24. POLNISCHE TUMMLER Die meisten polnischen Tummler hatten ihren Ursprung in den Nachbarlandern. Die Langschnabligen durften von Danischen Tummlern abstammen. Bei den kurzschnabligen Rassen ist die Verwandtschaft zu osterreichischen und ungarischen Tummlern unverkennbar. Einige weitere Rassen sind ursprunglich russischer Herkunft. Das Talent polnischer Zuchter ist anzuerkennen, denn sie haben aus diesen zu ihnen gelangten Tauben interessante Rassen geschaffen.

WARSCHAUER ELSTERTUMMLER, blau (Foto Stauber)

Die POLNISCHEN SCHILDTUMMLER (Bok; Abb. 481) sind verwandt mit dem russischen Nikolajewer Tummler. Diese mittelgroben Tauben sind glattkopfig und glattfuUig. Das Gefieder ist uberwiegend weib, farbig nur das Flugelschild. Eine farbige Stirnschnippe kann auUerdem vorhanden sein. Der Kopf ist abgerundet, die Farbe der Augen reicht von gelb bis orangerot. Die Augenrander sind hell und schmal, der Schnabel reichlich mittellang. Die langen Flugel liegen auf den Schwanzseiten oder hangen leicht neben dem Schwanz. Die Beine sind mittellang. Diese Tauben zeigen als vorzugliche Hochflieger die gleiche Flugweise wie die Nikolajewer Tummler.

Die WARSCHAUER STAHLBRUSTTUMMLER (Murzyn Warzawski) gehoren zu den Vorgenannten, denen sie in der Korperform gleichen. Die Zeichnung ist fur diese Rasse charakteristisch: Kopf, Vorderhals bis zur Brust und Hinterhals bis zum Rucken zeigen dunkelblaue Farbe. Der Rest des Gefieders ist hellblau. Diese Tauben werden sowohl mit blauem als auch mit weibem Schwanz gezuchtet und sind Truppflieger.

Die POLNISCHEN ELSTERTUMMLER waren noch vor 60 Jahren reine Flugtauben und unserem Elsterpurzler ahnlich. Inzwischen sind sie zu Ausstellungstauben geworden, von denen verschiedene Zuchtrichtungen existieren:

Da waren zuerst die mittelgroben KRAKAUER ELSTERTUMMLER (Krakus). Deren Kopf ist langgestreckt und birnenformig mit flacher Stirn, zum Hinterkopf in eine Rundung ubergehend. Der Schnabel ist lang, dunn und hellfleischfarbig. Die Augen sind hell, perlfarbig und werden umgeben von hellrotlichen, zarten Augenrandern. Der Hals ist lang und dunn. Die Schwingen ruhen auf dem Schwanz. Das Farbbild entspricht der ublichen Elsterzeichnung: Farbig sind Kopf, Hals, Brust, ein Herz auf dem Oberrucken und Schwanz. Uber Rot, Gelb, Schwarz, Schokoladenbraun, Blau und Fahl erstreckt sich die Farbpalette.

POLNISCHER SCHILDTUMMLER. rol (Foto Scheide)

Die WARSCHAUER ELSTERTUMMLER (Abb. 482) gleichen in der Form den zuvor Beschriebenen. Der Unterschied besteht in der Farbung ihres Schnabels und der Krallen. Die Augenrander sind blaulich. Auch ihnen ist die normale Elsterzeichnung eigen, doch sind Warschauer Elstern nur in blauer Farbe bekannt. Dabei differenziert man in helleres Stahlblau und ruUiges SchwarzlichUBlau, jeweils mit farbigem oder weibem Schwanz.

