31. SPANISCHE TUMMLER

In Spanien existieren relativ wenige Tummlerrassen, diese aber in sehr vielen Farbschlagen und Zeichnungen, z. B. die KATALONISCHEN TUMMLER. Diese Tauben heiUen in Spanien "Volteadora Catalana" und in Katalonien "Colum de Vol Catala". Die knapp mittelgroben Tiere wiegen etwa 230 bis 315 g. Der glatte Kopf zeigt einen flachgerundeten Schadel, der von der Stirn gut abgesetzt ist. Die Augen sind perltarbig, aber Tiere mit weibem Kopfgefieder haben oft dunkle Iriden. Der mittellange Schnabel richtet sich in seiner Tonung nach der Gefiederfarbe. Der Hals ist mittellang, die Kehle gut ausgeschnitten. Die Schwingen ruhen auf dem Schwanz. Die Beine sind mittellang, Laufe und Zehen unbefiedert. Es gibt Tauben mit normalem Gefieder und solche mit einer kleinen Halskrause, einem Movchenjabot. Die Katalonischen Tummler variieren in etliche Farben und Zeichnungen - nach B. Brage, Madrid, exakt 318 verschiedene! Uns sind folgende inzwischen bekanntgeworden:

EINFARBIGE (Enter) in allen Farben, wozu auch Almondfarbige, Fahle sowie Bindige gerechnet werden.

KATALONISCHER TUMMLER. Weibschwanz schwarz (Foto Wolters)

WEISZSCHWUNZE (Coliblanca; Abb. 590) einschlieUlich Decke und Keil in Rot. Gelb, Tiefgoldgelb, Dunkelbronzefarbig, Perlgrau, Mausgrau, Schwarz, Blau. Almondfarbig, Stipperfarbig, Silberfarbig, Geschuppt (Grundfarbe wie Bronze, auf den Flugelschildern blaulich und rotlich verschwommen geschuppt), Geschuppt mit schiefergrauer Grundfarbe (Federn silbrig auslaufend), Geschuppt in Rotlich und Gelb (mit hell auslaufenden Federn), Blaugeschuppt mit blauUweibgeschupptem Flugelschild (ahnlich wie die ViktoriaU Farbentaube) und zahlreiche weitere Zwischenfarben. weibschwanze kommen auch zusatzlich mit weiben Flugelbinden vor.

WEISSKAPPIGE (Cap de Frare: Abb. 591) mit farbiger Grundfarbe und lediglich weiber Kopfplatte. Die Grundfarbe beginnt unmittelbar unter der Schnabelwurzel und verlauft unterhalb der Augen zum Hinterkopf. Die Augen der weibplattigen, die in allen Farben und Zwischenfarben gelaufig sind. zeigen sich dunkel.

KATALONISCHER TUMMLER. weibplatten dunkelbronzefarbig (Foto Wolters)

WEISSKOPFE (Cap Bianca) entsprechen den Vorgenannten bis auf den ganzlich weiben Kopf und variieren ebenfalls in allen Farben und Zwischenfarben. Auch ihre Iriden sind dunkel.

WEISSBUUCHE (Pancha Bianca) sind wiederum einfarbig und weib nur Bauch. Unterleib bis zum Schwanzansatz und Schenkel. Auch sie existieren in allen Farbversionen ebenso wie die WEISZSCHLUGE (Aliblanca).

WEISZSCHLAGUWEISZSCHWUNZE (Monjis) prasentieren weibe Schwungfedern und weiben Schwanz einschlieUlich Decke und Keil, dies wiederum in allen farblichen Variationen.

GEELSTERTE (Biu, spanisch: Pios) gibt es in Schwarz, Rot, Gelb und Blau, wobei der Unterrucken weib oder farbig sein kann.

GEFLECKTE (Garca) weisen farbigen Kopf und Schwungfedern sowie weiben Schwanz auf. Das ubrige farbige Gefieder ist mit weiben Federn durchsetzt und in allen denkbaren Farbvariationen ublich.

GESCHUPPTE (Indianat): Grundfarbe blaulich bis perlgrau, dabei Flugelschild dunkler als die Grundfarbe geschuppt, aber keine Hammerung darstellend. Ferner sind oft noch rotliche oder gelbliche Binden vertreten.

