kurz belatscht mit gut ausgebildeter Schenkelbefiederung.

An Farbschlagen sind Schwarz, Rot, Gelb und Blau gelaufig. Das Farbbild wird "Schimmel" genannt, ist aber eigentlich eine Tigerzeichnung: Schwanz und Handschwingen sind intensiv farbig, das Schultergefieder (Herz) ebenso wie Kopf, Hals. Bauch und Flugelschild getigert. Einfarbig sind ein schmaler Streifen der Brust oberhalb des Brustbeins, "Schild" genannt, sowie SchenkelU und FuUbefiederuna. wobei letztere allerdings auch getigert sein konnen.

Die ALTSTUMMER (Abb. 395 u. 396) sind zwar nicht in Berlin entstanden. wurden jedoch spater zur typischsten Berliner Taubenrasse. Woher die Vorfahren dieser Rasse kamen, ist unbekannt, doch vermutet man, aus Persien oder Asien. In Berlin wurde sie nachweislich schon 1730 gezuchtet und erhielt dort auch ihre heutige Form.

ALTSTAMMER. (Foto Wolters)

ALTSTAMMER. gelb (Foto Wolters)

Es handelt sich um kurze und gedrungene Tauben. Je kurzer der Korper ist, desto besser. Der Kopf ist rund, breit und mit Pausbacken versehen, die Stirn breit, hoch und steil. Der Kopfkann glatt oder mit Rundkappe ausgestattet sein. Die Augen sind perlfarbig: nur weibe haben dunkle Augen. Der blasse bis rotliche Augenrand ist verhaltnismabig breit, aber flach und von feiner Struktur. Der Schnabel ist so kurz. dick und stumpf wie moglich, bildet mit der Stirn einen stumpfen Winkel und soll hellfleischfarbig sein. Bei Schwarzen und Blauen ist ein Schnabelstipp erlaubt. Die Schnabelwarzen sind gut entwickelt. Der Hals ist kurz und von mittlerer Starke. etwas nach hinten durchgebogen und in Erregung zitternd, die Brust gut gerundel und hervortretend. Der kurze und breite Rucken ist manchmal leicht hohl (Senkrukken) oder zeigt hochgewolbtes Burzelgefieder. Die Flugel sollen moglichst kurz sein und auf dem Schwanz aufliegen. Die Laufe sind kurz und mit kurzer Befiederung. die nicht in Latschen ausarten soll, versehen. Das Gefieder soll moglichst kurz, doch gut entwickelt sein. Das Farbschlagsrepertoire beginnt mit Einfarbigen in weib. Schwarz, Dun, Rot, Gelb, Braun, Blau und Blaugehammert. Es folgen weibUschwingige und Geelsterte, auch "Bunte" (Abb. 396) genannt, in den aufgezahlten Farbvarietaten. Diese sind an Kopf, Hals, Brust, Schultern, Rucken und Schwanz pigmentiert, weib hingegen Bauch, FuUbefiederung, Flugeldecken, Schwingen und ein mehr oder weniger grober Fleck (Herz) auf der Vorderbrust. Wiederum sind auch "Vollbrustige" ohne weiben Herzfleck anerkannt. Die Zeichnung der Geelsterten spaltet auf. Bei den weibschwingigen sind Anzahl und Gleichmabigkeit der weiben Schwungfedern ohne Bedeutung. Der untere Teil der FuUbefiederung kann weib sein. SchlieUlich sind noch Getigerte mit farbigen Schwingen und Schwanz zu nennen. An Kopf und Hals sollen diese nur wenig weib zeigen, im Flugelschild dagegen soll weib vorherrschen. Dieses Zeichnungsbild kommt in Schwarz, Rot und Gelb vor. Bei der Bewertung der Altstammer ist die Form des Korpers und des Kopfes vorrangig.