Die POLNISCHEN LANGSCHNUBLIGEN TUMMLER (Abb. 483 u. 484) hieUen fruher Galizier Silberelstern. Sie sind auch in Deutschland anerkannt und sollen aus Kreuzungen von Danischen Tummlern mit schlesischen Eistauben entstanden sein. Sie unterscheiden sich nicht stark von den Deutschen Langschnabligen Tummlern. Wahrend wir fruher nur die Silberelstern kannten, sind nach 1945 zahlreiche weitere Farbschlage wie weibschwanze, weibschlage, weibschlagUweibschwanze, weibbauche sowie Einfarbige in allen Farben einschlieUlich weib bekanntgeworden. weibe, die einen dunklen Schnabel haben, sind eigentlich Silberestern, deren Farbe vollkommen verschwunden ist. Alle Polnischen Langschnabligen Tummler sind glattfuUig, glattkopfig (mit einer Ausnahme) und haben helle Perlaugen. Sie entstanden in Krakau und Lemberg. 1875 kamen die ersten Tiere nach Deutschland.

POLNISCHER LANGSCHNUBLIGER TUMMLER. eisfarbig-geelsterl (Foto Wolters)

Diese Tauben zeigen eine aufrechte Haltung, sind hochgestellt und schlank. Der Kopf ist langgezogen und schmal, die Stirn flach, aber gut gefullt und bildet mit dem Schnabel eine gerade Linie. Ein flach gewolbter Kopf mit schmaler Stirn gilt als rassig. Der Hinterkopf ist kurz und gerundet. Die Augen sind rein perlfarbig und mit einer kleinen Pupille versehen. Der schmale Augenrand ist fein im Gewebe und bei Eisfarbigen pflaumenblau bis blauschwarz, bei Perlfarbigen hell und unauffallig. Der lange und kraftige Schnabel soll moglichst waagerecht angesetzt sein und ist bei Eisfarbigen tiefschwarz, bei Perlfarbigen hornfarbig. Die Schnabelwarzen sind zart und flach, so dab sie die Profillinie nicht storen. Der Hals ist lang und schlank mit gut ausgeschnittener Kehle und wird fast senkrecht getragen. Die Brust ist schmal und etwas angehoben, tritt aber nicht hervor. Der Rucken ist auch in den Schultern schmal und fallt nach hinten ab. Die Flugel stehen am Bug etwas vor, liegen

POLNISCHER LANGSCHNUBLIGER TUMMLER. eisfarbig mit Binden UweibschwingJg (Foto Wolters)

ansonsten gut an und werden auf dem Schwanz getragen, der nicht zu lang, fest geschlossen und mit dem Rucken eine ununterbrochen abfallende Linie bildend sein soll. Die Beine sind lang.
An Zeichnungen und Farbschlagen sind Geelsterte in Eisfarbig, Perlfarbig, EisfarbigU Gehammert und PerlfarbigUGehammert, Einfarbige in Eisfarbig mit Binden, Perlfarbig mit Binden, EisfarbigUGehammert und PerlfarbigUGehammert sowie weibschwingige in Eisfarbig mit Binden, Perlfarbig mit Binden, EisfarbigUGehammert und PerlfarbigU Gehammert zu nennen. Mit Eisfarbig bezeichnet man ein sehr helles Silbergrau, Perlfarbig bedeutet ein zartes Rahmweib, das Untergefieder jeweils dunkler. Die Halsfarbe soll moglichst ohne Glanz sein. Sind Binden vorhanden, so fallen sie bei Eisfarbig in schwarzer Farbe, bei Perlfarbigen dunkelgrau aus. Alle sollen eine gut abgesetzte Schwanzbinde zeigen. Flugelbinden und Hammerung mussen moglichst dunkel sein. Die Geelsterten prasentieren weibe Rucken, die weibschwingigen 7U10 weibe Handschwingen. Die Eisfarbigen heiUen in Polen "Srebrnik Polski", die perlfarbigen Elstern "Perlovy Polski" und die Eisfarbigen mit Binden "Srebrniak Strelaty". Man zuchtet im Heimatland einige weitere Farbschlage mit weibem Schwanz, mit weiben Flugelbinden und als Geschuppte.

