PAARUNG, BRUT UND AUFZUCHT

Der ernsthafte Zuchter fuhrt gewissenhaft ein Zuchtbuch. In diesem sind die Herkunft des Einzeltieres, Geburtstag, Bundesringnummer, evtl. Ausstellungserfolge und andere wichtige Angaben uber individuelle Eigenschaften vermerkt. Festzuhalten waren beispielsweise auch tiefe Latzzeichnung oder die Anzahl der weiben Schwingen bei schildigen Farbschlagen, farbige Daumenfedern sowie sonstige auffallende Merkmale.
Nach diesen Aufzeichnungen wird der Zuchter unter Berucksichtigung seiner zuchterischen Absichten die Zuchtpaare zusammenstellen. Sozusagen "auf dem Papier" geschieht das Anpaaren schon lange zuvor, meistens wahrend der Winterabende. Weiter vorn haben wir uns beim Bau fur geraumige Nistzellen entschieden und diese fur Paarungszwecke mit einer leicht zu entfernenden Trennwand auszustatten. Dort werden nunmehr jene Paare zusammenfinden, die nach unserem Willen fur die Nachzucht sorgen sollen.
Zunachst ware der Zeitpunkt des Anpaarens festzulegen. Die Frage danach beantwortet sich zielsicher von selbst, weil jeder Zuchter weib, welche Zeitspanne seine Rasse benotigt, um bis zum ersten Schautermin "fertig" zu werden, d. h. wann die Entwicklungsphase nach dem Schlupf bis zur vollen Reife abgeschlossen ist und sich die Tiere quasi in voller Blute befinden. Die Ringverteilerstellen der Landesverbande geben die Bundesringe (BR) erst nach Neujahr ab. Ein Aufziehen des Ringes ist also nicht zeitiger moglich. Benotigen Rassen also acht bis neun Monate bis zur vollen Entwicklung, und die Junggeflugelschauen ausgangs September, anfangs Oktober sollen beschickt werden, kann mit dem Anpaaren im Laufe des Januars begonnen werden.
Immerhin schlupfen die Jungen der ersten beiden Bruten noch wahrend der Wintermonate. Also heiUt es, die Zucht mit allergrobter Aufmerksamkeit zu betreuen. Beteiligt sich der Zuchter aber an fest terminierten Wettbewerben, wird er moglichst viele gute Ausstellungstauben ausbruten lassen wollen, um sich so eine gute Ausgangsposition fur das Konkurrieren zu sichern. Im Zuchtschlag befinden sich mittlerweile nur noch so viele Tauber, wie Nistzellen vorhanden sind. Diese Parzellen werden drei bis vier Wochen vor dem AnpaarungsUtermin geoffnet. Als wuUten die Betroffenen, welche lebensbejahende Stunde geschlagen hat, beginnen sie spontan mit der Balz. Sie sind "triebig", wie die Zuchter erkennen. Die alteingesessenen Mannchen werden die Boxen vom Vorjahr einnehmen, wahrend die Jungtauber um diese oder jene - bevorzugt sind die oberen Ukonkurrieren werden. Ohne Auseinandersetzungen mit Flugelschlagen oder Schnabelhieben geht es dabei nicht ab. Spatestens am dritten Tag hat sich dieser Sturm gelegt.
Jetzt werden den Taubern farbige Kunststoffringe angelegt und nach Numerierung der Nistzellen in die angelegte Karte des Zuchtbuches eingetragen. Die Trennwand der Nistzelle wird eingezogen, die Box verschlossen sowie die zugedachte Taubin, mit gleichem Farbring versehen, danebengesetzt. Sogleich balzen die Tauber aufgeregt: Mit breitgefacherten Steuerfedern streifen sie den Boden und springen in kleinen Satzen auf die abgeschrankte Taubin zu. Bedingt durch die lange Trennung von den Taubern, zeigen sich die Weibchen bald dem Gehabe der Mannchen zugeneigt. Bald sitzen sie ganz dicht am Trenngitter, als konnten sie nie mehr auseinandergebracht werden. Die Paare vom Vorjahr sind sich sofort einig; durch die Gitter hindurch tauschen sie Zartlichkeiten aus und schnabeln miteinander. Damit bei allen Paaren die Eiablage gleichzeitig erfolgt, haben wir zuvor alle, auch die alten Zuchtpaare, getrennt. Je nach Situation entfernen wir die trennenden Hindernisse am dritten bis funften Tag und lassen die Geschlechter zusammen. Balzen, Schnabeln und Kopulieren im Wechselspiel sind die Folge. Gelegentlich sitzen die Paare mit gesenkten Kopfen zusammen in der Nistschussel, transportieren vom Zellenboden vereinzelt auch weiches Nistmaterial zum Auspolstern an. Wahrend dieser Phase offnen wir im diagonalen Verfahren die Nistzellen im Schlag, also jeweils die beiden auUeren der obersten sowie der untersten Reihe. In dieser Weise wird fortgefahren, bis diese Paare gleichfalls ihr Anflugziel "lokalisiert" haben.