BERLINER KURZE (Abb. 397U400) sind Verwandte des Altstammers und durch Kreuzungen von diesem mit aus Holland eingefuhrten Tummlern in Berlin entstanden. Sie sind dort seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts bekannt. Diese kleinen,

BERLINER KURZE. blau mit schwarzen Binden (Foto Wolters)

gedrungenen Tauben besitzen einen kleinen, kugelrunden und glatten Kopf mit breiter, gewolbter Stirn. Der Augenrand der perlfarbigen Iriden ist schmal und zeigt gleiche Farbung wie der Schnabel. Dieser ist dick, stumpf, in stumpfem Winkel zur Stirn gesenkt und hell bei Gelbfahlen, Gelben, Rotgeelsterten und Schwingigen dieser Farbschlage sowie weiben. Perlfarbige haben hingegen einen hornfarbigen. alle anderen Farbschlage einen dunklen Schnabel. Der Hals soll schlank, doch voll aufgesetzt und gut gekehlt sein. Einfarbige und Streifige sind zitterhalsig: bei den

BERLINER KURZE, kupfer (Foto Wolters)

ubrigen Spielarten wird die Zitterhalsigkeit noch angestrebt. Die Brust ist breit und vorstehend, der Rucken kurz, zwischen den Schultern breit und mit hervortretendem Burzel versehen. Die kurzen, gut geschlossenen Flugel werden unter dem Schwan/ getragen. Die Laufe sind mittellang und mit kleinen Latschen von 3 bis 4 cm Lange nebst Geierfedern dicht befiedert.
Die umfangreiche Farbpalette setzt sich wie folgt zusammen: Einfarbige (Abb. 397) in Blau, Perlfahl, Gelbfahl, lsabell, Kupfer, Schwarz und weib, sodann Blaueulige, BlauUHelleulige, PerlU und lsabelleulige. Die Blauen sollen ein schones Stahlblau mit kafergrunem Glanz und schwarzen Binden zeigen. Die Perlfahlen prasentieren eine helle Perifarbe mit kohligen Binden. Die Euligen (Abb. 398) weisen in der jeweiligen Grundfarbe pfefferartig feine Aufhellungen und zarte, helle Federsaume auf. Rotstreifige und Gelbstreifige sind rahmweib mit roten oder gelben Binden. Etwas Halszeichnung, "Stacheln" genannt, ist kein Fehler. Ansatz zur oder eine dritte Binde sind erwunscht. Die Geelsterten (Abb. 399), auch als "Bunte" bezeichnet, kommen mit grober oder mit kleiner Herzzeichnung auf dem Hals vor. Bei den GroUgeherzten reicht diese Zeichnung bis zur Brust hinunter. Farbig sind immer Kopf, Hals, Oberrucken und Schwanz. Zu unterscheiden sind die Farbvarianten Schwarz, Rot, Gelb, Dunkelblau, Hellblau, Perlfarbig, Isabellfarbig und Silber. Dieses Zeichnungsmuster ist nicht reinerbig und spaltet in der Nachzucht auf. weibschwingige werden

BERLINER KURZE, blaueulig (Foto Wolters)

in den gleichen Farbvarietaten gezuchtet. Die Kupferfarbigen (Abb. 400) sollen eine gleichmabige Kupferzeichnung ohne ruUigen Anflug demonstrieren. Die AuUenfahnen der Handschwingen, FuUbefiederung und Schwanz sind blauschwarz, eine schwarze Schwanzbinde ist vorhanden.

BERLINER KURZE, dunkelblaugeelstert (Foto Wolters)

Die BERLINER MOHRENKOPFE, die Dietz schon 1883 beschrieb, verkorperten lU kleine bestrumpfte Tauben mit weibem Gefieder und farbigem Kopf. Sie gelten als ausgestorben.