Die KAPPIGEN GALIZIER ELSTERTUMMLER mussen als eigene Rasse angesehen werden. Sie unterscheiden sich in der Form sehr von den vorher beschriebenen glattkopfigen Rassen. Uber ihre Herkunft ist bekannt, dab es unter den Galiziertummlern ab und zu kappige Tiere gab, die in Amerika unter polnischen Emigranten eine neue Heimat fanden. Es handelt sich um Tauben mittlerer GroUe und von gedrungener Figur, deren Hals kurzer und dicker als bei den Glattkopfigen ist. Der Kopf ist schon abgerundet. Der Hinterkopf wird von einer Muschelhaube geziert. Der Schnabel ist lang. Das Farbbild entspricht der Elsterzeichnung. Diese Rasse variiert in Silberfarbig (Eisfarbig) und Perlfarbig. Letztere haben einen hellen Schnabel, im Gegensatz zum schwarzen der Eisfarbigen. Die Silberfarbigen werden in den USA "Crested Polish Silver Highflyers" genannt, die Perlfarbigen jedoch "Crested Russian Highflyers".

Die GESCHUPPTEN POLNISCHEN TUMMLER wurden von Polnischen Zuchtern in die USA eingefuhrt. Sie sind mittelgrob, ihr Kopf ist abgerundet und der Schnabel mittellang. Diese Tauben sind verhaltnismabig niedriggestellt, ihre Korperhaltung ist waagerecht. Das Wesentliche ist die Zeichnung: Das Flugelschild ist regelmabig geschuppt mit weiben Flugelbinden. Die Schwungfedern sind gesaumt. Die Schwanzfedern konnen gesaumt oder auch weib sein. Diese Tiere sind glattkopfig und glattfuUig.

Die MOYZINTUMMLER sind in den USA haufig ausgestellt worden. Sie stammen von alten polnischen Elstertummlern ab und zeigen etwa Form und GroUe unseres Elsterpurzlers, wobei lediglich die Zeichnung unterschiedlich ist. Die wohl ursprungliche Elsterzeichnung ist durch Vordringen der weiben Farbe zum Teil verschwunden. Diese Tauben sind uberwiegend weib, farbig nur Kopf, VorderU und Hinterhals. Diese mittelschnabligen Tiere sind glattkopfig und glattfubig.

POLNISCHE KALOTTE, rot (Foto Kaupschafer)

Die POLNISCHEN KALOTTEN (Krymka Polska; Abb. 485) sind verwandt mil den ubrigen Kalottentummlern, die bei uns und in den Niederlanden vorhanden sind. Die polnische Zuchtrichtung zeigt jedoch eine Korperform, die von derjenigen der genannten gleichgezeichneten Rassen abweicht, und ist mittelgrob sowie mittelhoch gestellt. Der Kopf ist rundlich, ein wenig gestreckt, mit runder Stirn. Eine federreiche Muschelhaube, die von Ohr zu Ohr reicht, umgibt den ganzen Hinterkopf. Es kommen aber auch glattkopfige Exemplare vor. Die Augen sind perlfarbig, die Augenrander leicht rotlich und zweireihig. Der Schnabel ist mittellang, gerade und hellhornfarbig, der Hals gut mittellang und dabei schlank. Die verhaltnismabig breite Brust wird etwas hervorstehend getragen. Rucken und Schwanz fallen in ununterbrochener Linie leicht nach hinten ab. Die Schwingen ruhen auf dem Schwanz. Die Laufe sind mittellang, glattfuUig oder belatscht. Reprasentiert wird eine normale Kalottenzeichnung mit farbigem Kopf und Schwanz. An Farbschlagen sind Rote. Schwarze, Gelbe, Schokoladenbraune und Blaue bekannt. Diese Rasse wird auch in Ungarn und England gezuchtet.

Die POLNISCHEN NONNCHEN (Zakonnik) gelten als eine der altesten Rassen. Sie sind mittelgrob, haben einen mittellangen Schnabel und stets eine Muschelhaube. Auf weiber Grundfarbe sind nur Kopf, Latz, Schwungfedern und Schwanz farbig. Polnische Nonnchen sind immer glattfuUig und haben dunkle Augen.

Die RYBITWATUMMLER (Jaskolka) stellen mittelgrobe, untersetzte Tauben mit dunklen Augen und Schnabel dar. Oben farbig und in der Unterpartie weib. verkorpern sie eine typische Kiebitzzeichnung mit weiber Brust, Bauch, Unterleib und Schenkelgefieder, sind dabei glattfuUig und glattkopfig.

