DIE FUTTERUNG

Wesentliche Anteile an bleibendem Erfolg in der Rassetaubenzucht haben zum einen die Qualitat des Futters und zum anderen die Futterungsweise, sprich: die Futterungstechnik. Die Methode: "Hunger ist der beste Koch" wird vor allem bei der Volierenhaltung berechtigte Anwendung finden. Eingesperrte Rassetauben werden knapp, aber dennoch bis zur volligen Sattigung gefuttert. Die Dosierung ist dabei reine Erfahrungssache. Tauben benotigen pro Tag etwa zehn Prozent ihres Eigengewichtes an Futter. Wenden sich wahrend der Futterung die ersten Tauben dem Trinkwasser zu, sind sie in gewissem Mabe satt, wenn sie auch anschlieUend zum Trog zuruckkehren und noch dieses oder jenes Kornchen aufpicken. Meistens werden Gerstenkorner gemieden. Wenn also der Trog auch frei von Gerste ist, wissen wir, dab die Tiere nicht uberfuttert worden sind. Dieses Getreide ist zwar ein sehr guter Futterbestandteil, rangiert in der Beliebtheit fur die Aufnahme jedoch bei den ublichen Mischungen an letzter Stelle.
Die im Freiflug gehaltenen Tauben werden ebenso im Schlag gefuttert. Vor allem der Hunger wird sie, bei Einhaltung punktlicher Futterungszeiten, stets in ihren Heimatschlag zuruckbringen. Das Eingewohnen der Tauben gelingt in dieser Weise am ehesten. Dreimaliges Futtern am Tage ist empfehlenswert, wobei sich bei berufstatigen Zuchtern der Rhythmus morgens und spatnachmittags eingeburgert hat. Einmaliges Futtergeben im Winter schadet den Tauben aber auch nicht.
LangU und kurzschnablige Rassen, in einem Schlag zusammen untergebracht, sollten nicht gleichzeitig an nur einem, sondern aus mehreren Trogen versorgt werden, damit die Kurzschnabler - gehandikapt durch ihre Schnabelkurze - gleichermaben an der beliebten Futterauswahl teilnehmen konnen.
Mit gewissen rassebedingten Ausnahmen ist Standfutter (standig nachgefullte Menge) abzulehnen. Ubersattigte Rassetauben sind ubergewichtig und lassen Vitalitatswunsche offen. Die Befruchtungsrate sinkt: als Ursache fur das "Steckenbleiben" der Kuken im Ei ist nachweislich eine Verfettung der Elterntiere anzusehen.
Die Futterung aus der Hand, also zeitweiliges Ausstreuen des Futters vom Zuchter auf den sauberen Schlagboden, ist eine beliebte Versorgungsweise. Einerseits dient diese zwar zeitraubende Betatigung der personlichen Entspannung, andererseits schafft sie zuverlassiges Vertrauen zwischen Mensch und Tier. Wird das Futter in dieser Weise verabreicht, lassen sich scheue bis fluchtig veranlagte Rassen leicht zahmen. Die Vertrautheit der Tauben geht bis zum Fressen aus der Hand. Der gesamte Taubenbestand wird ruhiger, zutraulicher und gewohnt sich zugleich, was fur die Ausstellungszeit von grobem Vorteil sein wird, an die Nahe des Menschen. "Reden mit den Tieren" starkt die enge Bindung zusatzlich, wobei, wie an anderer Stelle erwahnt, ein weiber Arbeitsmantel des Pflegers die Rassetauben im spateren Ausstellungskafig angesichts der gleichfarbigen Preisrichterkluft nicht mehr verunsichern wird.
In der heutigen Rassetaubenzucht greift der Zuchter vornehmlich nach fertigen Mischungen aus dem fachbezogenen Futtermittelhandel. Solches Rassetaubenfutter wird meistens in 25U kgUGebinden angeboten. Diese Futtersacke fuhren auUen aufgedruckt den Hersteller, die Sortenbezeichnung sowie, in Prozenten angegeben, die Analyse der Zusammensetzung. Diese Mischungen resultieren aus jahrzehntelanger Futtermittelforschung. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen beinhalten die Zuta ten des Kornerfutters samtliche lebensnotwendigen Bestandteile. Das Futter deckt in der ublichen Zucht den lebensnotwendigen Bedarf der Taube. Auf zusatzliche Beimischungen wollen dennoch viele Zuchter erfahrungsgemab nicht verzichten, weil speziell zur Intensivierung des Gefiederglanzes bei Farbentauben notwendige olhaltige Zugaben gleichzeitig einen Leckerbissen darstellen.
Dafur wird unter Berucksichtigung anfallender Aspekte bei den vorbeschriebenen Handelsmischungen der eine oder andere Anteil zur Verhinderung unliebsamer Auswirkungen vernachlassigt. Aus diesem Grund sind diverse Sorten mit unterschiedlichen Mengenanteilen erhaltlich. Das Futterangebot unterscheidet sich desweiteren in der Korngrobenabstufung. Deren Bezeichnungen im einzelnen mogen von Fabrikat zu Fabrikat variieren, drucken jedoch aus, welche Kornung fur schwere bzw. leichte oder kurzU bzw. langschnablige Rassen bekommlicher sind.