Bei Ausflugen in die Voliere oder ins Freie bemuhen sich die Tauber balzend um ihre Angetraute. Wiederholt kommt es zu Paarungsspielen, bis dann das sogenannte "Treiben" beginnt: Unaufhorlich verfolgt der Tauber mit schnellen Schritten und Kopfnicken und durch aufsassiges Nachfliegen seine Taubin. Kaum labt er ihr freie Zeit zum Fressen am Trog. Er fliegt zum Nest, um ihr den Weg zu zeigen, sobald sie ihm folgt, weist er sie mit symbolischen Schnabelhieben ab. Dieses Zeremoniell wiederholt sich ofters und mit Unterbrechungen, auch dann noch, wenn bereits mit dem Nestbau begonnen worden ist.
Zwischen dem sechsten und zehnten Tag nach der Begattung legt die Taubin das erste Ei. Sichernd steht (nicht sitzt) sie daruber. Dieses Ei wird per Filzstift mit der Zellennummer versehen, beiseite gelegt (winters droht Frostgefahr!) und durch eine Gipsattrappe ausgetauscht. Am ubernachsten Tag ist vormittags das zweite Ei gelegt. AnschlieUend legen wir das erste Originalei wieder hinzu. Das Brutgeschaft beginnt. Wahrend der Zeit des Brutens halten sich die alltaglichen Turbulenzen im Rahmen, sofern alle Paare festsitzen. Bei dem einen oder anderen wird es jedoch Verzogerungen geben. Hin und wieder gelingt sogar das Anpaaren gar nicht erst, weil sich manche Individuen ganz einfach nicht mogen - eine Eigenschaft, die oft bei Wildfangen mancher Vogelarten beobachtet worden ist. Haufig genug wird innerhalb der Zuchtgruppe umgepaart, wobei sich die Partner fruherer Ehen im Schlage aufhalten. Dann versuchen diese Taubinnen gelegentlich, das Nest vom Vorjahr anzufliegen, was naturgemab zu Storungen fuhrt. Auch erkennt so mancher alter Tauber seine vorherige Partnerin wieder und versucht, ihr den Hof zu machen. Raufereien sind die Folge. Bis alle Paare ihr festes Brutrevier bezogen haben und ihre Nachbarn respektieren, muU sich der Zuchter also sehr viel Zeit zum Beobachten und Eingreifen nehmen.
Aufgrund der Eintragungen der Eiablagen ins Zuchtbuch sind die Schlupftermine exakt bekannt. Die Fursorge des Zuchters ist aber auch uber das Geburtsereignis hinaus unablassig. Die Schlagbesuche haufen sich. Den brutenden Tauben machen wir unsere Aufwartung und versuchen ihnen mit "Streicheleinheiten", wie es so schon heiUt, naherzukommen. Zur standigen Betreuung gehort es auch, mit den Tieren zu reden.
Sind die Gelege einige Tage bebrutet, lassen sich die Eier gegen das Licht halten und "schieren", also prufen, ob sie befruchtet sind oder nicht. Unbefruchtete Eier werden entfernt. Sind alle Eier eines Geleges nicht befruchtet, bleibt zu uberlegen, ob nicht ein befruchtetes von einem anderen Paar untergeschoben werden soll. Diese Mabnahme hatte den Vorteil, im Brutrythmus des gesamten Schlages zu bleiben. Im Winter oder im kalten Fruhjahr wird man heilfroh sein, wenn junge Tauben bei Minustemperaturen verlegt werden konnen, falls Alttiere sich zu fruh der nachsten Brut widmen. Andererseits wird man bei einem unbefruchteten Gelege von einem jungen Tauber feststellen wollen, inwieweit dieses Unvermogen einmalig war oder wie er sich beim nachsten Mal bewahrt. Von Fall zu Fall hat der Zuchter fur sich zu entscheiden.