Die POLNISCHEN GANSEL (Sercaty Lowowski oder Sercaty Krakowski; Abb. 486) wirken dem Komorner Tummler ahnlich, sind aber etwas kleiner. Ihr Kopf ist

POLNISCHER GANSEL, rot (Foto Scheide)

klein, der Schnabel kurz und dunn. Sie kommen mit oder ohne Haube vor und verfugen uber die ubliche Ganselzeichnung: Farbig sind Hals, Brust, Herz auf dem Oberrucken und Schwanz. Mit jeweils dunklen Augen sind Schwarze, Rote, Gelbe, Blaue und Silberfarbige gelaufig. Polnische Gansel, die in den Nachbarlandern gezuchtet werden, sind immer glattkopfig.

EINFARBIGER POLNISCHER TUMMLER, schwarz (Foto Wolters)

Die EINFARBIGEN POLNISCHEN TUMMLER (Masciuc; Abb. 487) sind kleine Tauben mit perlfarbigen Augen, deren Augenrander breit, zweireihig, glatt und von heller Farbe sind. Der Schnabel ist kurz, dick und hellhornfarbig mit Ausnahme des blauen Farbschlages, bei dem er dunkelhornfarbig ist. Der Kopf ist leicht kantig, glatt oder mit Muschelhaube versehen, der Hals mittellang, am Kopf dunn, zum Bauch hin allmahlich voller werdend, die Kehle gut ausgeschnitten. Die Brust soll breit sein und etwas hervortreten. Rucken und Schwanz fallen leicht nach hinten ab. Die Schwungfedern liegen etwas lose am Korper an, werden aber auf dem Schwan/. liegend getragen. Die Laufe sind kurz und unbefiedert. An Farbschlagen gibt es Einfarbige in Schwarz, Rot, Gelb, Blau mit schwarzen Binden, Blaufahl mit dunklen Binden, Rotfahl mit und auch ohne Binden. AuUerhalb Polens sind diese Tauben kaum bekannt. Die Reinweiben gelten als eigene Rasse und werden "Bieluch Krolewiecki" genannt. Sie prasentieren perlfarbige Augen mit fleischfarbigen Augenrandern. Auch ihr Schnabel ist kurz und fleischfarbig. Sie sind glattfuUig. wahrend ihr Kopf glatt oder mit Muschelhaube versehen sein kann.

Die KURZSCHNUBLIGEN POLNISCHEN WEISZSCHLAGTUMMLER entsprechen den Vorgenannten und kommen auch in den gleichen Farben vor. Bei ihnen sind lediglich die auUeren Schwungfedern der ersten Ordnung weib. Davon sollen vier bis sechs Handschwingen betroffen sein.

Die KURZSCHNUBLIGEN POLNISCHEN BUNTEN TUMMLER (Pstry) entsprechen in ihrer Form den Vorgenannten. Sie sind gescheckt, gesprenkelt oder gefleckt und kommen in allen Farben vor, auch wiederum glattkopfig oder mit Muschelhaube ausgestattet.

Die KURZSCHNUBLIGEN POLNISCHEN WEISSKOPFTUMMLER stimmen in der Korperform abermals mit den Vorgenannten uberein. Es handelt sich um einfarbige Tummler mit weibem Kopf, deren Schnabel kurz ist. In Polen werden sie "Oficer Polski" (Polnischer Offizier) genannt und sind in den Farben Rot und Gelb. seltener in Schwarz anzutreffen.

Die KURZSCHNUBLIGEN POLNISCHEN SCHILDTUMMLER tragen im Heimatland ebenfalls den Namen "Oficer Polski". Ihr weibes Flugelschild ist oft mit mehr oder weniger farbigen Federn durchsetzt, wie wir das von den Schildtigern her kennen. Weitere kurzschnablige Tummler aus Polen, die den bisher aufgefuhrten in der Korperform gleichen, sind weibe mit schwarzem Schwanz und schwarzen Flugelspitzen, die "Schmetterlinge" genannt werden, ferner Schwarze mit einigen kleinen Sprenkelfedern an Kopf sowie Hals, und sogar Erbsgelbe kommen vor.

