16. GRIECHISCHE TUMMLER

In Griechenland werden einige Taubenrassen zum Flugsport verwendet. Dabei gibt es dort keine Rassetaubenzucht in unserem Sinne und auch, abgesehen von den Flugtauben, keine einheimischen Rassen. Das mub erstaunen, da doch gerade Griechenland den alten orientalischen Taubenzuchtzentren Turkei, Persien, Syrien. Zypern und Ugypten naheliegt. Es ist auch historisch belegt, dab die ersten rein weiben Haustauben im Jahre 492 vor Chr. von vor der nordgriechischen Kuste gesunkenen persischen Schiffen ins Land kamen. Heute werden in Griechenland zwar einige Rassetauben wie Ugyptische Segler und Movchen, die den Mazedonischen Movchen entsprechen, gezuchtet, doch am meisten verbreitet sind Flugtummler, die recht unterschiedlich gezeichnet sind.

OZYDIKAS STURZFLUGTAUBEN, blau (Foto Wolters)

Die OZYDIKAS (Abb. 432) entsprechen weitgehend den Mazedonischen Sturzflugtauben, die unter den jugoslawischen Tummlern noch eingehend vorgestellt werden. Sie wurden vor einigen Jahren von Urlaubsreisenden in mehreren Paaren nach Deutschland gebracht. Es sind kleine Tummler, glattkopfig und glattfuUig mit hellen Augen. Die meisten Tiere sind blau mit schwarzen Binden und weiben Schwungfedern. Diese Tauben flogen bei uns nur mabig und auch nicht sehr hoch. Einige zeigten rasante Sturzfluge wie die Mazedonischen Sturzflugtauben. Tummler dieser Art findet man in allen Landern rund um das Mittelmeer: es sind reine Flugtiere, die wohl nie den Weg /u einer Taubenausstellung finden.

Eine zweite Rasse sind die von Chr. Reichenbach aus ihrer Heimat mitgebrachten FEDERFUSSIGEN GRIECHISCHEN TUMMLER. Diese wurden erstmalig in einer Sonderschau anlablich der VDTUSchau in Nurnberg ausgestellt. Sie stellen mittelgrobe, glattkopfige Tummler mit oft unreinen Perlaugen oder gelblichUorangefarbigen Iriden dar. Diese Tauben weisen immer mehr oder weniger lang befiederte FuUe auf. Fast alle Tiere sind farbig mit weiber Zeichnung. weib sind in der Regel Schwingen, Schwanz und FuUbefiederung. Weitere Exemplare haben am Kopfeinige weibe Federn oder auch einen ganz weiben Kopf, letztere in einer Art Monchzeichnung. Diese zeigen mitunter etwas langere Latschen. Rote mit weibem Kopf heiUen "Zakeal", Schwarze mit weibem Kopf "Galatzi". Ist der Kopf nur gesprenkelt oder gescheckt, werden sie "Karagalatz" genannt. SchlieUlich sind einfarbig Schwarze mit Perlaugen, die als "Alkuruk" bezeichnet werden, gelaufig. Ihre Flugleistungen sind im Vergleich zu anderen Hochflugtauben nicht uberragend, sondern eher mabig.

Die WUTA entsprechen ebenfalls weitgehend den Mazedonischen Sturzflugtauben. Es sind kraftige Tiere, die in kurzester Zeit in Oberluft steigen und dort auch langere Zeit verbleiben konnen. Zumeist werden sie jedoch nach kurzer Zeit durch Zeigen einer Locktaube heruntergeholt. Dabei kommen sie in atemberaubender Geschwindigkeit heruntergesturzt, ganz ohne oder mit nur wenigen Drehungen beim Sturzflug. Es kann einem Angst und Bange werden bei diesem rasanten Absturz und dem plotzlichen Bremsen ganz knapp vor dem Ziel. Griechische Zuchter verstehen unter der Bezeichnung "Wuta" nur Sturzflieger und sind der Ansicht, Wuta waren identisch mit den Ozydikas. Da dieser Name aber in Deutschland und der Turkei fur diese Tauben verwendet wird, sollte er kurz genannt werden. Diese Rasse ist in der Turkei etwas dem dortigen Geschmack angepaUt worden. Sie ist glattkopfig, ihre Laufe unbefiedert oder bestrumpft.

Auch die SELANIK sind den Mazedonischen Sturzflugtauben zuzuordnen, in Turkei und Griechenland verbreitet und mit kraftigem Korperbau versehen. Sie kommen in allen Spielarten vor, meist jedoch gescheckt oder weibkopfig. Diese Tiere sind glattkopfig, ihre Laufe unbefiedert oder leicht bestrumpft. Der Schwanz ist in der Regel etwas breiter und besteht aus mehr als 12 Schwanzfedern. Diese Tauben steigen schnell auf, fliegen aber nie in geschlossenem Schwarm, sondern mehr einzeln. Wenn sie durch Prasentation einer Locktaube heruntergeholt werden, kommen sie mit enormer Geschwindigkeit herabgesturzt. Dabei drehen sie sich in ganz engen Kreisen um die Flugelspitze als Mittelpunkt, meist links herum, seltener rechts herum. Besonders begehrt und teuer bezahlt werden Tiere, die sowohl links wie auch rechts herum drehen konnen. Diese Tauben werden auch in Deutschland gern zum Flugsport verwendet.