Die Brutdauer erstreckt sich im Mittel uber siebzehn bis achtzehn Tage. Der Schlupfvorgang wahrt etwa vierundzwanzig Stunden, bis sich das Taubenjunge trocken in das Federwerk der Eltern kuschelt. Hat sich der Zuchter am Verlauf des Brutgeschehens hilfreich beteiligt, wird das Schlupfen der Taubenkuken zeigen, wie erfolgreich seine forderlichen Mabnahmen waren.
Die Pflege der Zuchttauben unterliegt routinemabig dem ublichen Reglement im TagesU bzw. Langzeitablauf. Insbesondere lassen wir sie vor allem wahrend des Fruhjahres und heiUen Sommers haufiger als sonst baden. Schon diese Mabnahme ist eine wichtige Bruthilfe von Zuchterseite. Je naher der Schlupftermin ruckt, um so umfangreicher wird die Grunfutterung. Das Gelege benotigt dringendst Feuchtigkeit, so dab die Elterntiere eifrig Pflanzenteile als feuchtigkeitsspendende Unterlage fur die Eier in das Nest transportieren. Unterlassen dies die Alten, wird der erfahrende Zuchter diese Hilfe von sich aus gewahren.
Aber gerade die Grunfuttergaben sind es naturlich, die neben den standig bereitsteUhenden Mineralien den Jungtieren bei der Nahrung fur die ersten Tage eine optimale Bereicherung bedeuten. Es ist ein Trugschlub anzunehmen, die Kropfmilch der Tauben entsprache der Milch von Saugetieren. Dem ist nicht so, wie die Analysen beweisen. Etwas mehr als die Halfte der getrockneten Kropfmilch sind Bestandteile aus Eiweibstoffen, ein gutes Drittel Fett und sechs Prozent Mineralstoffe. Ihr Gehalt ist jedoch konzentriert genug, um den Bedarf der aufzuziehenden Taubenkuken decken zu konnen. In dem kaseartigen Brei sind in so ausreichender Menge Energietrager enthalten, dab die Nesthocker ihr Gewicht innerhalb von zwei Tagen verdoppeln konnen, ohne dabei zu berucksichtigen, dab die Anfutterung durch die Eltern erst zehn bis zwolf Stunden nach dem Schlupf einsetzt.
Die Kropfmilch wird im gleichnamigen elterlichen Verdauungsorgan erzeugt. Diese Sekretbildung steht im Zusammenhang mit dem Brutverlauf. Je naher der Schlupftermin ruckt, um so starker bilden die Kropfschleimhaute die Aufzuchtnahrung. Die Kropfmilchbildung wird bereits in der ersten Woche des Brutens eingeleitet und erreicht ihren eigentlichen Hohepunkt ab dem funfzehnten Tage. Dieser vorfristige Zeitpunkt mag mit der verkurzten Brutdauer der Tauben in warmeren Zonen im Einklang stehen, die dort bei funfzehn Tagen liegt und sich bei uns um einige Tage verlangert.
Wir konnen diesen Produktionsvorgang bei im Jungtierschlag gehaltenen, zum Schlachten vorgesehenen Taubinnen beobachten, die dort in Form einer Scheinehe mit einer Partnerin zur Brut geschritten sind. Beim Zerlegen dieser Schlachttauben lassen sich die Vorgange am geoffneten Kropf deutlich sichtbar feststellen. Das Kropfinnere ist zunachst rauh bis schmierig, je nach Dauer der Brutzeit ist der Geruch leicht bis stark kaseartig.
Mit wurgenden Bewegungen der Eltern wird den Nestlingen die Kropfmilch in den Schnabel gedruckt. Dies gelingt wahrend der ersten Tage auch den Kurzschnablern pjg Zuchter halten sich infolgedessen gerne eine Uberzahl an Ammen, damit die Jungen durch Verlegen jeweils einige Tage langer in den GenuU des hochkonzentrierten Sekrets kommen, das die eigentlichen Eltern sonst schon nach funf bis sieben Tagen durch im Kropf eingeweichtes Kornerfutter ersetzen.