GOLDHALSIGE (Coll Dorat) sind in Farbe und Zeichnung den Gimpeltauben ahnlich: Kopf, Hals und Bauch goldgelb, das ubrige Gefieder schwarz mit grunlichem Metallglanz, mit farbigem und auch mit weibem Schwanz vorkommend, mit oder ohne weibe Schwungfedern und als weibschlagUweibschwanze.

KUPFERHALSIGE (Coll d'Aram) entsprechen weitgehend den Vorgenannten, jedoch sind Kopf, Hals und Brust kupferfarbig, das ubrige Gefieder schwarz mit Metallglanz. Auch sie kommen als weibschwanze. weibschlage und weibschlagUweibschwanze vor.

GOLDHALSIGUBLAUE (Blau Coll Dorat): wie die Goldhalsigen, aber Flugel und Schwanz blau mit schwarzen Binden. Auch als weibschwanze, weibschlage und weibschlagU weibschwanze bekannt.

KUPFERHALSIGUBLAUE (Blau Coll d'Aram): wie Vorgenannte, jedoch Kopf, Hals und Brust kupferfarbig.

DREIFARBIGE (Manto): Grundfarbe schwarz, grau oder blau, Schwanz weib, Flugelschild rotU oder gelbgeschuppt. Die Schwungfedern zeigen mitunter helle Spiegel.

KATALONISCHER TUMMLER, Farbschwingig schwarz (Foto Wolters)

KATALONISCHER TUMMLER. Nonnchen schwarz (Foto Wolters)

KATALONISCHE NONNEN (Girat, spanisch: Monjin GindoU,Abb. 592): Grundfarbe weib; Kopf, Latz, Schwingen erster Ordnung und Schwanz farbig.

FARBKOPFE (Cap): weibe Grundfarbe, farbiger Kopf, in allen Farben bekannt.

FARBKOPFE, GESCHWUNZT (CapUlUCua), zeigen weibe Grundfarbe, farbigen Kopf sowie Schwanz und sind in allen Farbvariationen gelaufig.

FARBKOPFE, SCHWINGIG (CapUlUAla): weibe Grundfarbe, farbiger Kopf und Schwingen erster Ordnung. Farbenkopfe sollen keinen farbigen Latz aufweisen. dennoch ist es moglich, dab es die genannten Zeichnungsformen auch mit farbigem Kopf und Latz gibt. Es existieren wiederum alle moglichen Farben.

FARBSCHWANZE (Cua), abermals in allen Farben vorkommend, zeigen bei weiber Grundfarbe nur farbigen Schwanz mit Decke und Keil.

FARBSCHWUNZE, SCHWINGIG (CuaUlUAles): Grundfarbe weib, Schwanz mit Decke und Keil sowie Schwungfedern erster Ordnung farbig.

FARBSCHWINGIGE (Ales; Abb. 593): Grundfarbe weib, Schwungfedern der ersten Ordnung farbig.

KATALONISCHE KALOTTEN (Chapat): Grundfarbe ist weib, und nur die Kopfplatte erweist sich als farbig. Die Begrenzungslinie verlauft vom Schnabelwinkel unterhalb der Augen bis zum Hinterkopf. Einmal mehr kommen alle Farbversionen vor.

SPANISCHE KALOTTEN (Abb. 594) (Chapat de CaUlUCua) entsprechen den Vorgenannten, nur ist auch ihr Schwanz farbig.

ANDALUSISCHE KALOTTEN (Chapat de CapUiUAles) prasentieren bei weitgehender Ubereinstimmung mit den Vorgenannten auUer der Kopfplatte auch die Schwungfedern der ersten Ordnung farbig, wahrend der Schwanz weib ist.

KATALONISCHE MONCHE (Chapat de Girat) sind sozusagen "verkehrte Monche": Was bei den Monchtauben weib sein soll, ist hier farbig, also sind ihnen weibe Grundfarbe, farbige Kopfplatte, Schwungfedern der ersten Ordnung und Schwanz eigen.

KATALONISCHE BRUSTER (Pitrera) verfugen bei weiber Grundfarbe uber farbigen Kopf, Hals und Brust.

SPANISCHE KALOTTE. Kalotte rot (Foto Wolters)

GETIGERTE (Refilador): Grundfarbe weib, Kopf und Schwungfedern farbig, ubriges Gefieder durchsetzt mit farbigen Federn, Schwanz, weib oder farbig.