Die LEMBERGER TUMMLER der gleichnamigen Stadt sind klein und kurzschnablig, der Kopf ist wurfelformig. Die Augen sind perlfarbig, die Augenrander breit, zweireihig, mit glatter Oberflache und von heller Farbe. Der Schnabel ist kurz, dick und hellhomfarbig, der Hals kurz und an der Basis dick, sich zum Kopf hin allmahlich verjungend. Die Kehle ist gut ausgeschnitten. Rucken und Schwanz fallen nach hinten ab. Die Schwingen liegen etwas lose am Korper an, werden aber auf den Schwanzseiten ruhend getragen, dessen Ende sie fast erreichen. Die Beine sind kurz und glattfuUig. Auf farbigem Grund sind nur Kopf und Hals gescheckt. gesprenkelt oder gefleckt, wobei dieser schwarz rot oder gelb sein kann. Sie heiUen in Polen "Szeka bwowskiego". Die "Szek Ciemny" weisen farbiges Grundgefieder mit am ganzen Korper unregelmabiger weiber Scheckung auf. Auch sie kommen in Schwarz, Rot und Gelb vor.

POLNISCHER KRONTUMMLER, schwarz (Foto Wolters)

Die POLNISCHEN KRONTUMMLER (Koroniarz Krakowski; Abh. 488) stellten fruher die bekannteste Rasse aus Polen dar. Paul Mahlich aus Gleiwitz, Verfasser eines deutschen Taubenbuches, berichtete, dab diese Rasse seit mehr als 200 Jahren bekannt sei. Ihr Hauptverbreitungsgebiet lag besonders in der Gegend von Krakau. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren sie in Berlin und Mitteldeutschland bekannt, verschwanden aber wahrend des Krieges. In ihrer Heimat werden sie nach wie vor gezuchtet und sind mit den ubrigen polnischen kurzschnabligen Tummlern verwandt. Diese Tauben zeigen eine kleine, zierliche Figur und sind recht lebhaft. Der Kopf ist klein, zierlich, abgerundet, mit einer mittelhohen, nicht zu steilen Stirn versehen. Auf dem Hinterkopf sitzt die breite Muschelhaube, hier "Krone" genannt. Diese umschliebt den ganzen Hinterkopf und stellt das wesentliche Merkmal der Rasse dar. Der Schnabel ist knapp mittellang, besser etwas kurzer, etwa 15 mm lang, an der Wurzel kraftig und bei allen Farbschlagen hellfleischfarbig. Die Augen zeigen eine schwarzbraune Iris. Der Hals soll nicht sehr voll sein und leicht nach hinten gebogen getragen werden. Die kraftige Brust tritt etwas hervor. Die Schwingen ruhen auf dem Schwanz, der mit dem Rucken eine nach hinten abfallende Linie bildet. Die Laufe sind mittellang und unbefiedert, die Krallen hell. Wichtig ist die Zeichnung: Auf farbigem Grund sind Kopfplatte und Schwingen erster Ordnung weib. Die Begrenzung der Kopfplatte verlauft von der Schnabelwurzel unterhalb der Augenrander bis zum Ansatz der Muschelhaube. Bei farbiger Haube kommen die Spielarten Schwarz, Rot, Gelb und Blau mit schwarzen Binden vor.

Die POLNISCHEN NEGERTUMMLER (Murzyn Krolewiecki) gehoren ebenfalls zur Familie der kurzschnabligen polnischen Tummler. Wie der Name schon vermuten labt, handelt es sich um einfarbig schwarze Tauben, die dabei tiefschwarz mit reichlichem Gefiederglanz sind. Klein, niedrig gestellt und mit hellen, reinen Perlaugen ausgestattet, entsprechen sie bis auf die Farbung vollig unseren Konigsberger Reinaugen. Der Kopf ist rund mit dicker, breiter, hoher und gewolbter Stirn, der Hinterkopf abfallend. In der Regel sind diese Tiere rundkappig, doch sind auch Glattkopfige vorhanden. Der Schnabel ist kurz, dick und hell, der Hals kurz und schlank, die Brust breit und gerundet. Der kurze Rucken soll an den Schultern moglichst breit sein. Die kurzen Flugel ruhen auf dem Schwanz. Diese Tauben sind glattfuUig.