Die KONIGSBERGER REINAUGEN (Abb. 401) entstanden im ehemaligen deutschen OstpreuUen, besonders in Konigsberg und Umgebung. Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, waren sie auch im Weichselgebiet und in WestpreuUen weit verbreitet. Sie durften von russischUasiatischen Tummlern abstammen, in die Altstammer eingekreuzt wurden. Somit sind unsere heutigen Konigsberger Reinaugen sehr kleine, kurze und niedriggestellte Tauben. Ihr Kopf ist rund, dick. mit

KONIGSBERGER REINAUGE. weib mit Haube (Foto Wolters)

breiter, hoher Stirn ohne Vorkopf, glatt oder rundkappig. Die Augen sind rein perlfarbig, ihr Rand flach und blab bis blabrot. Der kurze, dicke und stumple Schnabel bildet mit der Stirn einen stumpfen Winkel und ist immer hellfleischfarbig. Der Hals ist schlank und schon gebogen, die Brust breit und gut gerundet hervortretend. Der kurze Rucken soll an den Schultern breit sein. Die kurzen Flugel werden auf dem Schwanz getragen. Die Laufe sind kurz, unbefiedert oder bestrumpft. Diese Rasse existiert nur im Farbschlag weib. Das Gefieder weist am Hals etwas perlmultUartigen Glanz auf. Jungtiere zeigen haufig besonders an Hals und Kopf einige rote Federn im Gefieder, die nach der ersten Mauser verschwinden.

Die KONIGSBERGER FARBENKOPFE (Abb. 402) wurden im ehemaligen OstpreuUen, vornehmlich im heutigen Kaliningrad (Konigsberg), wo sie schon seit Mitte des 18. Jahrhunderts bekannt waren, herausgebildet. Spater wurden sie auch in anderen Teilen OstpreuUens gezuchtet. Heute sind sie in ganz Deutschland vertreten. Diese mittelgroben Tauben sind kappig und belascht, "latschig" genannt, oder auch schlicht" (= glattkopfig). Abgesehen von diesen Unterschieden, gilt fur beide Varianten die gleiche Bewertungsgrundlage. Der Kopf ist dick und rund, mit breiter und hoher Stirn, glatt oder mit breiter, federreicher Rundhaube, die in Rosetten auslauft. Die Augen sind perlfarbig, ihr Rand blab bis leicht rotlich. Der sehr kurze, dicke und stumpfe, mit der Stirn einen stumpfen Winke] bildende Schnabel soll moglichst hellfleischfarbig sein. Bei Blauen und Schwarzen ist dunkler Schnabelstipp erlaubt. Der Hals ist kraftig, gedrungen und leicht gebogen, die Brust breit, gut gerundet und hervortretend. Der Rucken soll an den Schultern breit sein und etwas abfallen. Die Flugel ruhen auf dem Schwanz. Die Laufe sind kurz und entweder unbefiedert oder reichlich mittellang mit gut entwickelten Geierfedern belatscht. Das Gefieder ist besonders bei den Belatschten reichlich entwickelt. Der Kopf mit einem Latz, der etwa bis zur Mitte des Halses reicht, und Schwanz mit Decke und Keil sind farbig. Bei kappigen Tieren ist die Innenseite dieses Kopfschmuckes farbig. Bei Glattkopfigen soll ein korrekter Hinterkopfschnitt etwa l cm unter der Scheitellinie verlaufen. Es kommen Schwarze, Blaue, Rote und Gelbe vor. Auch diese Zeichnung ist nicht reinerbig und spaltet von Reinweib bis Einfarbig auf. Diese konnen zur Zucht der Farbenkopfe Verwendung finden. Im Gegensatz zu unserem Standard werden Konigsberger Farbenkopfe in den baltischen Staaten zitterhalsig gezuchtet.

Zur Familie der ostpreuUischen Tummler gehoren auch die POSENER FARBENKOPFE (Abb. 403), obwohl sie in Posen und nicht in OstpreuUen entstanden sind. Nachweislich werden diese Tauben seit 1775 in Posen gezuchtet. Sie wurden auch "OstpreuUische Mohrenkopfe" genannt. Zuerst wiesen sie langeren Schnabel und Figur auf: erst durch Einkreuzungen von Altstammern und Konigsberger Tummlern wurden sie zu den heutigen kleinen und kurzschnabligen Tummlern. Der Kopf ist rund, mit hoher und breiter Stirn sowie einer breiten, hochsitzenden Muschelhaube versehen. Die Augen sind perifarbig, die Iris moglichst hell und breit, die Pupille dagegen moglichst klein. Der Augenrand ist breiter als normal, aber zart und