Diese Kropfmilchbildung der Tauben halt sich demnach in festen, abschatzbaren Zeitgrenzen. Das ist der Grund, weshalb in der Ammenhaltung nicht kleinlich verfahren werden muU. Das Verhaltnis eins zu eins ware sehr ungunstig gewahlt: es bedarf vielmehr eines groberen Spielraumes, eben weil spontan erforderlicher KropfUschleim zumeist nicht zur Verfugung steht, wenn er zwangslaufig benotigt wird. Nach der Umstellung auf feste Nahrung wachsen die Jungen rasch heran und werden zusehends kraftiger. Die Gewichtszunahme steigert sich sehr rasch, wenn die Jungvogel gesund sind und von ihren Eltern vorbildlich versorgt werden. Dann erreichen sie am 25. Lebenstag das 25U bis 30fache ihres Geburtsgewichtes, wobei das Wachstum in der Regel am 28., spatestens am 30. Tage abgeschlossen ist. Nach zehn, zwolf Tagen sind die ersten Federfluren erkennbar, und wenn die Jungen voll befiedert sind, sind sie einigermaben "uber den Berg" und vor Erfrierungen geschutzt. Zuvor hat jedes der Taubchen den Bundesring sowie den gleichfarbigen Markierungsring der Elten aufgezogen bekommen. Sind die Nesthocker zwei Wochen alt, beginnt bei den Alttieren im Normalfall erneut die Brutlust. Eine weitere Nistschale steht fur die Eiablage bereit. Das gleiche Spiel der Nachzuchtpflege beginnt von vorn und verlauft parallel zur Weiterversorgung der vorangegangenen Brut.
Unterdessen erfahren die betroffenen Jungtiere einen sehr kritischen, lebensbedrohlichen Abschnitt in ihrem jungen Erdendasein, wenn sich die Elterntiere einerseits dem Liebesspiel hingeben und andererseits die Kuken hudern sollen. Um sie zum weiteren Warmen der Nachzucht zu zwingen, hatten wir es vorgezogen, im Zuchtschlag auf uberzahlige Sitzplatze zu verzichten. Somit halten sich die Elterntiere gezwungenermaben zumindest nachts bei den warmebedurftigen Kleinen auf. Wie zuvor erwahnt, ist es wahrend einer Kalteperiode nicht ganz einfach, die Kuken in diesem Stadium bis zum Fluggewerden am Leben zu erhalten. Mit wachem Auge muU der Zuchter notfalls geschickt Hand anlegen. Meistens geschieht dies durch Umlegen des Nachwuchses von einem zum anderen Nest. Wir werden dabei bemuht sein, stets gleichweit entwickelte Taubenkinder in einem Nest zu haben. Aber es labt sich kaum vermeiden, dab das eine oder andere im Wachstum zuruckbleibt. Nicht selten liegen dann in einem Nest sogar drei Junge und anderswo nur eines. Geschieht das Verlegen, noch bevor der Bundesring aufgezogen ist, so markieren wir solche Tierchen mit einem farbigen Filzstift auf dem Rucken. Ihre Abstammung bleibt uns damit nicht unbekannt.
Alle Investitionen, ob ideell oder finanziell, und jeder Einsatz fur die Zucht waren nicht lohnend, wurden Zuchter fahrlassig mit dem Nachwuchs umgehen. Es ist zu versuchen, jedes Taubenbaby am Leben zu erhalten. Oft genug wird der Zuchter erstarrte, unterkuhlte Taubchen im Nest finden, die keineswegs verloren sein mussen. In die warme Handmulde genommen und mit Anhauchen erwarmt, werden sie grobtenteils mit weitaufgesperrtem Schnabel und rudernden Flugelchen anfangen. schwer zu atmen. Eile ist in diesen Fallen stets geboten. Ein solches Tierchen nehmen wir mit ins Haus, betten es in ein Tuch und holen es, durch Gluhbirnenwarme angestrahlt, ins Leben zuruck. Etwa eine Stunde danach wird es wieder vollkommen bei sich sein. Mit Hilfe einer Pipette wird ihm lauwarmes Wasser eingefloUt und je nach Alter ein Haferflockenbrei oder eingeweichte Korner zugefuhrt. Geeignet ist auch ein Pressfutter in verflussigter Form. AnschlieUend kommen solche Jungtiere zu den Eltern zuruck, zumindest jedoch unter ein Junge fuhrendes Alttier, das auch diesem "Findling" Futter geben wird. Oft sind einjahrige Zuchttiere unzuverlassig, wenn sie sich tagsuber einer erneuten Paarung hingeben. Schutzlos liegen dann die nicht voll befiederten Tierchen im nur von unten her warmenden Nest. Kehren