SCHILDIGE (Cor): Grundfarbe weib, Flugelschild farbig, die Augen meist dunkel. Alle Zeichnungen existieren in allen HauptU und Nebenfarben, besonders haufig in Schwarz, Dun, Blau, Rot, Gelb. Silber, BronzeU und Kupferfarbig. Die KataloniUschen Tummler fliegen in fest geschlossenen Schwarmen ziemlich hoch. wobei sie nicht in engen Kreisen agieren, sondern langere Geradeausfluge einlegen, schlieUlich wenden und zuruckkommen. Diese Flugweise war den Mitteldeutschen Tummlern fruher auch eigen. Katalonische Tummler sind in Spanien weit verbreitet. Sogar im Zoo von Barcelona sind einige Volieren mit den seltensten Varianten wie /. B. Farbschwingige besetzt.

Die KATALONISCHEN ZUAVOTUMMLER (katalanisch "Zuau". spanisch ..Zuavo") gehoren zur Familie der Katalonischen Tummler und unterscheiden sind in der Korperform nicht von diesen, sollen nur noch viel kleiner und leichter sein sowie nur 160 bis 170 g wiegen. Am interessantesten ist ihr Farbbild, eine Art Silberschuppenzeichnung: Kopf und Schwanz konnen weib oder schwarz sein. DILUSchwungfedern sind schwarz und zeigen Spiegelzeichnung. Das ubrige Gefieder isi schwarz, aber die Spitzen der Federn laufen silberfarbig aus. so dab das Gefieder silbergrau erscheint, und da die auUeren Spitzen der Federn wieder ein schwar/ci Fleck ziert, entsteht eine Art Schuppung. Man zuchtet diese Tauben auch mit weibes Halbmond auf der Oberbrust. Wie alle Katalonisehen Tummler werden sie mit oder ohne Movchenjabot gezuchtet.

Die KLEINEN KATALONISCHEN TUMMLER (spanisch ..Paloma de Vuel>' Cabeza") entsprechen ebenfalls weitgehend den Katalonisehen Tummlern, nur sollen sie kleiner und leichter sein und etwa 170 bis 230 g wiegen. Auch sie siiul glattkopfig und glattfuUig. Die Augen sind perlfarbig, der Schnabel mittellang. DieU,L Tauben weisen stets ein Movchenjabot auf und sollen um 1900 durch Kreuzungen von Katalonisehen Tummlern mit ValenciaUFiguritaUMovchen entstanden sein. 1U.^ handelt sieh um gute Fluglauben. die nur einfarbig oder weibschwanzig. jedoch in allen Farbversionen vorkommen.

Die SPANISCHEN NONNCHEN (Monjita quirady) sind klein sowie etwas schlau ker und eleganter als die Katalonisehen Tummler. Sie stimmen in der Zeichnung mii unseren Nonnchen uberein, sind immer glattfuUig sowie glattkopfig und kommen in allen Hauptfarben vor.

Die SPANISCHEN WEISSKOPF-WEISZSCHLAG-WEISZSCHWANZUTUMMULER sind ebenfalls kleiner und eleganter als Katalonische Tummler, von denen si^ abstammen. Auch sie sind glattkopfig und glattfuUig.

Die VALENCIATUMMLER entstanden durch Kreuzungen von Katalonisehen Tummlern mit Brieftauben und haben, wie spanische Zuchter sagen, ..vier Teilc Tummlerblut und ein Teil Brieftaubenblut in ihren Adern". In ihrer Korperforni gleichen sie den Katalonischen Tummlern, sind nur etwas grober und schwerer. Man erkennt sie vor allem an den Augen, die keine reinen Perlaugen, sondern eher orangefarbige Iriden darstellen, und an den starkeren Schnabelwarzen. An Farbschlagen und Zeichnungen konnen alle die bei den Katalonisehen Tummlern aufgezahlten auftreten. Arn haufigsten kommt jedoch Geelstert vor. Diese Rasse zeigt nie eine Halskrause.

Die SPANISCHEN WEISSPLATTENTUMMLER (Frailecillo) gelten als sehr selten. Diese Tauben sollen um 1830 in Andalusien aus Kreuzungen von Katalonisehen Tummlern mit Peruckentauben entstanden sein. Eine Federstruktur nach Art der Peruckentauben oder eine Haube deuten darauf aber nicht mehr hin, denn diese Rasse ist glattfuUig und glattkopfig. Sie ist fast identisch mit den Katalonisehen weibplattentummler, prasentiert auch die gleiche Zeichnung, ist aber schwerer (310U340 g), und Schwingen sowie Schwanz sind wesentlich langer. Der Kopf ist rund. die Augen dunkel und der Schnabel mitteliang. Die Schwingen werden auf dem Schwanz liegend getragen. Man kennt nur eine Zeichnung: farbiges Grundgefieder. Kopfplatte. Schwingen und Schwanz weib. dabei in allen Farbvariationen existent.