KONIGSBERGER FARBENKOPF. belatscht, schwarz mit Haube (Foto Wolters)

POSENER FARBENKOPF, rot (Foto Wolters)

fleischfarbig. Der Schnabel ist kurz, breit, etwas nach unten gerichtet und hell: nur bei SchwarzU und Blaukopfen ist ein kleiner farbiger Stipp gestattet. Der Hals ist mittellang, die Brust mittelbreit, gedrungen und wird angehoben getragen. Der Rucken fallt nach hinten ab. Die Flugel ruhen auf dem Schwanz. Die Beine sind mittellang und kraftig, Laufe und Zehen unbefiedert. Bei weiber Grundfarbe sind deiUKopf bis zur Muschelhaube, deren Innenseite, die Backen, ein langer Latz und der Schwanz mit oberer und unterer Schwanzdecke farbig. Posener Farbenkopfe kommen in Schwarz, Rot, Gelb, Blau und Blaufahl vor.

Die ELBINGER WEISSKOPFE (Abb. 404) wurden im ehemaligen OstpreuUen schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts gezuchtet. Es gab verschiedene weibkopfige Tummler wie Elbinger, Konigsberger, Insterburger, OstpreuUische und Gumbinner. Spater bildeten sich aus ihnen zwei Rassen, namlich die Gumbinner und Elbinger weibkopfe, heraus. Elbinger weibkopfe sind kleine, elegante, aber lebhafte Tauben mit einer Korperlange von 30 bis 32 cm. Der Kopf ist wurfelformig, der Scheitel mitunter mit einer kleinen Vertiefung (Grubchen) versehen, die Stirn breit, hoch und steil, immer ohne Haube. Die Augen sind perlfarbig, der flache Augenrand blab bis blabrotlich. Der kurze, dicke Schnabel bildet mit der Stirn einen stumpfen Winkel und ist immer hellfleischfarbig. Der Hals ist schlank und wird leicht nach hinten gebogen getragen, die Brust breit, gut gerundet und hervortretend, der Rucken kurz. an den Schultern breit. Die Flugel werden auf dem Schwanz getragen. Die Laute sind kurz und unbefiedert. Bei farbigem Gefieder sind der Kopf bis etwa 5 min unterhalb der Augen, der Unterrucken, mindestens sechs Handschwingen und der Schwanz weib. Bauch und Schenkel konnen farbig oder weib sein. Bekannt sind

ELBINGER WEISSKOPF. blau mit schwarzen Binder (Foto Wolters)

Schwarze, Dunfarbige, Rote, Gelbe, Blaue mit schwarzen Binden, Blaugehammerte. Blaufahle, Rotfahle und Gelbfahle.

Die STETTINER TUMMLER (Abb. 405) sind Verwandte der Wiener Tummler und gelangten erst auf Umwegen uber Prag nach Stettin. Wiener, Budapester, Prager. Breslauer und Stettiner Tummler sind enge Verwandte, die sich nur durch kleine Rasseeigenheiten voneinander unterscheiden. Stettiner Tummler haben geringer entwickelte Augenrander und keinen solch markanten Kopf wie die Budapester. Sie zeigen eine kurze und gedrungene Figur. Der Kopf ist wurfelformig, leicht abgerundet, mit hoher und steiler Stirn ausgestattet sowie glatt. Die Augen sind perlfarbig und nur bei Euligen und weibkopfen dunkel sowie bei Rotbindigen rehbraun. Der schmale Augenrand ist graublau, nur bei Roten, Gelben, Gelbbandern und Isabellfarbigen fleischfarbig. Der Schnabel ist kurz, dick, stumpf und etwas nach unten gerichtet. Rote, Gelbe, Gelbbander und Fahle weisen hornfarbigen, alle anderen dunklen Schnabel auf. Der Hals ist mittellang, die Kehle gut ausgeschnitten. Die breite, gut gerundete Brust tritt etwas hervor. Der in den Schultern breite Rucken fallt nach hinten etwas ab. Die kurzen Flugel werden auf dem Schwanz liegend getragen. Laufe und Zehen sind unbefiedert.