Die GESTORCHTEN POLNISCHEN TUMMLER oder POLNISCHEN SECKTAUBEN (Szek Jasny oder Polski Szek) stellen eine ziergestorchte Rasse dar. die vom ziergestorchten kurzschnabligen Budapester Tummler abstammen. Es handelt sich um sehr kleine, untersetzte, gedrungene Tauben, wahrscheinlich eine deiUkleinsten Taubenrassen der Welt. Ihr Kopf ist klein mit markant hervorstehenden Hinterkopfknochen und einer Vertiefung in der Mitte des Kopfes. Die Stirn ist breit und hoch, der Schnabel sehr kurz und von schwarzer Farbe, zudem gerade angesetzt und stumpf. Die Augen sind hervortretend und perlmuttfarbig mit kleiner schwarzer Iris. Der Augenrand ist verhaltnismabig breit und schwarzgrau, der Hals mittellang und dunn, unter dem Schnabel gut ausgekehlt und im Genick leicht gewolbt, die abgerundete Brust breit und hervortretend. Der Rucken fallt leicht nach hinten ab und bildet mit dem Schwanz eine Linie. Die mittellangen Flugel erreichen das Ende des Schwanzes nicht ganz und werden auf diesem liegend getragen. Die Laufe sind kurz und unbefiedert. Das weibe Gefieder ist nur an den Enden der Schwungefedern grauschwarz, wahrend das Schwanzende allmahlich in grauschwarze Farbe ubergeht. Es kommen auch Schimmel, insbesondere Blauschimmel, vor.

POLNISCHER ORLIKUTUMMLER. weibschwanz blau (Foto Wolters)