Die SPANISCHEN MONCHTUMMLER (Monjin), eine alte Rasse, wurden schon 1799 von Cavanilles beschrieben und gelten als gute Hochflieger. Sie sind mittelgrob. haben einen runden Kopf ohne Haube, einen mittellangen Schnabel und dunkle Augen. Die Schwingen ruhen auf dem Schwanz, der mit dem Rucken eine abfallende Linie bildet. Die Beine sind mittellang, Laufe und Zehen unbefiedert. Bei farbigem Grundgefieder sind Kopf mit einem kleinen Latz, Schwungfedern und Unterleib weib. Sie variieren in Schwarz (Monjin de negro), Rot (Monjin de rojo), BlauUgehammert (Monjin de goteado) und Blau mit schwarzen Binden (Monjin de azul). AuUerdem ist von den offensichtlichen Raritaten Dun, Gelb, Silberfarbig, Bronzefarbige. Rotfahl und Gelbfahl die Rede.

ALITUMMLER. Parbschwingis schwarz (Foto Brage)

Die spanischen ALITUMMLER (Abb. 595) wurden 1799 von Cavanilles beschrieben. Diese Tauben sind mittelgrob, ihr Kopf ist oval und die Stirn ziemlich breit, der Hals kurz und kraftig, der Schnabel mittellang. Es kommen sowohl Perlaugen als auch dunkle Iriden vor. Der Augenrand ist breit und rot. Bei den Alitummlern ist eine Linie an der Brust frei von Federn, die von seitlich wachsenden Federn vollstandig verdeckt wird, so dab man die nackte Haut nicht sieht. Die seitlich dieser Linie wachsenden Federn stehen etwas vom Korper ab. Weisen die Tauben eine deutlich sichtbare nackte Linie am Hals auf, werden sie "Punalada" genannt und gelten als andere Rasse. Alitummler tragen die Schwungfedern auf dem Schwanz. Die Beine sind mittellang, Laufe und Zehen unbefiedert. An Farbschlage und Zeichnungen sind Reinweibe, weibe mit schwarzen Schwungfedern (Alinegro), weibe mit roten Schwungfedern (Alirog), weibe mit blauen Schwungfedern (Aliblau) und weibe mit braunen oder dunfarbigen Schwungfedern (Alienat) zu differenzieren. Ferner zuchtet man diese auch mit zusatzlicher farbiger Stirnschnippe oder auch mit farbigem Schwanz. Zudem existieren Schwarze mit weiben Schwingen (Aliblanca de negro). Reinschwarze und andere Farbige mit weiben Schwungfedern wie auch weibschwanzige und seltener weibschlagUweibschwanze. Diese Tauben gelten als gute Flugtummler, werden wegen ihrer Seltenheit aber kaum noch zum Flug verwendet.

SPANISCHER ERDBEERAUChN TUMMLER, rot (Foto Wolters)

Die SPANISCHEN ERDBEERAUGEN-TUMMLER (Ojo de Fresa: Abb. 596) kommen den soeben beschriebenen Alitummlern nahe und bilden mit diesen eine Familie spanischer Tummler mit starkem Indianereinschlag. Sie reprasentieren eine alte spanische Rasse und sind seit dem 8. Jahrhundert bekannt. Einige Exemplare weisen schwache Halskrause auf. Auch diese Tauben gelten als gute Hochflieger. was man bei Tieren mit so starkem Indianereinschlag gar nicht vermuten wurde. Die Augen sind bei farbigen Tieren hell perlfarbig, bei weiben jedoch meist dunkel. Die Augenringe fallen indianerartig aus, also fur Tummler sehr breit, und reichen fast bis zur Schnabelwurzel sowie bis zum Schadeldach hinauf, sind dabei feuerrot. Der Schnabel ist mittellang, die Nasenwarzen weiblich hell und nicht ubermabig stark entwickelt. In der Korperform entsprechen sie den Alitummlern, ihr Korpergewicht betragt 285U340 g. GlattfuUige, behoste oder auch bestrumpfte Exemplare sind gelaufig, die sich ebenso variabel glattkopfig als auch kappig zeigen. Einfarbige existieren in allen Farbversionen, vor allem schwarz und weib, ferner Farbige mit weiben Schwungfedern und weibe mit farbigen Schwungfedern sowie farbig mit kleinem weiben Bartchen. Diese Taube gilt heute als sehr selten.