STETTINER TUMMLER, weibbauch eulig (Foto Wolters)

Es gibt Einfarbige in Schwarz, Rot, Gelb, Blau mit schwarzen Binden, Blaufahl und Rotfahl, ferner Eulige, die gleichmabige, feine, helle Federsaumung und kleine, dunkle Punktchen im Federfeld aufweisen. An Kopf und Hals sollen sie kein weib zeigen, auch werden Schimmel und Gestorchte mit schwarzen bis schwarz auslaufenden Schwingen bei sonst weibem Gefieder gezuchtet, deren Schwanz weib oder mit schwarz bis blaugrau gesaumten Federn versehen sein kann. Tiger kommen in Schwarz, Dun, Kupfer, Rot und Gelb vor, weibbauche in Schwarz, Kupfer, Rot, Gelb, Eulig und Schimmel. Letztere prasentieren bei farbigem Gefieder weibe Korperunterseite, etwa in der Mitte des Vorderhalses beginnend und sich bis zum After erstreckend. RotU und Gelbbander zeigen auf rahmweibem Grund durchgehende, intensiv gefarbte, rotbraune oder gelbe Flugelbinden. Farbige Spritzer an Hals und Nacken sind gestattet. Im Gegensatz dazu demonstrieren die weibbander, die es in Rot, Gelb, lsabell und Hellblau gibt, moglichst schmale, durchgehende weibe Flugelbinden.

Die BRESLAUER TUMMLER (Abb. 406) entstanden in der namensgebenden schlesischen Stadt aus dort eingefuhrten Prager Tummlern. Es handelt sich um kleine schnittige Tauben, die nach 1945 kaum noch vorhanden waren und glattkopfi" sowie mit Rundkappe vorkommen. Der Kopf ist wurfelformig mit kantig hervortretender Stirn und Hinterhals. Bei Rundkappigen zeigt er sich etwas abgerundeter. Die Stirn soll steil, gut gefullt und breit sein. Die Augen sind perlfarbig mit kleiner Pupille und breiter Iris. Der einU bis zweireihige Augenrand ist der Gefiederfarbe angepaUt. Auch der kurze, stumpfe, mittelstarke und gerade eingesteckte Schnabel entspricht in seinerjeweiligen Farbung derjenigen des Gefieders. Der schlanke Hals verjungt sich zur Kehle hin, die nicht scharf ausgeschnitten ist, aber keine Wamme zeigen darf. Die Brust ist wie der Rucken, der nicht abfallen soll, mittelbreit. Die Flugel treten am Bug etwas hervor, die Schwingen werden auf dem Schwanz getragen. Die Laufe sind mittellang und unbefiedert. Zum Farbschlagreigen gehoren Schwarze, Rote, Gelbe, Blaue, Blaue mit schwarzen Binden, BlauUEulige, HellblauUEulige, Blauschimmel, Hellgestorchte, Kupferfarbige sowie Tiger in Schwarz, Blau. Rot und Gelb. Bei den Schimmeln ist die Grundfarbe weib, wahrend Flugelspitzen und Schwanzbinde graublau bis schwarzlich, die Binden schwarz sind. Die Getiger

BRESLAUER TUMMLER. biau mit schwarzen Binden (Foto Wolters)

ten sollen moglichst farbige Schwingen aufweisen. Die Gestorchten sind weib mit farbigen oder gesaumten Schwingen oder Schwanzfedern.