Die POLNISCHEN ORLIKTUMMLER (Abb. 489) sind auch in Deutschland bekannt. Der Name "Orlik" (Adler) ist von ihrem Flugverhalten abgeleitet worden. Diese Rasse stammt aus SudwestruUland, namentlich aus Nikolajew, nordostlich von Odessa gelegen. In der Ukraine zuchtet man seit mehr als 180 Jahren diese Nikolajewer Tummler, die auch in Polen verbreitet waren. Um 1880 fand man bereits Tiere, die in abweichendem Stil flogen: Sie segelten am Himmel wie Greifvogel. Solche Tauben kamen gegen Ende des ersten Weltkrieges aus RuUland nach Polen. Es waren reine Nikolajewer Tummler. Polnische Zuchter versuchten. den Flugstil zu verbessern und kreuzten andere Tummler ein. Das Hauptzuchtgebiet lag in Lublin und Wilna. Es entwickelten sich zwei Typen, der Wilnaer und der Lubliner Typ. Es handelt sich um reine Hochflieger, die am besten bei gunstigen Aufwinden fliegen. Dann breiten sie ihren Schwanz zu einem vollen Halbkreis aus und segeln hoch oben in der Luft. Was den Aufstieg betrifft, so unterscheidet man den vertikal, den halbvertikal und den langsam aufsteigenden Typ. Der Flug der vertikal aufsteigenden Tiere ist am eindruckvollsten. Sie gewinnen gleichsam wie auf einer Leiter an Hohe und schlagen dabei die Flugel uber dem Kopf zusammen. Der Flug ist sehr abhangig vom Wetter und insbesondere von gunstigen Aufwinden. Diese Tauben sollen von Jugend an trainiert werden und durfen nie mit anderen Tauben zusammen fliegen. Interessant ist folgende Angewohnheit der polnischen Zuchter: Man nimmt ein altes TeerfaU, fullt es mit Wasser und stellt es auf dem Hof. Darin spiegeln sich die fliegenden Tauben. Die Zuchter finden es bequemer fur ihre Augen und ihren Hals, die Tauben auf diese Weise zu beobachten, als wenn sie standig in den Himmel sehen mubten. AuUerdem gilt die Faustregel, ein guter Orlik musse in einem so engen Bereich aufsteigen, dab sein Spiegelbild zu jeder Zeit im TeerfaU sichtbar bleibt. Beim Flug, sagt man in Polen, sehe ein Schwarm Orliks wie eine Schar Korken auf bewegtem Wasser aus, weil sie genauso wie diese hin und her, auf und ab segeln.
Das Wichtigste an einem guten Orlik ist der 12U16 Steuerfedern umfassende Schwanz. Die Steuerfedern sind sehr breit, ihr Ende breit und kaum abgerundet. Die Burzeldruse fehlt oder ist verkummert. Der Kopf ist rund, die Augen perlfarbig, wobei reinweibe Tire dunkle Iriden haben durfen. Die Farbung des mittellangen Schnabels richtet sich nach derjenigen des Gefieders, ist in der Regel aber dunkel. Der Hals ist kurz und dick, der Rucken flach, breit an den Schultern und fallt zum Schwanz hin leicht ab. Die langen und breiten Flugel ruhen meist auf dem Schwanz oder hangen leicht daneben. Die Beine sind kurz, Laufe und Zehen unbefiedert. Das reichlich ausgebildete Gefieder ist oft etwas locker strukturiert. Alle Farbschlage sind zugelassen, denn die Farbung spielt keine Rolle. Einfarbige Tiere mit weibem Schwanz sind in der Uberzahl. Die Steuerfedern werden haufig von sogenannten Rahmenfedern eingefaUt. Diese Tauben sind sehr vertraglich und, was ihre LautauUerungen betrifft, sehr ruhig. Man kann sie in kleinen Schwarmen, aber auch einzeln zum Flug auflassen. Haufig werden zwei oder drei Tiere aufgelassen. Wichtig ist allein ihr segelnder Flugstil.
Der Lubliner Typ stellt eher eine FlugU als eine Ausstellungstaube dar, tragt die Fluge] auf dem Schwanz, ist deutlich gedrungener und nicht so lang in der Figur. Obwohl er, wie erwahnt, in allen Farbvariationen vorkommt, auch farbig mit weibem Schwanz und farbigen Rahmenfedern an den Schwanzseiten, erkennt der polnische Standard nur Farbige mit weibem Schwanz und farbigen Rahmenfedern fur Ausstellungen an. Der Wilnaer Typ tragt die Schwingen neben bis unter dem Schwanz. Rote haben in der Regel helle Schwingen, oft mit farbigem Saum. Die Wilnaer gelten als Ausstellungstyp und sind nach dem polnischen Standard nur weibschwanzig, moglichst mit farbigen Rahmenfedern, anerkannt. Beide Typen werden inzwischen auch in Deutschland gezuchtet.

Die KELOINATUMMLER wurden angeblich ab 1923 in Sosnowice bei Kattowitz von vier Zuchtern hervorgebracht. Einer dieser Erzuchter mit Namen Anioiek gab der Rasse ihren Namen, indem er seinen Namen umdrehte. Zugleich bedeutet dieser "Engel". Zur Herauszuchtung der Keloinatummler wurden Orliktummler mit weibem Schwanz sowie gewohnliche polnische Hochflieger und nach Polen eingefuhrte "Zamojksi", die angeblich aus Persien stammen, verwendet. Die Keloinatummler zeigen einen ahnlichen Flugstil wie Orlik und Nikolajewer Tummler und fliegen bei gutem Wetter oft in Oberluft, wobei sie mit ausgebreiteten Schwingen segeln. Es handelt sich um mittelgrobe Tauben mit kecker Haltung. Der immer glatte Kopf verfugt uber mittelhohe Stirn mit Platte. Der Schnabel ist gut mittellang und dunn. Die Augen sind perlfarbig, dabei etwas geadert: nur Reinweibe zeigen dunkle Iriden. Der Hals ist gekehlt und nicht zu lang, die Brust nicht sehr breit, aber gut gerundet. Auch der Rucken ist eher schmal und fallt zum Schwanz hin nur leicht ab. Die Flugel sollen moglichst neben dem Schwanz getragen werden, der leicht angehoben wird, fest geschlossen ist und aus 14 Steuerfedern bestehen soll. Die Beine sind mittellang, Laufe und Zehen unbefiedert. An Farbschlagen kennt man Schwarze. Rote und Fahle, alle mit weibem Schwanz oder zumindest weiben Steuerfedern in der Mitte des Schwanzes und farbigen Ortfedern, ferner Reinweibe und Bunte. Keloinatummler werden in Norddeutschland gern zum Flugtaubensport verwendet. Es existiert auch eine Zuchtrichtung, die beim Flug purzelt.