dann die Eltern zum Nest zuruck, erwarten sie bettelnde Junge. Bei Ruckkehr der Alten reagieren verklammte Kuken hingegen nicht mehr. Aufgrund von Kaltestarre liegen sie manchmal teilnahmelos sogar auUerhalb des Nestes. Mit leichtem Schnabelstippen auf den Kukenrucken beabsichtigen die Eltern, ihre Kinder fur die Futteraufnahme zu interessieren. Bleiben sie dabei erfolglos, ist es um die Nachzucht geschehen. Setzen sie sich jedoch auf die junge Brut, erweckt die Elternwarme wieder neuen Lebensmut, wenn es nicht gar zu spat ist. Wenn die Jungtauben ab dem 20. Lebenstag einigermaben selbstandig geworden sind, stellen wir kleine TongefaUe mit Futter und Wasser in die Zelle. Weil die Jungen das Frebverhalten der Eltern nachahmen und bei der Atzung herabfallende Korner ohnehin schon aufgepickt haben, erlernen sie recht zugig, sich selbst zu versorgen. Wirken sie storend, indem sie sich mit in das Nest der wieder brutenden Eltern setzen, wird erneut die Trennwand als Hindernis in die Brutzelle gestellt. Das Absetzen von den Eltern geschieht im fluggen Alter von etwas vier Wochen. Die Jungen sind nun selbstandig und wollen ausfliegen. Dies ist der Zeitpunkt, sie in den Jungtierschlag zu bringen. Futter werden sie gleich aufnehmen, und sollten sie umstandlich das TrinkgefaU suchen, hilft der Zuchter mit dem Einfuhren des Schnabels in das Wasser nach. Nachahmend werden samtliche Schlagneulinge den Weg zur Tranke finden. Durstige Tauben erkennt man an aufgeplustertem Gefieder und an ihrer Teilnahmslosigkeit.
Die Tauben mausern mehr oder weniger das ganze Jahr hindurch, denn mit dem Wachsen des Jungtiergefieders verlieren sie bereits nach einigen Lebenstagen die Nestdunen. Im Alter von zehn, zwolf Wochen beginnt der Federwechsel bei den Jungtauben. Diesen Vorgang der Jungmauser erwarten die Zuchter mit grober Spannung. Erst nach deren vollstandigem Abschlub wird es moglich, die Rassetaube hinsichtlich ihrer Zeichnung und Farbintensitat qualitativ zu beurteilen. Die Mauser bei Alttieren beginnt in der Regel zehn Tage nach Beginn der zweiten Brut, und zwar mit dem Ausfallen der zehnten Handschwinge. Spatestens vier Wochen danach erfolgt der zweite Handschwingenwechsel usw. Haben sich die funfte und sechste der Handschwingen neu entwickelt, fallen Armschwingen sowie Steuerfedern. Abgesehen vom Unterschied des Zeitverlaufes der Mauser bei JungU und Alttauben unterscheiden wir den Wechsel von GroUU und Kleingefieder, indem sich erst mit Ausfallen der achten Handschwinge die Deckgefiedermauser einstellt und die Fluren von Hals, Kopf, Schulter und Rucken betrifft. Die Zonen an Hals und Kopf, also das Flugvermogen nicht beeintrachtigendes Federwerk, zeigen sich nun gelegentlich sehr luckenhaft bis zur Kahlkopfigkeit.
Verstandlich fur jeden Zuchter ist, dab besonders in diesem Zeitraum den Tauben in ausreichendem Mabe zusatzliche, den Federwuchs fordernde Gaben in Form von Vitaminen (Grunfutter), Mineralien (Taubenstein, Grit, etc.) und eiweibhaltigen Komermischungen, speziell fur das Mausergeschehen zusammengestellt verabreicht werden mussen. Traubenzuckergaben, im Trinkwasser aufgelost sowie das Beim' sehen frischen Lebertrans ins Futter sind zuchterische Hilfsmittel, den Mauserverhnf zubegunstigen.
An zugigem "Durchmausern" mub jeder Zuchter interessiert sein weil diese Phis den Tierorganismus schwacht und schlieUlich dann anfallig gegen Infekti ' werden labt, wenn eine gediegene Fursorge ausbleibt. Wiederum wird deutlich welchem Reglement die Zuchttaube im Jahresablauf unterliegt wenn sie nac^ Ermessen des Zuchters fur die Zuchtarbeit eingesetzt wird. Der Zuchter lenkt ils von Anbeginn und unter Berucksichtigung des naturlichen Rhythmus sehr orasise sogar den Verlauf der Zuchtereignisse in Hinblick auf terminliche Vorgaben he stimmter, von ihm zur evtl. Beteiligung ins Auge gefaUter Rassetaubenschauen.