D. DEUTSCHE ROLLERTAUBENRASSEN

Die Ausgangsbestande der Rollertauben stammen ursprunglich aus dem Orient, sind aber erst in Europa zu den heutigen Rassen geformt worden. Viele Rollerrassen unterscheiden sich nur geringfugig. Alle besitzen einen breiten Schwanz, der aus mehr als zwolf Steuerfedern besteht. Dieser wird fast immer angehoben und die Flugel hangend unter dem Schwanz getragen. Alle Rollertauben zeigen die gleiche Flugweise: Sie rollen und uberschlagen sich beim Flug, oft mehrfach hintereinander. Roller waren fruher reine Flugsporttauben. Gute Flieger und Roller geblieben sind die Orientalischen Roller, wahrend die Persischen Roller mehr als Ausstellungstauben geeignet sind. Beide Rassen konnen zu den deutschen gezahlt werden, weil sie aus importierten Tauben erst in Deutschland zu heutiger Form und Typ herausgebildet worden sind.

Die ORIENTALISCHEN ROLLER (Abb. 407) stammen vom Smyrnaer Roller ab. Die ersten Tiere, die in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu uns kamen, stammten aus der Turkei. Im deutschen Standard sind nur GlattfuUige anerkannt, in anderen Landern gibt es aber auch Tiere mit befiederten Laufen. Orientalische Roller sind mittelgrobe Tauben. Ihr Kopf ist mabig rund und gewolbt mit mittelhoher, etwas breiter und leicht gezogener Stirn. Die Augen sind bei moglichst kleiner Pupille perlfarbig. Kleine Blutaderchen sind kein Fehler. Der

ORIENTALISCHER ROLLER, schwarz (Foto Wolters)

Augenrand ist flach, glatt, blab oder fleischfarbig. Der Schnabel ist gut mittellang, an der Basis kraftig und soll hellfleischfarbig, ein sogenannter "Wachsschnabel", sein. Leichter Schnabelstipp ist bei Schwarzen, Blauen, Silbersprenkeln und Vielfarbigen zulassig. Der Hals ist mittellang, tritt breit aus der Brust hervor und wird zur Kehle hin schlanker, die unter dem Schnabel voll ist, aber keine Kehlwamme bilden darf. Die Brust ist breit und steht etwas hervor, der Rucken kurz und fallt nach hinten ab. In den Schultern ist er recht breit, und durch die erhohte Schwanzhaltung ergibt sich eine hohle Ruckenlinie. Die Flugel erreichen fast das Schwanzende, werden unter dem Schwanz getragen, sollen den Boden aber nicht beruhren. Der Schwanz ist breit und leicht gewolbt, wird in einer sanften Steigung uber den Flugeln getragen und soll aus mindestens 14 breiten Steuerfedern bestehen. Seine Breite soll der Schulterbreite entsprechen. Die Beine sind mittellang. Neben Einfarbigen in Schwarz, Rot, Gelb, weib, Dunfarbig, Blau mit schwarzen Binden, Blaugehammert, Blaufahl mit Binden, BlaufahlUGehammert, Rotfahl, RotfahlU Gehammert, Gelbfahl und GelbfahlUGehammert sind Sprenkel gelaufig, bei denen die weibe Grundfarbe mit schwarzer, roter oder gelber Sprenkelung versehen ist. Je gleichmabiger diese Zeichnung, desto besser. Tiere mit silbergrauer Grundfarbe und schwarzer Sprenkelung heiUen "Silbersprenkel". weibschlage sollen moglichst in beiden Flugeln sechs bis acht weibe Schwingen haben. Sie kommen in den genannten Farben vor. Die Grundfarbe der Vielfarbigen ist heller oder dunkler mandelfarbig mit Farbsprenkeln in allen bei Tauben vorkommenden HauptU und Nebenfarben. Diese Sprenkelung befindet sich an Hals, Brust sowie Rucken und soll moglichst gleichmabig verteilt sein. Ein kafergruner oder kupfriger Metallglanz und Federn mit silberheller Saumung verfeinern das Gesamtbild. Bauch und Burzel sollen moglichst einfarbig mattgelb bis blaugrau sein. Die Schwingen der ersten Ordnung werden cremefarbig mit durchgehender Sprenkelung angestrebt. Die Steuerfedern zeigen schwarze oder blaue Langsstreifen; einfarbige Steuerfedern mindern den Schauwert. Die Weibchen aller gesprenkelten oder vielfarbigen Varianten sind immer schwacher gesprenkelt. Mit zunehmendem Alter wird das Farbbild zudem dunkler.