LODSCHER TUMMLER, rot (Foto Wolters)

POLNISCHER TUPATITUMMLER. blaufahl (Foto Wolters)

Die LODSCHER TUMMLER (Abb. 490) sind eine sehr alte Rasse, die fruher aber kaum ausgestellt worden ist. Als ihre Heimat gilt die Stadt Lodz. Die Lodscher Tummler sind gleicher Herkunft wie die weibkopfigen und kurzschnabligen Tummler OstpreuUens. Korperform und Zeichnung entsprechen dem Gumbinner weibkopf. Sie fliegen in einem eigenartigen, Uwie abgehackt wirkenden Stil, andern blitzschnell ihre Flugrichtung und fliegen plotzlich in entgegengesetzter Richtung weiter. AuUerdem versuchen sie zu purzeln, ohne sich ganz nach hinten uberzuwerfen. Es sind "Schwanzreiter", wie die OstpreuUen sagen. Vor etlichen Jahren wurden Lodscher Tummler nach Deutschland eingefuhrt, hierzulande dem Gumbinner weibkopf angeglichen und als federfuUiger Gumbinner anerkannt. Sie sind schon haufig in Deutschland ausgestellt worden (siehe Abb. 386).

Die KRAKAUER FLUGTUMMLER sind vor einigen Jahren bei polnischen Emigranten in Lothringen wiederentdeckt worden. Es wird berichtet dab diese Tauben in gleicher Korperform schon von Vatern und GroUvatern der heutigen Zuchter gehalten worden seien. Diese Tiere sind kleine, mittelschnabli^e Flugtummler, die den Budapester Kurzen nahestehen. Sie sind immer glattkopfig und UfuUig, zeigen perlfarbige Augen und zarte, dunkle Augenrander, stehen niedrig und konnen in allen Farbvarianten vorkommen. Sehr haufig sind Schimmel. Als Flu"Utauben werden sie in Lothringen noch gern gezuchtet.

POLNISCHER STALUCHTUMMLER, blau (Foto Wollers)

Auch die POLNISCHEN STALUCHTUMMLER oder POLNISCHEN BLAUEN TUMMLER (Polski Szek; Abb. 491) sind den Budapester Kurzen ahnlich. Sie sollen dem Polnischen Gestorchten Tummler entsprechen und werden nach der gleichen Beschreibung bewertet. Die Gefiederfarbe ist blau, Kopf, Hals, Schwingen und Schwanzende dabei dunkelblau. Die Flugel sind blau mit schwarzen Binden. Die Augen sind perlfarbig, der Augenrand grau und breit, der Schnabel kurz und von schwarzer Farbe. Die Schwingen ruhen auf dem Schwanz, der mit dem Rucken eine leicht nach hinten abfallende Linie bildet. Laufe und FuUe sind unbefiedert. Sie stellen gute Hochflieger dar und besitzen ein lebhaftes Temperament.

Die LOWITSCHER ROLLER verkorpern die polnische Variante der Smyrnaer Roller und sind diesen somit sehr ahnlich, auch mit breitem, erhobenem Schwanz versehen.

Die POLNISCHEN TUPATITUMMLER (Abb. 492) sind kleine kurzschnablige und zitterhalsige Tauben, dem Berliner Kurzen Tummler ahnlich. Die Schwingen tragen sie auf dem Schwanz und kommen einfarbig, gestorcht und kranzhalsig vor.