SPANISCHER PUNALADATUMMLER, Farbschwingig schwarz (Foto Brage)

Die SPANISCHEN PUNALADATUMMLER (Abb. 597) stellen eine sehr alte Rasse dar und gleichen in ihrem UuUeren bis auf den teilweise nackten Hals den spanischen Alitummlern, von denen sie auch abstammen. Es sind kleine Tauben mit breitem, etwas ovalem Kopf ohne Haube, verfugen uber einen kurzen, kraftigen Hals sowie kurzen Schnabel. Die Augen sind hell perlfarbig erwunscht, bei den weiben aber in der Regel dunkel und von einem mittelgroben, roten Augenrand umgeben. Die Schwingen ruhen auf dem Schwanz. Die Beine sind mittellang, Laufe und Zehen unbefiedert. Wesentliches Merkmal dieser Taube ist ihre nackte Stelle von tiefroter Farbung am Vorderhals, die von Beginn der Kehle bis zur Brust reicht. Davon leitet sich auch der Name ab, denn "Punalada" bedeutet "Dolchstich", "Dolchstob" bzw. "von einem Dolch gestochen".
Vorwiegend weib oder weib mit farbigen Schwungfedern, Stirnschnippe oder Schwanz gezuchtet, galten sie schon als ausgestorben, sind inzwischen aber wieder auch in Deutschland vorhanden.

Die NACKTHALSIGEN ERDBEERAUGENUTUMMLER sind sehr nahe verwandt mit den soeben beschriebenen Punaladatummlern und stellen die teilweise nackthalsige Abart der spanischen ErdbeeraugenUTummler dar. Auch sie reprasentieren eine alte spanische Rasse, die in ihrer Heimat schon seit dem 8. Jahrhundert bekannt ist. Spater galten sie lange Zeit als ausgestorben, und erst in den letzten Jahren gelang es, sie wiederzuerzuchten. Eigentlich und genauso wie die Punaladatummler Hochflieger, werden sie wegen ihrer Seltenheit aber nur noch als Ausstellungstauben gezuchtet. Bei dieser Rasse ist ein starker Indianereinschia" festzustellen. Die Augen sollen wiederum perlfarbig sein, und da es fast nur farbi"e Tiere gibt, sind sie es auch. Die Augenringe sind indianerahnlich, also fur TummleiUsehr grob und feuerrot, daher die Bezeichnung "Erdbeerauge". Diese kreisrunden Augenringe reichen fast vom Schnabelwinkel bis zum Schadeldach. Der Schnabel ist hell, kurz und dick. Die Nasenwarzen sind weiblich bis hellrosa und nicht ubermabig stark entwickelt, die Laufe mittellang, glattfuUig, behost oder bestrumpft. Ebenso gibt es sowohl glattkopfige als auch kappige Tiere. Federlos ist wiederum eine feuerrote Linie von Beginn der Kehle bis zur Brust. Diese Tauben kommen einfarbig in allen Spielarten vor, auch farbig mit kleinem weiben Latz und auch mit weiben Schwungfedern. weibe oder uberwiegend weibe gelten als Seltenheit.

Auch die SPANISCHEN NACKTHALSTUMMLER (Abb. 598) galten als ausgestorben und wurden erst 1956 von R. Brage in Madrid wiederentdeckt. Erstmalig wurde diese Rasse von Llorent (1910) als "Tauben aus der Berberei mit dem nackten Hals" beschrieben. Man ist der Ansicht, dab sie von den Mauren nach Spanien gebracht worden sind. Sie gleichen aber bis auf den nackten Hals den Katalonischen Tummlern.
Spanische Nackthalstummler sind klein, ihr Kopf rund und ohne Haube. Die Augen sind perlfarbig, der Schnabel mittellang. Die Schwingen werden auf dem Schwan/ liegend getragen. Am unteren Teil des Halses, wo die nackte Stelle endet, wachst das weibe Untergefieder ringsherum und bildet so einen weiben Kranz oder Kragen, der den Hals vollstandig umgibt.
Im Augenblick sind nur gelbe und rote Tiere vorhanden, dabei einfarbig oder auch mit weibem Schwanz. Der spanische Name der Rasse lautet "Paloma de Berberia" oder "Cuello Pelado".