Jeder Zuchter stutzt sich bei der wiederholten Verwendung eines Futters in Fabrikat, Sorte etc. auf eigene Erfahrungen, wonach es von seiner Taubenrasse am liebsten angenommen wird, mit dem er aber zugleich in zuchterischer Hinsicht bestimmte Erfolge verzeichnen kann. Durch Weglassen von Mais konnten Zuchter beispielsweise die unangenehme Farbung der Augenrander bestimmter Rassen unterdrucken, die an sich positive Bewertungen herabsetzte. Andererseits konnte damit, wo entsprechende Farbung gefordert ist, zu mabgeblichen Fortschritten beigetragen werden.
Unbestritten handelt es sich bei allen Futterangeboten diverser Vertriebe um ausgezeichnete Qualitat, die aufgrund grober Tonnenumsatze aus dem Ausland erntefrisch importiert wird. Dies trifft in besonderem Mabe auf exotische Beimischungen zu. Der Lagerung nach dem Kauf und in den eigenen vier Wanden schenken wir grobe Aufmerksamkeit. Das Futter verspricht bei trockener Aufbewahrung geraume Haltbarkeit. In einer eigens dafur bereitgestellten Futterkiste im Schlagvorraum wird das Futter fur die Tiere griffbereit aufbewahrt.
Wenn das handelsubliche Futter den Nahrungsanforderungen auch gerecht wird, darf es dennoch nicht allein bei den alltaglichen Portionierungen bleiben. Zu ausgewogener Versorgung gehoren vielmehr standig, auch im Winter, Gaben von Grunfutter. Dabei wird Vogelmiere, auch als "Huhnerdarm" bezeichnet, wohl am liebsten aufgenommen. DaU Tauben Grunes sozusagen wie Kuhe das Gras auf den Weiden zu sich nehmen, ist landlaufig bekannt. Auch Mohrruben, in etwa erbsengrobe Wurfel geschnitten, finden Anklang. Tauben gewohnen sich sehr schnell daran, wenn dieses karotinhaltige Gemuse wahrend einer knappen Futterungsphase vor allem im Winter vereinzelt mit eingestreut wird.
Weichfutter ist nicht ublich: allerdings sind Tauben nicht abgeneigt, an HuhnerUfuttertrogen ihren aufkommenden Hunger vor der eigentlichen Mahlzeit zu stillen. Fertigfutter in Form von Pellets wird von Rassetauben gerne aufgenommen. Langst vermischen nicht wenige Zuchter solches PreUfutter mit den herkommlichen Kornermischungen. In lauwarmem Wasser aufgeweicht und zu flussigem Brei verruhrt. wird Fertigfutter mit einer "Spritze" zuruckgebliebenen Jungtieren gerne in den Kropf gegeben, wenn Alttiere ihrer Elternpflicht nicht ausreichend nachkommen. In dieser Weise bei der Aufzucht mitgeholfen, behalten wir stabile Jungtauben bis zum Absetzen in den Jungtierschlag.
Rassetauben im Freiflug mussen nicht unbedingt "feldern", suchen jedoch standig den Boden auf, sei es eine Wiese, ein Acker. Feldrain oder auch den Garten. Ununterbrochen sind sie dabei am picken. Unsere Rassetauben sind. sollen sie sich wohlfuhlen, auf solche im Freien auffindbaren Naturalien angewiesen. Besonders fur in Volieren gehaltenen Tiere ist es lebenswichtig, moglichst taglich solche Naturlichkeiten angeboten zu bekommen. Vorsorglich holen wir, mit einem Spaten tief ausgehoben, einen groben Muttererdebollen samt Grasbuscheln in die Taubenvoliere. Bis auf das storrische Wurzelwerk wird die ganze Sode von den Tauben abgeweidet werden.
Es gehort zur generellen Versorgung, dab den Rassetauben stets Grit und Taubenstein zur Verfugung stehen wie auch gelegentliche Gaben von Holzkohleteilen. Bedingt durch die Zahnlosigkeit der Vogel, benotigen sie als Unterstutzung fur die Verdauung und die Tatigkeit des Muskelmagens derart feste Bestandteile. GroUe Bedeutung in der Rassetaubenzucht wird der Qualitat des Trinkwassers beigemessen. Vor allem bei hohen Temperaturen ist das Wasser mehrmals taglich zu wechseln. Die saugtrinkenden Tauben nehmen frisch gereichtes Wasser gleich nach dem Einfullen in die Tranke recht gierig zu sich. Das Trinkbedurfnis liegt bei Tauben noch uber dem Futterverlangen, d. h. sie kommen langere Zeit ohne Futter, jedoch nicht ohne Flussigkeit aus. Wahrend der Jungenaufzucht muU den Zuchttieren dauernd Wasser zur Verfugung stehen. Fehlt es an Trinkbarem, quellen die Korner in den Kropfen der Jungen und lassen sie dadurch elend zugrundegehen