Die ORIENTALISCHEN FEDERFUSSIGEN ROLLER (Abb. 408) sind im deutschen Standard nicht vertreten. Sie werden vorwiegend in Ungarn und Rumanien gezuchtet. Da sie in Korperform und allen anderen Teilen, auch in FarbU und

Zeichnungsbild, den Orientalischen Rollern gleichen, sollen sie hier nur kurz erwahnt werden. Laufe und Zehen sind bedeckt mit dichten Federn. Es sind keine Geierfedern vorhanden, und die Befiederung der FuUe soll kurz sein, aber die Zehen bedecken.

Die PERSISCHEN ROLLER (Abb. 409) sollen aus dem ostlichen Grenzgebiet Kleinasiens, der Ostturkei, Persien und Armenien stammen, sind aber aus verschiedenen Typen erst in Deutschland zu einer einheitlichen Rasse durchgezuchtet worden und seit 1954 anerkannt. In ihnen sind die vor 1954 in Deutschland vereinzelt vorhandenen federfuUigen Orientalischen Roller aufgegangen. Die wenigen federfuUigen Roller, die in Deutschland den Krieg uberlebt hatten, waren neben den federfuUigen Orientalischen Rollern z. T. auch asiatische bzw. zentralasiatische Roller. Persische unterscheiden sich deutlich von Orientalischen Rollern. In Gegensatz zu unserem Standard werden sie in Rumanien nicht nur federfuUig, sondern auch schwacher oder starker belatscht sowie glattfuUig gezuchtet. Persische Roller sind kraftiger und vor allem in HalsU und Brustpartie voller als Orientalische Roller. Es handelt sich um verhaltnismabig tiefgestellte, etwas gestreckte Tauben mit leicht angehobener Brust und breitem, angehoben getragenem Schwanz. Der Kopf ist gut

PERSISCHER ROLLER, blaufahl (Foto Wolters)

ORIENTALISCHER ROLLER. bestrumpft (Foto Wolters)

gerundet, mit hoher Stirn und starkem Nacken ausgestattet. Die Augen sind perlfarbig. weibe durfen auch dunkle Augen haben, Perlaugen haben jedoch den Vorzug. Der Augenrand ist schmal und hellfarbig, der Schnabel mittellang und bei allen Farbschlagen hellhornfarbig. Dunkle Farbvarianten durfen einen kleinen Schnabelstipp zeigen. Der Hals ist stark, vollfiedrig, breit in den Rucken ubergehend und verjungt sich zum Kopf hin kaum. Die breite Brust wird leicht angehoben getragen. Der Rucken ist kurz, zwischen den Schultern breit und nach hinten mabig abfallend. Die langen und breiten Flugel werden unter dem Schwanz getragen und beruhren fast den Boden. Der Schwanz besteht aus 14 bis 22 breiten Federn. Je hoher die Zahl der Steuerfedern, desto wertvoller ist das Tier. Der Schwanz wird etwas locker, leicht gewolbt und waagerecht bis leicht angezogen getragen. Die Laufe sind kurz bis kaum mittellang und dicht befiedert. Diese Federn sollen die Zehen bedecken, aber nicht zu lang sein.
An Farbschlagen stehen Einfarbige in Schwarz, Dun, weib, Rot, Gelb, Blau mit schwarzen Binden, Blaufahl, Rotfahl, Gelbfahl, Blaugehammert, BlaufahlUGehammert, RotfahlU Gehammert, GelbfahlUGehammert, Hellblau mit rotem Hals und roten Binden, Dominant Rot, Getigerte in Schwarz, Rot und Gelb, Gesprenkelte in Schwarz, Rot, Gelb und Silber sowie Vielfarbige zur Verfugung. Persische Roller sind vorwiegend Ausstellungstauben, die seltener zum Flugtaubensport verwendet werden.