Die REFILADOR (Abb. 599) sollen nach Brage schon 1613 beschreiben worden sein. Nach dieser Darstellung kamen ihre Vorfahren aus Algerien. Diese Tauben gelten als sehr gute Roller und sind knapp mittelgrob. Der Kopf ist langlichrund und

REFILADOR, weib (Foto Wolters)

entweder glatt oder mit Haube versehen. Die Augen sind weib mit sehr kleiner tiefschwarzer Pupille, umgeben von einem feuerroten, nicht sehr breiten Augenrand. Der Schnabel ist sehr lang und rotlich. Die Schwingen ruhen auf dem Schwanz. Die Beine sind mittellang, Laufe und Zehen unbefiedert. Refilador werden einfarbig in weib, Schwarz, Dun, Rot, Gelb, Blau mit schwarzen Flugelbinden sowie gescheckt, getigert und almondfarbig gezuchtet.

SPANISCHER NACKTHALSUTUMMLER, rot (Foto Wolters)

MALLORCAROLLER, schwarzweibschwingig (Foto Wolters)

Die MALLORCAROLLER (Volteadora Mallorquina Esbart, auf Mallorca "Colom Esbart", Abb. 600) sind wiederum keine reinblutigen Roller, denn sie entstanden durch Kreuzung von Escampadissarollern mit ValenciaUFiguritaUTauben und gewohnlichen spanischen Tummlern. Die Tauben stellen auch keine EinzelU oder Soloflieger wie die meisten anderen Roller dar, sondern fliegen in Schwarmen. Diese Tiere sind nicht allzu grob und schwer, wiegen etwa 260 bis 300 g. Je kleiner sie sind, desto besser.
Der Kopf ist rund und immer ohne Haube, die Augen hellperifarbig bei farbigen und dunkel bei weiben Tieren. Der Schnabel ist knapp mittellang, der Hals lan" und dunn. Die Schwungfedern werden hangend getragen. Der Schwanz besteht aus 14 bis 18 Steuerfedern. Sie kommen einfarbig in allen Variationen vor, auch reinweib ferner mit weiben Schwungfedern (Abb. 600), mit weibem Schwanz und weiben Schwungfedern sowie nur mit weibem Schwanz, schlieUlich kennt man auch Almondfarbige und sogar Geelsterte wie auch weibe mit farbigem Schwanz.

ESCAMPADISSAROLLER. blau mit Binden (Foto Wolters)

Die ESCAMPADISSAROLLER (Abb. 601) sind in ihrer Heimat sehr beliebt. Ihr Kopf ist abgerundet und stets ohne Haube, der Schnabel mittellang und verhaltnismabig dunn, der Hals mittellang und schlank. Der erhobene Schwanz besteht aus mehr als 14 Steuerfedern. Die Beine sind mittellang, Laufe und FuUe unbefiedert. Diese Tauben sind besonders darauf abgerichtet, Greifvogel zu necken. Das "Training" besteht im wesentlichen wohl in einer entsprechenden Zuchtauslese, und die Jungtiere lernen das uberlebenswichtige Verhalten von den Alttieren. Tiere, die nicht schnell genug lernen, schlagt der Greifvogel, was aber kaum vorkommen soll. Diese Tauben fliegen einzeln, nicht im Schwarm. Attackiert sie ein Greifvgel, so weichen sie diesem geschickt aus, werfen sich im letzten Augenblick nach hinten herum und steigen hoher auf. Sie fluchten aber nie vor dem Greifvogel, sondern umfliegen ihn bzw. purzeln um ihn herum und es sieht so aus, als ob sie mit ihm spielen wurden. Dieser ansonsten seltene Taubensport ist besonders auf den Balearen sehr beliebt. Escampadissaroller werden einfarbig in allen Spielarten gezuchtet. Ferner sind auch weibschwanze, weibschlage, weibschlagUweibschwanze, weibe mit farbigen Schwungfedern und auch farbigem Schwanz, Farbige mit weibem Bartchen, Gesprenkelte, Gescheckte, Getigerte, weibschildige, Schildtiger und Almondfarbige aufzuzahlen.